https://www.faz.net/-gtl-s0xi

Biathlon-Olympiasieger : Sven Fischer krönt sein Lebenswerk

  • Aktualisiert am

Völlig erschöpft im Ziel: Sven Fischer Bild: REUTERS

Nach den beiden Staffel-Siegen 1994 und 1998 hat Sven Fischer bei den Winterspielen in Turin endlich die ersehnte Goldmedaille im Einzel gewonnen. Mit seinem Olympiasieg im Sprint über 10 Kilometer sicherte der 34jährige das dritte Gold für Deutschland. FAZ.NET-Bildergalerie.

          2 Min.

          Nach dem Rennen seines Lebens blieb Sven Fischer völlig ausgepumpt lange im Ziel liegen und fiel danach seinem Vater Willy in die Arme. Der 34jährige gewann endlich sein ersehntes olympische Einzel-Gold und setzte die Siegeserie der deutschen Biathleten bei den Winterspielen fort. Im Sprint über 10 Kilometer wurde der Thüringer am Dienstag in San Sicario zum dritten Mal nach den beiden Staffel-Siegen 1994 und 1998 Olympiasieger.

          „Im Ziel bin ich bewußt etwas länger liegen geblieben, weil ich wußte, gleich ist es mit der Ruhe vorbei“, sagte Fischer, der nach dem Erfolg von Michael Greis (Nesselwang) über 20 Kilometer im zweiten Wettbewerb das zweite deutsche Gold holte. „Wir haben zusammen viel durchgemacht. Schönes und auch weniger Schönes. Der Sport ist nur die schönste Nebensache“, dankte Fischer seinen Eltern.

          „Bin froh, Athleten zu haben, die sich so quälen und schinden“

          Mit zwei fehlerfreien Schießen blieb der siebenmalige Weltmeister Fischer in 26:12,6 Minuten vor den beiden Norwegern Halvard Hanevold (26:19,8/0) und Frode Andresen (26:31,2/1). „Nun haben wir schon zum zweiten Mal die starken Norweger geschlagen. Das war unser Ziel. Auf so ein Rennen haben wir seit Jahren hingearbeitet“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich jubelnd. „Ich bin froh, solche Athleten zu haben, die sich so quälen und schinden. Sven hat es verdient.“

          Völlig erschöpft im Ziel: Sven Fischer Bilderstrecke

          Ricco Groß (Ruhpolding) fehlten auf Platz sieben trotz einer makellosen Schießbilanz 43,8 Sekunden auf Bronze. „Mehr war einfach nicht drin“, meinte Groß. Alexander Wolf (Oberhof) als 15. hätte ohne zwei Fehler im Stehendanschlag auch noch in den Kampf um Edelmetall eingreifen können. Die drei Deutschen haben nun eine hervorragende Ausgangsposition für das Verfolgungsrennen über 12,5 Kilometer am Samstag. Hingegen startet Einzel-Olympiasieger Michael Greis nach drei Strafrunden mit 2:11,3 Minuten Rückstand nur vom 35. Platz. „Ich hatte das Gefühl, als ob im Rennen jemand mit dem Gummiband hinter mir steht und sich ziehen läßt“, sagte Greis.

          Harte Arbeit und Aberglaube

          Den wohl letzten Moment der Ruhe vor dem Pflichtprogramm eines Olympiasiegers genoß Sven Fischer nach der Blumenzeremonie in inniger Umarmung mit Mutter Helga, seinem Vater und dem Bundestrainer. Den Kopf an die Schulter der Mutter drückte der Thüringer seine Dankbarkeit für die jahrelange Unterstützung seiner Eltern aus, die erstmals gemeinsam Augenzeuge eines Olympiastarts ihres Sohnes waren. „Ich muß jetzt beim Doktor bleiben. Ich bekomme fast einen Herzkasper“, sagte Vater und Manager Willy kurz nach dem Coup seines Sohnes. Wie immer hatte er das Rennen im Wald erlebt, um „Sven nah ins Gesicht sehen zu können. Ich wußte nicht, wie er geschossen hat, aber habe erkannt, wie er um den Sieg beißt.“

          Trotz der vielen Weltcup-Erfolge im Olympia-Winter verließ sich das deutsche Lager nicht nur auf die geleistete harte Arbeit, sondern auch ein wenig auf den Aberglauben. Bundestrainer Ullrich drückte wie bereits beim Olympiasieg von Greis einen vergoldeten Glücks-Cent seiner Frau in der Hand. Willy Fischer faltete blind die Startliste. als er wieder auf das Blatt schaute, sah er prompt den Namen seines Sohnes Sven ganz oben stehen.

          Der neue Olympiasieger ließ auch nach dem größten Einzelerfolg seiner Karriere offen, ob er seine sportliche Laufbahn fortsetzt. „Das entscheide ich immer erst im Frühjahr. Dann frage ich immer meinen Kopf, ob er will, und den Doktor.“

          Weitere Themen

          Happy End in Südtirol

          Biathlet Erik Lesser : Happy End in Südtirol

          Aufgetaucht aus der Versenkung: Nach einer missratenen Saison steht Erik Lesser bei der Biathlon-WM plötzlich als großer Gewinner da. Doch alte Verletzungen bereiten ihm Probleme.

          Topmeldungen

          Klaus Wolfram im Februar im Prenzlauer Berg, dort also, wo früher Ostberlin war

          Ein Treffen mit Klaus Wolfram : Ostdeutscher Frühling

          Nicht nur in Thüringen versuchen rechte Demagogen den Osten zu usurpieren. Der DDR-Oppositionelle Klaus Wolfram kritisiert die ungleiche Verteilung der Diskursmacht in Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.