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Biathlon-Weltcup : „Renntier“ Neuner holt ersten deutschen Sieg in Oberhof

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Eine (noch) ungewohnte Pose für Magdalena Neuner Bild: AP

Das 19 Jahre alte Nesthäkchen des deutschen Biathlonteams, Magdalena Neuner, gewinnt völlig überraschend den 7,5-Kilometer-Sprint am Oberhofer Rennsteig. „Das ist unglaublich, der Wahnsinn“, sagte die bayrische Zolloberwachtmeisterin.

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          Daheim spielt sie Harfe, in Oberhof die erste Geige: Ausgerechnet Nesthäkchen Magdalena Neuner hat an der Spitze einer deutschen Troika für die deutsche Siegpremiere beim Biathlon-Weltcup in Oberhof gesorgt. Den ersten großen Triumph ihrer Karriere feierte die gerade 19-Jährige im 7,5-Kilometer-Sprint unter dem Jubel von 19.000 begeisterten Fans am Thüringer Rennsteig vor Weltcup-Spitzenreiterin Andrea Henkel und Martina Glagow. Kati Wilhelm wurde Neunte.

          „Das ist unglaublich, der Wahnsinn. Ich kann das alles noch gar nicht richtig realisieren“, sagte Magdalena Neuner. Die Zolloberwachtmeisterin aus dem 1500-Seelen-Ort Wallgau hängte die komplette Weltelite bei Dauerregen und Grippe-Wetter trotz zweier Strafrunden dank einer furiosen Laufleistung ab und erinnerte nicht nur durch ihre rot-schwarze Kappe an ihr Vorbild Uschi Disl. „Ich bin einfach über die Strecke geflogen. Die Beine waren so locker. Mich hat das gar nicht so angestrengt“, erzählte sie.

          „Phantastische Leistung“

          Bisher hatte die seit Jahren als größtes deutsches Talent geltende fünfmalige Junioren-Weltmeisterin mit dem Hobby Harfe-Spiel immer die Junioren-WM als Saisonziel Nummer eins genannt. „Natürlich würde ich mich nicht ärgern, wenn mich der Bundestrainer jetzt sogar mit zur WM nach Antholz mitnimmt“, sagte die Überraschungssiegerin. Ihr Coach Uwe Müssiggang bescheinigte seiner Newcomerin eine „phantastische Leistung. Das war schon taff, wie sich die Lena vor dieser Kulisse präsentiert hat.“

          Volle Fahrt voraus bis hinauf aufs Podium

          Die Kulisse der fanatischen Fans in der Rennsteig-Arena hatte Neuner freilich mithilfe von Ohrstöpseln gefiltert. „Ich bin mit Ohropax gelaufen. Das sollte vor allem am Schießstand helfen. Da bin ich doch noch nicht so stabil.“ Die Kulisse stöhnte trotzdem zweimal lauthals, als Neuner im Stehendanschlag zwei Scheiben verfehlte und ins Strafrunden-Karussell einbiegen musste. Aber auch weil sie im Gegensatz zu ihren prominenteren Teamkolleginnen nicht für die kraftraubende Staffel zum Weltcup-Auftakt berücksichtigt worden war, hängte Neuner auf der Schlussrunde alle regelrecht ab.

          Henkel führt weiter Gesamtwertung an

          „Du Renntier“, polterte Andrea Henkel als Anerkennung in Richtung ihrer freudestrahlenden Kollegin. „Ich wusste, dass die Lena so etwas drauf hat.“ Mit sich war die dreifache Saisonsiegerin, die erstmals in ihrer Karriere im Gelben Trikot der Weltcup-Besten ihr Heimspiel bestritt, auch zufrieden. „Mir ist auf schwerer Strecke ein gutes Rennen gelungen. Und die Führung in der Gesamtwertung habe ich auch noch ausgebaut.“

          Insgesamt führt Henkel (Großbreitenbach) nun mit 343 Punkten vor der diesmal auf Rang zehn gelandeten Schwedin Anna Carin Olofsson (260) und Wilhelm (Zella-Mehlis/258). Neuner geht am Sonntag (11.30 Uhr) als Erste und damit als Favoritin in das 10-Kilometer-Jagdrennen, bei dem auch der im Sprint fehlerfrei schießenden Martina Glagow (Mittenwald) Siegchancen eingeräumt werden.

          „Alles wunderbar“

          „Auf der Strecke war ich doch ziemlich müde, aber beim Schießen habe ich sehr konzentriert gearbeitet und die Null geschafft. Ich bin super zufrieden, alles wunderbar“, sagte Glagow. Am Oberhofer Grenzadler steht zuvor am Samstag (14.15 Uhr) der 10-Kilometer-Sprint der Herren auf dem Programm. Dreifach-Olympiasieger Michael Greis muss dabei sein Gelbes Trikot des Führenden der Gesamtwertung gegen den fünfmaligen Saisonsieger Ole Einar Björndalen (Norwegen) verteidigen.


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