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Biathlon in Ruhpolding : Monsieur Fourcade ist zurück

Siege in Serie: Auch in Ruhpolding gewinnt Martin Fourcade. Bild: dpa

Der französische Biathlon-Star erringt wieder Siege in Serie – und er gibt sich nach einem schwierigen Jahr fast ein bisschen demütig. Auch der Deutsche Benedikt Doll ist glücklich: „Das ist ziemlich perfekt gelaufen.“

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          Jetzt steht er wieder da oben, so wie man das jahrelang gewohnt war. So, als hätte es dieses Horrorjahr nie gegeben. Martin Fourcade hat an diesem Donnerstag vor 11.500 Zuschauern beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding da weitergemacht, wo er am Sonntag in Oberhof aufgehört hat. Mit seinem dritten Sieg nacheinander und Nummer 76 in der Karrierebilanz.

          Es herrschten Laborbedingungen in der Chiemgau Arena, die Windfähnchen hingen schlaff in den Schießbahnen. Da war klar, dass am Ende die Null stehen muss und die läuferische Verfassung den Ausschlag geben würde. Und der fünfmalige Olympiasieger aus Frankreich war nach zehn Kilometern exakt 3,1 Sekunden schneller als sein Landsmann Quentin Fillon Maillet und zwölf Sekunden vor dem Schwarzwälder Benedikt Doll („Man kann schon sagen, dass es ziemlich perfekt gelaufen ist“). Der 31 Jahre alte Fourcade meinte anschließend: „Ich bin nicht so richtig mit meiner Laufform zufrieden, weil ich vom ersten bis zum letzten Meter kämpfen musste.“ Aber wenn es noch eines Zweifels bedurfte, wurde der am Donnerstag endgültig beseitigt: Monsieur Fourcade ist definitiv zurück.

          Fairerweise muss man hinzufügen, dass sich der Dominator aus Norwegen, Johannes Thingnes Bö, seit Jahresbeginn eine Auszeit gönnt und sich lieber um Söhnchen Gustav kümmert, der am 14. Januar das Licht der Welt erblickt hat. Jungvater Johannes, der in der vergangenen Saison nahezu konkurrenzlos war, ist auch diesmal furios in das erste Trimester gestartet, hat fünf von sieben Rennen gewonnen. Und doch ist ihm die Konkurrenz dichter auf den Fersen als im Jahr zuvor. Das sagt selbst sein älterer Bruder Tarjei der am Donnerstag nur an Position 28 ankam: „Letzte Saison war Johannes in seiner eigenen Liga, und dahinter gab es eine Gruppe von Athleten auf einem Level. Er ist immer noch die Nummer eins, aber einige Konkurrenten haben aufgeholt.“

          Dritter Platz im Chiemgau: Benedikt Doll

          Allen voran Fourcade, der nach den Enttäuschungen der vergangenen Saison, als er nach sieben Gesamt-Weltcup-Triumphen in Serie nur auf Rang zwölf in der Endabrechnung landete, wieder oben angekommen ist und jetzt den jungen Vater aus der Ferne mächtig unter Druck setzt. Vor allem deshalb, weil er sich allmählich das zurückholt, was nicht nur im Biathlon Sieger auszeichnet: unerschütterliches Selbstvertrauen. Das kommt in erster Linie mit Erfolgen. Man hat es vergangene Saison exakt am Beispiel Fourcade gesehen, nur war es damals umgekehrt: Wenn das Vertrauen erst einmal weg ist, hilft nichts mehr, selbst dem großen Champion.

          Was Fourcade nur unterstreichen kann. Der Franzose war ganz oben auf dem Biathlon-Thron und ist krachend auf dem Boden gelandet, weil er nach seinen drei Goldmedaillen von Pyeongchang auf zu vielen Nebenschauplätzen beschäftigt war. Dieses Büßer-Jahr hat seine Perspektive massiv verändert. „Vor der letzten Saison habe ich mich quasi unschlagbar gefühlt. Letzte Saison habe ich erkannt, wie leicht es war, mich zu schlagen.“ Weil er seine Hausaufgaben nicht hundertprozentig erledigt, zu viel Energie abseits des Sports vergeudet hatte. Und mit jedem Rückschlag schrumpfte die Aura, das Gefühl der Gegner, der Seriensieger sei unantastbar. Plötzlich war selbst die Konkurrenz im eigenen Lager auf Augenhöhe. Da kommt selbst ein Großmeister ins Grübeln. „Ich habe nicht nur gegen die Selbstzweifel gekämpft, sondern muss jetzt auch gegen meine Teamkollegen kämpfen“, hat Monsieur Fourcade zugegeben. „Vorher gab es eine große Lücke zwischen mir und ihnen, jetzt muss ich es perfekt machen, wenn ich vor ihnen landen will.“

          Zunächst musste er die entscheidende Frage klären, ob es noch Sinn ergab. Aber so einer wie Fourcade kann nicht sang- und klanglos abtreten. Sicher, ob er wieder auf Topniveau zurückkehren würde, war es sich nicht. Deshalb hat der elfmalige Weltmeister seinen Sieg über 20 Kilometer Anfang Dezember in Östersund – in Anwesenheit von J. T. Bö – als „große Erleichterung und vielleicht einen meiner größten Erfolge überhaupt“ bezeichnet. „Weil die letzte Saison so hart war.“ Inzwischen ist er einen Schritt weiter auf dem Weg zurück. In Oberhof hat er die Abwesenheit von Johannes Bö genutzt und von ihm das gelbe Trikot erobert. Aber es klingt fast demütig, wenn er sagt: „Früher habe ich dieses Trikot am ersten Tag der Saison angezogen und es am letzten immer noch angehabt, Jahr für Jahr. Es war fast wie eine zweite Haut. Jetzt bin ich stolz, das Gelbe zu tragen, und sei es auch nur für einen Wettkampf.“

          Aber je länger Johannes Bö durch Abwesenheit glänzt, desto größer ist Fourcades Chance, das Sieger-Gen in sich wieder zu entdecken. „Das ein oder andere Rennen zu gewinnen ist wichtig für mein Selbstvertrauen. Das brauche ich, um wieder das Gefühl zu bekommen: Du kannst es noch.“ Bleibt die Frage, was passiert, wenn Johannes Bö in den Weltcup zurückkehrt. „Er wird immer noch derjenige sein, der die meisten Rennen gewinnt“, sagt sein Bruder Tarjei. Aber für den Gesamt-Weltcup sind Bös Chancen beträchtlich gesunken. Und eines kann man trotz neuer Bescheidenheit gewiss sagen: Das gelbe Trikot lässt sich Martin Fourcade so schnell nicht mehr abjagen.

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