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Biathlon : Magdalena Neuner rennt die „Nuller“ in Grund und Boden

Strahlende Siegerin: Magdalena Neuner gewann den Sprint in Ruhpolding Bild: ddp

Die Null muss stehen? Nein - wenn man Magdalena Neuner heißt. Der Biathlon-Weltmeisterin ist auch eine Strafrunde nicht zu lang, um in Ruhpolding vor Kati Wilhelm zu siegen. Die Ohrenstöpsel bewährten sich trotz des Patzers.

          Sie muss nicht unbedingt stehen – die Null. Sofern man Magdalena Neuner heißt und endlich wieder in der Laufform ist, die einen in der vergangenen Saison im Biathlon-Zirkus nahezu unwiderstehlich gemacht hat. Eine Strafrunde á 150 Meter, das ist für die sechsmalige Weltmeisterin aus Wallgau offenbar kein Hinderungsgrund mehr, im Sprint über 7,5 Kilometer wieder zu gewinnen.

          So wie am Freitag, beim Heimspiel vor 17.000 Biathlon-Fans in der Chiemgau-Arena. Da hat die 21 Jahre alte Skijägerin aus dem Werdenfelser Land eine Art sportliche Wiederauferstehung gefeiert. In ihrer stürmischen Art, der auch die zuletzt beim Massenstart in Oberhof erfolgreiche Teamkollegin Kati Wilhelm nichts entgegenzusetzen hatte.

          „Die Lena war halt ein klein bisschen schneller“

          Der 32 Jahre alten dreimaligen Olympiasiegerin aus Thüringen mit Wohnsitz Ruhpolding nutzte auch die ruhigere Hand und „ein fast perfektes Rennen“ nichts. Null Schießfehler, aber am Ende um die Winzigkeit von 0,2 Sekunden geschlagen. Und doch führte der erste Weg von Kati Wilhelm direkt zu ihrer Bezwingerin, die noch völlig ausgepumpt im Schnee lag. Da wussten beide allerdings noch nicht, dass es ein Doppelerfolg werden sollte.

          Magdalena Neuner (Mitte) siegte vor Kati Wilhelm (links) und Darya Domrachewa

          „Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Kati auf der letzten Runde noch einholen könnte“, sagte Magdalena Neuner nach ihrem insgesamt elften Weltcup-Sieg. Und ihre Konkurrentin freute sich über „einen schönen zweiten Platz. Die Lena war halt ein klein bisschen schneller.“ Neuner vor Wilhelm und der fehlerfrei schießenden Bulgarin Daria Domratschewa – das musste man nicht unbedingt erwarten, weil bislang vor allem die Russinnen die Hauptrolle gespielt haben. Swetlana Slepzowa auf Rang fünf fehlten bei ebenfalls einer Strafrunde aber mehr als dreißig Sekunden auf Magdalena Neuner.

          „Sie ist noch nicht am Ende, da ist noch mehr drin“

          Dass die beiden Deutschen da vorne aufsteigende Form zeigen, hatte sich schon in Oberhof und vor allem in der siegreichen Ruhpoldinger Staffel angedeutet (siehe auch: Biathlon: Frauen-Staffel siegt in Ruhpolding ). Bei Kati Wilhelm beginnen die Veränderungen unter dem neuen Trainergespann Wirkung zu zeigen, und Magdalena Neuner hat über Weihnachten ihren Trainingsrückstand aus der Saisonvorbereitung kräftig aufgeholt. „Die Trainingsphase war unheimlich wichtig für mich. Jetzt ist die Spritzigkeit wieder da, und ich kann über hundert Prozent gehen“, sagte Magdalena Neuner.

          Bundestrainer Uwe Müssiggang mochte angesichts des Doppel-Erfolges nicht von Sieg und Niederlage sprechen: „Da sind zwei fantastische Athletinnen, die beide ein richtig gutes Rennen gemacht haben.“ Und was den Formanstieg von Magdalena Neuner betrifft, sagte Müssiggang nur: „Sie ist noch nicht am Ende, da ist noch mehr drin.“ Und Kati Wilhelm ist inzwischen am Schießstand wieder eine richtige Bank. „Ich habe sehr intensiv im Training daran gearbeitet bin froh, dass ich es auch im Wettkampf zeigen kann“, sagte sie.

          Die berühmte „Nähmaschine“ droht am Schießstand

          Gut schießen, das ist in Ruhpolding die Basis für Erfolge. Weil der Schießstand relativ einfach ist. In das enge, geschützte Tal unter dem Zirmberg fällt selten der Wind ein, auch am Freitag tanzten die roten Fähnchen in den 30 Schießbahnen eher gemächlich. Wer mit dem Kleinkalibergewehr umgehen kann, hat hier normalerweise keine Probleme. Zumal auch die Abfahrt zum Schießstand relativ erholsam ist.

          Hämmern darf der Puls zwar nicht vor Anstrengung, wenn man in den Anschlag geht, aber wenn er unter 140 Schläge pro Minute fällt, fängt er wieder an zu klopfen. Die berühmte „Nähmaschine“ droht. Und dann lauert noch Gefahr Nummer drei. In keiner anderen Arena sitzt die geballte Masse Mensch den Biathleten so im Nacken wie in Ruhpolding. Nicht jeder mag diese Nähe auf der Matte. Denn jeder Schuss löst ein Echo aus 12.000 Kehlen aus, besonders wenn man einen deutschen Laufanzug trägt.

          Mehr psychologisches Rüstzeug als Schalldämpfer

          „Es soll zwar nicht sein, aber du kriegst ja doch alles mit“, sagte Kati Wilhelm, ohne sich beirren lassen. Auch der Satz Oropax, mit dem sich Magdalena Neuner gegen die akustischen Wellen zu verstöpseln versucht, ist mehr psychologisches Rüstzeug als wirksamer Schalldämpfer. Aber die Ohrenstöpsel haben sich am Freitag wieder bewährt.

          Der Schießstand ist auch deshalb so wichtig, weil man auf der Strecke nur als Ausnahmeläuferin vom Format einer Magdalena Neuner Fehler kompensieren kann. Der Ruhpoldinger Kurs gilt als leicht. Daran ändert auch die berühmte Wand vor der Zielabfahrt nichts, jener 60 Meter lange Steilstich mit 33 Prozent Steigung. Die ist kräfteraubend, aber keine wirkliche Prüfung. „Im Idealfall springt man da hoch“, sagt Magdalena Neuner. So wie am Abend zuvor auch ihr bayerische Langlauf-Umsteiger Toni Lang, der in seinem zweiten Einsatz als Schlussläufer die junge deutsche Ersatzstaffel zu Platz zwei hinter den souveränen Norwegern geführt hatte.

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