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Biathlon : Ein bißchen Biathlon, ein bißchen Ballermann

  • -Aktualisiert am

Jetzt wird's lustig: Budenzauber im Biathlon. Bild: dpa/dpaweb

Das Spektakel verbreitete einen merkwürdigen Zauber: 50 000 erleben die Ski-Operette mit Schußwaffengebrauch auf Schalke.

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          Das Spektakel verbreitete einen merkwürdigen Zauber - nicht nur weil die zauberhafte Norwegerin Gunn Margit Andreassen gemeinsam mit ihrem Partner Ole Einar Björndalen die World Team Challenge der Biathleten in Gelsenkirchen gewann. Umjubelt von Zehntausenden, wähnte sich mancher Skijäger wie nach einer sportlichen Metamorphose. "Ich habe mich zum ersten Mal gefühlt, als wäre ich ein Fußballspieler des FC Schalke 04", sagte Ricco Groß, der gemeinsam mit Kati Wilhelm den dritten Platz hinter Katja Beer und Michael Greis belegte. Groß kommt aus Ruhpolding, einer Originalhochburg des Biathlons. Wen wundert's, daß er sich wie beim Fußball vorkommt, wenn der Gelsenkirchener Manager Rudi Assauer versucht, die Koordinaten einer aufstrebenden Wintersportart Richtung westfälisches Flachland zu verschieben? 50000 Menschen im Stadion und Millionen vor den Fernsehgeräten: für Assauer ein Abstimmungsergebnis, das Schalke, zumindest für einen Tag, mag er noch so warm und verregnet sein, zum "deutschen Mekka des Biathlons" kürt.

          Ein bißchen Biathlon, ein bißchen Ballermann, ein bißchen bayerische Folklore, dazu die architektonische und emotionale Infrastruktur des FC Schalke: Schon ist sie fertig, die Mischung, die eine sportlich mäßig bedeutsame Ski-Operette mit Schußwaffengebrauch zum kultverdächtigen Event für ein Massenpublikum macht. Aber gehört so eine Ski-Show - Björndalen sprach von einem "Propagandarennen" - in den (Ruhr-)Pott? Puristen mögen es bezweifeln. Die Athleten zeigen sich aufgeschlossen. "Diese Stimmung kriegst du sonst nirgends, hier ist es immer spannend, immer lustig", sagt der viermalige Olympiasieger Björndalen stellvertretend für viele Weltklasse-Athleten, die der Einladung des Organisators Herbert Fritzenwenger gefolgt waren und auch das Preisgeld von mehr als fünfzigtausend Euro, davon zehntausend für das Siegerpaar, als ordentlichen Preis für ihren Exportartikel akzeptierten. Er sprach sich sogar dafür aus, so etwas "mal im Weltcup zu probieren".

          Nur die Natur tat sich schwer, dem Rennen eine passende Bühne zu bereiten. Zunächst hatte es sogar den Anschein, als wolle das Wetter sich völlig verweigern. Warmer Dauerregen hatte die Nacht über die Grundierung der Loipe zersetzt, die aus High-Tech-Schnee nach niederländischem Rezept gefertigt war. Sogar Assauer kamen Bedenken. "Am Morgen war es nicht möglich, daran zu glauben, daß hier am Abend ein Biathlon-Wettbewerb stattfinden kann." Die Bedingungen seien "noch schlechter" gewesen als bei der von Sprühregen begleiteten Premiere im Vorjahr. Doch die Skihalle in Bottrop half aus und lieferte umgehend etwa dreihundert Kubikmeter Schnee, die gerade noch rechtzeitig verarbeitet werden konnten.

          Obwohl es knapp wurde, will Assauer den Launen der Natur noch lange trotzen. "Wir werden alles dafür tun, diese Veranstaltung für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu etablieren." Mit Blick auf das umsatzstarke Biathlonfest kommt die Klasse von Ausnahmeathleten wie Björndalen (Fritzenwenger hält ihn für den besten Biathleten der Gegenwart) und seiner charmanten Begleiterin Andreassen erst an zweiter Stelle. Bei allem Respekt vor den Leistungen der Weltelite, die mit wenigen Ausnahmen komplett am Start war, bat Assauer um Verständnis für seine ganz persönliche Siegerehrung. "Die Nummer eins war das Publikum. Biathlon paßt zum Ruhrgebiet. Beim Fußball ist es von der Begeisterung her nicht besser, vor allem weil wir nicht immer gewinnen."

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