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Biathlon : Der Dominator Bö hat noch etwas gutzumachen

  • -Aktualisiert am

Das Schießen als kleine Schwäche: Johannes Thignes Bö. Bild: dpa

Biathlonstar Johannes Thingnes Bö verschenkt zwar Gold und ist im Moment seiner gefühlt bittersten Niederlage doch der große Gewinner – als vorzeitiger Gesamt-Weltcup-Sieger. Sein Erfolgshunger ist aber noch nicht gestillt.

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          Zerknirscht, fassungslos, am Boden zerstört: So angefressen wie am Sonntag hat man Johannes Thingnes Bö selten erlebt. Und nachdem der beste Biathlet der Welt zunächst kaum Worte gefunden hatte, um zu erklären, warum ihm in der Verfolgung beim letzten Schießen gleich drei Fehler passiert waren, legte er später in aller Deutlichkeit nach: „Vor dem letzten Schießen habe ich gedacht, dass Silber eine bittere Niederlage wäre. Das war mein eigener Fehler, und das macht mich fertig. Ich habe nicht einfach nur einen Fehler gemacht, sondern einen richtig dicken Bock geschossen. Das ist schlimm“, sagte Bö und nahm sogar das Wort „Schande“ in den Mund.

          So hart würde sonst wohl niemand mit sich ins Gericht gehen, der gerade bei der Biathlon-Weltmeisterschaft Zweiter geworden ist, aber der 25 Jahre alte Norweger hat seinen eigenen Maßstab: „Ich weiß, dass Silber bei der WM grundsätzlich ein gutes Ergebnis ist, aber ich bin enttäuscht, wie ich Gold weggeschenkt habe.“ Eine Minute Vorsprung nicht ins Ziel gebracht, weil er sein Oberstübchen nicht unter Kontrolle hatte; den bislang als Siegläufer nicht in Erscheinung getretenen Ukrainer Dimitro Pidruschni zum Gelegenheitsweltmeister gemacht – das nagt sogar am Selbstbewusstsein eines Mannes, dem die Konkurrenz neidlos bescheinigt, in dieser Saison in einer eigenen Liga unterwegs zu sein. Und der in Östersund schon Gold in der Mixed-Staffel und im Sprint gesammelt hat.

          Trostpreis Gesamt-Weltcup

          Und ausgerechnet im Moment seiner gefühlt schlimmsten Niederlage – noch dazu vor den Augen seiner Eltern – ist Bö plötzlich doch der große Gewinner. Weil dieser für ihn wertlose zweite Platz bedeutet, dass er sein großes Saisonziel vorzeitig erreicht hat: Gesamtweltcup-Sieger. Jene Auszeichnung, die sportlich am wertvollsten ist, weil sie Konstanz auf höchstem Niveau bedeutet – über eine ganze Saison der Beste zu sein. Aber an so einem Tag, an dem die Gefühlslage zwischen Scham und Stolz pendelt, fällt es schwer, zu genießen: Bö spricht von gemischten Gefühlen, aber es macht ihn letzten Endes doch „glücklich. Es war ja mein großes Ziel.“

          Es war das Einzige, was ihm sein fünf Jahre älterer Bruder Tarjei in der Titelsammlung noch voraushatte. Auch wenn der ihn stets mit den Worten geneckt haben soll: „Johannes, du gewinnst den Weltcup nie.“ Die übliche Flachserei unter Brüdern, die sich bestens verstehen. Tarjei hat den Gesamt-weltcup 2011 gewonnen. Danach begann die siebenjährige Regentschaft des Franzosen Martin Fourcade. Und Tarjei hat schon im Dezember prophezeit, dass sie einer aus dem Hause Bö auch beenden wird. Jetzt ist es so weit. 13 von insgesamt 20 Rennen hat Johannes gewonnen, da fehlt nur noch ein Sieg zum Rekord seines Vorgängers Fourcade, der in dieser Saison seine Ausnahmestellung eingebüßt hat und bei der WM in Östersund bislang nicht über Platz fünf hinausgekommen ist. Am Mittwoch schon könnte Bö beim Rennen über 20 Kilometer Gleichstand herstellen (16:10 Uhr/ ZDF und Eurosport)

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