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Extreme Kälte beim Biathlon : „Ich habe ehrlich gesagt auch geweint“

  • Aktualisiert am

Nicht nur die Französin Julia Simon litt unter der extremen Kälte in Canmore. Bild: AFP

Das Thermometer zeigt minus 29,5 Grad. Die Biathleten erleben beim Weltcup in Kanada extreme Bedingungen. Bis zur Absage der letzten Rennen müssen die Sportler schlimme Schmerzen ertragen.

          Arktische minus 29,5 Grad zeigte das Thermometer bei strahlendem Sonnenschein im „Gefrierschrank“ Canmore an – viel zu eisig für Laura Dahlmeier und Co.: Um die Gesundheit der ohnehin schon arg strapazierten Athletinnen und Athleten nicht noch weiter zu gefährden, sagte die Internationale Biathlon-Union (IBU) die am Sonntag geplanten Sprintrennen der Frauen und Männer kurzfristig ab. „Schön, aber einfach viel zu kalt“, schrieb die IBU in den sozialen Netzwerken unter ein Foto, das ein Thermometer am Schießstand zeigte. Die Entscheidung sei nach einer Sitzung der Rennjury am Sonntagmorgen (Ortszeit) gefallen, „da für den ganzen Tag Temperaturen von etwa minus 20 Grad vorhergesagt sind“, teilte der Verband mit – und ließ Vernunft walten.

          Wenigstens beim Blick auf die Prognosen des amerikanischen Wetterdienstes dürfte den deutschen Biathleten warm ums Herz werden. Temperaturen nur knapp unter dem Gefrierpunkt erwarten die Skijäger in der kommenden Woche beim Weltcup in Soldier Hollow/Utah – bei den Strapazen und Qualen, die sie im kanadischen Canmore ertragen mussten, sind dies fast schon frühlingshafte Aussichten. Die Rennen in den Rocky Mountains waren zum Extremsport an der Grenze zum körperlich Machbaren geraten.

          Die schlimmsten Schmerzen waren immerhin schon wieder gelindert, als die kältegeplagte Frauen-Staffel in dicke Winterjacken eingepackt aufs Podium hüpfte und ihre perfekte WM-Generalprobe feierte. Doch der Sieg in Canmore hatte dem Team um Laura Dahlmeier einiges abverlangt, zeigte das Thermometer während des letzten Staffelrennens vor dem Saisonhöhepunkt im schwedischen Östersund (7. bis 17. März) doch frostige 19 Grad unter Null an, den eisigen Wind noch gar nicht eingerechnet.

          „Es ist der Wahnsinn. Ich bin ins Ziel und habe gedacht: ’Oh Gott, ist überhaupt noch alles dran?’“, sagte Startläuferin Vanessa Hinz entgeistert der ARD. Eingemummelt in Mütze und Kopftuch, den Schal übers Kinn gezogen und das Gesicht zum Schutz gegen Wind und Kälte mit schwarzen Tapes bepflastert stand sie da und jammerte: „Ich habe ehrlich gesagt auch geweint. Ich habe ein Mädel gesehen, das hatte ein gefrorenes Ohrläppchen.“ Nach dem Reglement des Weltverbandes IBU dürfen ab minus 20 Grad keine Rennen gelaufen werden, ab minus 15 Grad muss die Jury in Absprache mit Ärzten entscheiden, ob ein Start vertretbar ist. Lange hatte die Rennleitung deshalb über eine Durchführung der Staffeln beratschlagt – und das Go gegeben.

          Nicht überall stieß dies auf Wohlwollen. Frauen-Disziplintrainer Kristian Mehringer und Doppel-Olympiasiegerin Dahlmeier, die auf die Rennen in Soldier Hollow mit Blick auf die WM verzichtet, bezeichneten den Beschluss zur Austragung als „grenzwertig“, auch Hinz stellte die Entscheidung der Jury infrage: „Es ist sehr an der Grenze, bis dahin, dass man es hätte absagen müssen, weil es arschkalt ist.“

          Eifrig hatten die Organisatoren die Rennen des gesamten Kanada-Weltcups hin- und hergeschoben, um noch die „wärmsten“ Passagen abzupassen. Die Sportler wappneten sich mit Schals, Mützen und teilweise dicken Wollhandschuhen gegen die beißende Kälte, mit schützenden Pflastern im Gesicht glichen sie wandelnden Mumien – doch all dies half nur bedingt. Gefrorene Tränenflüssigkeit in den Augen behinderte manche Athleten beim Schießen, das so wichtige Feingefühl in den Fingern war arg eingeschränkt, der Fahrtwind sorgte für zusätzliche Schmerzen.

          „Ich habe das ganze Rennen eigentlich meinen linken Daumen nicht gefühlt“, klagte Roman Rees nach dem vierten Platz mit dem Männer-Team. Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer, der auf die Staffel krankheitsbedingt verzichten musste und auch die WM-Generalprobe in Soldier Hollow auslassen wird, sagte schon nach dem Einzel über eine Abfahrt: „Da friert einem ein bisschen das Jochbein weg.“ Immerhin das dürfte seinen Teamkollegen in den Vereinigten Staaten erspart bleiben.

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