https://www.faz.net/-gtl-o7lk

Biathlon : Emma läßt es Mutter Poiree gutgehen

  • -Aktualisiert am

Schnelle Mama: Liv Grete Poiree Bild: AP

Wenn sie zu ihrer kleinen Tochter kommt, zählt für die im Weltcup führende Norwegerin Liv Grete Poirée nur noch die Familie. Gegen Tochter Emma, geboren im Januar 2003, hat Biathlon keine Chance.

          3 Min.

          Am Tag, als der eisige Regen lange an den mühsam zusammengekarrten Schneebändern im Biathlonzentrum Hochfilzen nagte, war Liv Grete Poiree gar nicht so böse, daß sie in der norwegischen Biathlonstaffel nur eine kleine Helferrolle übernommen hatte. Nein, sie würde ihre Kolleginnen im Zweifelsfall nie im Regen stehenlassen, aber mit dem Wetter hatte der halbwegs dienstfreie Tag der Norwegerin nichts zu tun. Cheftrainer Kjetil Saeter hätte seiner besten Athletin auch so Schonung gewährt. Schließlich ist Liv Grete Poiree erst am 27. Januar Mutter geworden, und obgleich ihr Comeback nach der Babypause mit den Plätzen zwei, eins, drei in den ersten drei Weltcup-Wettbewerben des "Winters" und der logischen Führung im Gesamt-Weltcup viele beeindruckt hat, muß man es ja nicht gleich übertreiben. So hat die junge Mutter am Freitag in der Rolle der Handlangerin miterlebt, wie ihre Kolleginnen auf Platz fünf landeten.

          Natürlich wäre sie viel lieber unten im kuscheligen Appartement im Dorf gewesen und hätte mit Emma gespielt. Das mittlerweile elf Monate alte Töchterchen ist zum Mittelpunkt der Biathlonfamilie Poiree geworden, zu der neben der dreimaligen Weltmeisterin mit dem Mädchennamen Skjelbreid auch der mit vier WM-Titeln dekorierte Franzose Raphael Poiree zählt. Emma ist fast immer dabei, wenn die Eltern gemeinsam auf Dienstreise gehen. "Wenn ich nach dem Wettkampf zu Emma zurückkomme, dann fällt alles von mir ab. Dann ist Biathlon überhaupt kein Thema für mich", sagt Liv Grete mit jenem strahlenden Lächeln, das ihr Markenzeichen ist. Die 29 Jahre alte Norwegerin gilt nicht umsonst als die "Lady Charming" der Skijägerzunft. Und kaum einer bezweifelt, daß sie am Ende der Saison auch die neue "First Lady" sein dürfte. "Sie ist noch stärker als zuvor", sagt ihr Landsmann Ole Einar Björndalen, der vierfache Olympiasieger.

          Mag sich mancher über die strahlende Rückkehr der Skijägerin wundern, so kommt sie doch keineswegs aus heiterem Himmel. Liv Grete hat sich nie ganz süßem Nichtstun hingegeben. Auch während der Schwangerschaft trainierte sie bisweilen noch fünfmal pro Woche. "Ich stand aber immer unter ärztlicher Kontrolle, weil ich sicher sein wollte, daß nichts passieren kann." Und zwei Wochen nach der Geburt hat sie wieder richtig angefangen. Das sieht nach beinahe überambitionierter Zielstrebigkeit aus. Und doch spricht die Norwegerin von einem ganz entscheidenden Wandel. Der Sport sei, so komisch das bei all den Anstrengungen klingt, in die Nebenrolle geschlüpft. Verdrängt von einem kleinen Wesen. "Nur Emma ist wirklich wichtig. Wenn es ihr gutgeht, geht es auch mir gut." Und weil es Liv Grete derzeit bei all dem Streß, dem eine berufstätige Mutter ausgesetzt ist, ausnehmend gutgeht, geht es der Konkurrenz eher schlecht. Obwohl die Norwegerin nachts nicht durchschlafen kann, weil Emma eben Hunger hat. Und der Vater? Läßt sich nicht stören. "Der behauptet immer, er hat nichts gehört", sagt Liv Grete, aber es klingt kein bißchen vorwurfsvoll. "Nein, der Raphael ist ein Superpapa, und ohne ihn wäre so eine Rückkehr überhaupt nicht gegangen." Die grenzüberschreitende Partnerschaft zwischen der Norwegerin und dem Franzosen hat erstmals im März 2000 öffentlich große Aufmerksamkeit erregt, als das Traumpaar des Biathlons innerhalb einer Stunde jeweils den WM-Titel im Massenstart erkämpfte. Zwei Monate später fand die Hochzeit statt, und jetzt sind sie zu dritt.

          Was in einem Wanderzirkus gar nicht so leicht ist. Rein logistisch. Aber irgendwie helfen alle mit, daß die Kleinfamilie Poiree nur selten auseinandergerissen wird. Der norwegische Biathlonverband bezahlt sogar das Kindermädchen, das mit auf Reisen geht - Liv Gretes Cousine Gro. Die Poirees haben zudem meist ihr eigenes Appartement, wobei sie peinlich genau darauf achten, ihre Gunst pro Nation paritätisch zu verteilen. "Fünfzig Prozent sind wir mit den Franzosen zusammen, fünfzig mit den Norwegern", sagt Liv Grete Poiree, die sich diese Art von Nomadendasein noch eine ganze Weile vorstellen kann. Aber nach Olympia in Turin 2006 ist Emma reif für den Kindergarten. "Da muß ich dann wirklich überlegen, ob ich weitermache", sagt die junge Mutter. Es gibt allerdings ein paar untrügliche Indizien, daß unter ihrer Obhut ein vielversprechendes Talent heranreift. Nicht nur, weil Emma einer Verbindung des Biathlon-Hochadels entstammt. Sie hat außerdem am gleichen Tag Geburtstag wie Ole Einar Björndalen.

          Weitere Themen

          Bamberg ist neuer Tabellenführer

          Basketball-Bundesliga : Bamberg ist neuer Tabellenführer

          Auch der bisherige Tabellenführer aus Heidelberg vermag die Bamberger nicht zu stoppen. Nach der Niederlage in der Euroleague gewinnt Alba gegen Oldenburg und sichert sich damit den zweiten Sieg.

          Überhitzt in Indian Wells

          Zverevs frühes Ausscheiden : Überhitzt in Indian Wells

          Alexander Zverev fehlt im entscheidenden Moment die Frische, um seiner Favoritenrolle beim Turnier in Indian Wells gerecht zu werden. Die ATP untersucht derweil die Vorwürfe der ehemaligen Partnerin.

          Topmeldungen

          Innen nur 2-G: Und trotzdem bleibt, auch in diesem Braunschweiger Gasthaus, die Ansteckungsgefahr relativ groß.

          Vorschlag von Forschern : Acht Parameter gegen Corona

          Trotz 2-G-Regeln bleibt die Gefahr für eine Corona-Ansteckung in Innenräumen groß. Wissenschaftler um den Virologen Hendrik Streeck haben eine Checkliste entworfen, wie sich die Gefahr etwa in Restaurants verringern lässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.