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Biathlon : Schuss mit lustig

  • -Aktualisiert am

Biathlon: Schnell und vielseitig Bild: AFP

Eine Sportart, die vor einiger Zeit noch von der Aura des Militaristischen umgeben war, entwickelt sich in Deutschland zum Volkssport. Skischulen bieten Kurse an und der Profisport hofft auf Nachwuchs.

          Ole Einar Björndalen wohnt im Dorf. Hier trainiert der Olympiasieger und Weltmeister, im Biathlonzentrum von Obertilliach. Zum Glück ist er gerade nicht da, denn sonst würde ich mir noch ungeschickter vorkommen - erschöpft, wie ich bin, mit dem Gewehr aufgestützt auf schwankenden Armen, mit zitternden Händen, nach einer gar nicht so langen, aber doch rasch absolvierten Runde auf Langlaufskiern.

          Wie soll man das bloß alles zusammenbringen: kalte Finger, der schwitzende Körper, schweres Atmen. Dazu noch die sperrigen Skier: sie müssen im Liegen irgendwie hinter, neben und zwischen den Beinen plaziert werden. Die Stöcke nicht einfach fallenlassen, sondern geordnet ablegen, damit man sie nach dem Schießen rasch zur Hand hat. Jetzt an die Stabilisierung des Gewehrs durch die Arme denken. Dann natürlich das Schießen nicht vergessen: nach Möglichkeit nicht zu früh, denn der Abzug ist locker, aber auch nicht zu spät, denn dann geht die Ausrichtung wieder verloren. Zwischendurch beachten: nach jedem Schuss wird durchgeladen. Zum Glück hat man als Anfänger noch nicht die ganz speziellen Probleme der Profis: Achtgeben auf eine optimale Pulsfrequenz beim Beginn des Schießens, Rücksicht auf die Eigenart des Gewehrs und die Windrichtung, die Wahl geeigneter Patronen.

          Oh Wunder, getroffen!

          Für einen Augenblick habe ich die schwarze Scheibe im Visier, doch schon ist sie wieder verwackelt. Also Neuansatz und Schuss - daneben. Nicht lange zögern oder gar lamentieren, sondern wieder anvisieren und schießen - und wieder vorbei. Beim dritten Schuss, oh Wunder, fällt tatsächlich die Scheibe. In der unterdrückten Freude darüber gehen die beiden letzten Schüsse daneben. Immerhin, so die Zwischenbilanz, sind diese fünfzig Meter entfernten Ziele tatsächlich zu treffen. Das macht Mut für eine weitere Runde.

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          Genau 115 Millimeter beträgt der Durchmesser der Scheibe, auf die die Athleten im Stehen schießen müssen. Wir Anfänger dürfen sie aber im Liegen anvisieren, damit wir vielleicht doch einmal treffen und der Spaß erhalten bleibt. Die 45 Millimeter der regelgerechten Scheibe fürs Liegendschießen würden wir höchstens durch Zufall erwischen. Überhaupt bekommen wir eine ganze Reihe von Erleichterungen zugestanden, von denen wir einige gar nicht bemerken. Nicht einmal das Gewehr müssen wir, den Regeln entsprechend, beim ersten Mal mit auf unsere Langlaufrunde nehmen. Es liegt für jeden fein säuberlich am Schießplatz bereit. Zu Beginn, während der einführenden Schießübungen, durften wir den Lauf außerdem auf einen stabilisierenden Sandsack auflegen und trafen deshalb relativ häufig. Aber Schießen in Ruhe und Schießen nach einem anstrengenden Skilanglauf - das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

          Blöde Idee, ganz toll!

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