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Deutscher Biathlon-Star : Dahlmeier und das ewige Grübeln übers Karriereende

  • Aktualisiert am

Zweimal Bronze: Die WM in Östersund verlief nicht so erfolgreich für Laura Dahlmeier wie gewohnt. Bild: AFP

Sie ist erst 25 Jahre alt. Doch hinter Laura Dahlmeier liegen schwierige Monate. Ob sie es dauerhaft wieder nach ganz oben schafft, ist ungewiss. Auch ein baldiges Karriereende ist nicht ausgeschlossen.

          Laura Dahlmeier hat ihr nächstes großes Ziel schon fest im Blick, mit Biathlon hat dieses aber nichts zu tun. Nach dem Ende einer Saison mit vielen Rückschlägen und weniger Höhepunkten als gewohnt steht für die Doppel-Olympiasiegerin eine Tour auf den höchsten Berg des Irans an. „Man braucht mal Abstand und andere Leute um sich herum, eine andere Materie. Nicht schon wieder trainieren“, sagte die 25-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Beim Bergsteigen kann Dahlmeier am besten abschalten. Nach Reisen nach Nepal, Peru, den Vereinigten Staaten und Georgien geht es nun auf den 5604 Meter hohen Damawand.

          Vielleicht wird die siebenmalige Weltmeisterin dabei entscheiden, wie es mit ihrer Karriere weitergeht. Sie werde „wie jedes Jahr im Frühjahr“ festlegen, wie ihre Zukunft aussieht, sagte Dahlmeier beim Weltcup-Finale in Norwegens Hauptstadt Oslo. Noch ist unklar, ob sie auch im nächsten Winter antritt und die WM 2020 in Antholz/Italien ins Visier nimmt – oder vielleicht doch schon früh zurücktritt.

          Am Montag ging es für Dahlmeier zunächst zurück in die Heimat, nach den letzten Rennen am Holmenkollen sucht sie Ruhe. Zuvor tritt die ehemalige Gesamtweltcupsiegerin noch bei der Zoll-WM in Tirol an. Als Zollbeamtin ist die Bayerin dazu verpflichtet. „Das gehört genauso mit dazu, aber dann am Freitag bin ich froh, wenn ich das Gewehr ins Eck stellen kann, die Ski in den Keller, und die Sachen erstmal ein, zwei Wochen nicht mehr anschauen muss.“

          Hinter Dahlmeier liegen schwierige Monate. Im Herbst vergangenen Jahres hatte sie noch völlig entkräftet im Krankenhaus gelegen, es folgten Krankheiten und Ausfälle. Dass sie bei der WM vor zwei Wochen trotzdem zwei Bronzemedaillen in Östersund gewann, hat sie selbst überrascht. „Sie sind sehr besonders für mich“, sagte Dahlmeier. Im Vorjahr feierte sie in Pyeongchang noch zwei Olympiasiege, 2017 hatte sie fünfmal Gold und einmal Silber bei der WM in Hochfilzen gewonnen.

          Das war in diesem Winter nicht drin. „Da es für mich eine schwierige Saison war, merke ich jetzt schon, dass mir hintenraus die Körner fehlen“, sagte Dahlmeier in Oslo. In der Verfolgung am Samstag habe es sich angefühlt, als habe jemand „den Stecker gezogen“. Die Plätze 27, 20 und 16 waren alles, was am Ende in Norwegen noch ging.

          Knapp vier Wochen hatte sich die Garmisch-Partenkirchnerin vor einem Jahr auf eine Alm zurückgezogen, um nachzudenken und Abstand zu gewinnen. Im Sommer stand schließlich der Entschluss, weiterzumachen. Ähnlich könnte es auch in den kommenden Monaten aussehen. „Wenn ich weiter Spaß an dem Sport habe, dann habe ich weiter Lust, voll vorne anzugreifen. Wenn es nicht so ist, dann ist es eben nicht so“, sagte Dahlmeier der ARD: „Ich werde für mich abwägen, was für mich wichtig ist, wie es mir geht und was mein Körper dazu sagt.“

          Selbst in Dahlmeiers engstem Umfeld gab es zuletzt schon Zweifel, dass sie noch lange im Weltcup unterwegs sein wird. „Vom Bauchgefühl her würde ich sagen, dass Laura bei Olympia 2022 in Peking nicht mehr am Start ist“, sagte ihr Heimtrainer und Entdecker Bernhard Kröll. „Es wäre für den Biathlon-Sport eher besser, wenn ich mich täusche.“

          Dahlmeier betreibt in der Frage um die Fortsetzung ihrer Laufbahn kein Spiel um Aufmerksamkeit. Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017 scheint unsicher, ob sie es dauerhaft wieder nach ganz oben schaffen kann. Probleme mit der Motivation habe sie keine, versicherte sie. Doch ihr Körper zwang sie schon zu vielen Pause, zu viele Rennen fanden ohne die Ausnahmekönnerin statt. Während Magdalena Neuner 2012 im Alter von 25 Jahren vor allem aus persönlichen Gründen zurücktrat, geht es bei Dahlmeier eben auch um die Gesundheit.

          Kaum jemand kann sich so quälen wie sie. Nach ihren WM-Siegen erlitt Dahlmeier in Hochfilzen Schwächeanfälle, auch in Oslo gab sie alles und rang im Ziel nach für sie eher mittelmäßigen Ergebnissen völlig ausgepumpt nach Luft. „Vollgas bis zum Ende“ habe sie gegeben. Auch deswegen ist eine Pause nun dringend nötig. „Ich brauche ein, zwei, drei Wochen Abstand, dann werde ich wieder sportlich aktiv sein.“

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