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Biathletin Gabriela Soukalova : Glamourgirl und Multitalent

  • -Aktualisiert am

Treffsicher und sangesfreudig: Gabriela Soukalova setzt ihren Siegeszug auch in Ruhpolding fort Bild: dpa

Diese Frau ist ein Blickfang. Gabriela Soukalova dominiert im Biathlon und begeistert Fans und Musikliebhaber. Die Karriere nach der Karriere scheint schon vorgegeben.

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          Blonde lange Haare, die im Wettkampf in einem Zopf gebändigt sind, große blaugraue Augen, ein strahlendes, einnehmendes Lächeln, wenn sie ihre nahezu perfekt weißen Zähne zeigt, selbst im Wettkampf stets geschminkt – diese Frau ist ein Blickfang. Dazu ist sie höflich, tritt bescheiden, manchmal noch geradezu unsicher auf, obwohl sie sich bestens ausdrücken kann – in vorzüglichem Englisch. Aber Gabriela Soukalova hat viel mehr zu bieten als gutes Aussehen, Manieren und Fremdsprachenkenntnisse.

          Die Tschechin aus Jablonec nad Nisou gehört mit 24 Jahren zur neuen Generation im Biathlon, die allmählich das Zepter übernimmt. In Ruhpolding hat sie mit dem Sieg im Einzel ihren sechsten Erfolg im Weltcup erkämpft, und am Sonntag, als sie in der Verfolgung von 59 Konkurrentinnen gejagt wurde, hat sie wieder mit frappierender Souveränität gewonnen – kein einziger Fehlschuss. „Ich war nach der dritten Runde schon so müde, da war meine einzige Chance, mir keinen Fehler beim Schießen zu erlauben“, sagt sie. Und das Gelbe Trikot der Führenden im Gesamt-Weltcup sitzt fester denn je auf ihren schmalen Schultern.

          Hinter all der aparten Erscheinung verbirgt sich also eine Athletin, die sich auf den Punkt konzentrieren kann, die nervenstark ist und die auf der Strecke bis zum Umfallen kämpfen kann. Auch wenn es meist elegant aussieht. Sie ist ja auch bereit, für den Erfolg ungewöhnliche Wege zu gehen. Denn seit dieser Saison trainiert Gabriela Soukalova mit dem tschechischen Männerteam und dessen Trainer Ondrej Rybar. Weil sie weiterkommen will. Natürlich ist das mehr als eine Herausforderung. „Wenn die Jungs eine relativ leichte Trainingssession haben, ist es für mich schon unheimlich schwer. Sie sind viel schneller am Schießstand und auf der Strecke“, sagt die Tschechin. „Aber das musst du machen, wenn du die Beste sein willst.“ Das will sie.

          Obwohl sie als Kind, wie sie lachend erzählt, mit Sport nicht viel anfangen konnte. „Da war ich eher faul und hatte Hobbys wie Zeichnen, Malen und Reiten, aber mit dieser Mutter musste ich ja irgendwann Sport machen.“ Die hat noch unter dem Namen Gabriela Svobodová 1984 bei den Olympischen Spielen in Sarajevo Silber mit der Langlauf-Staffel gewonnen. Und Vater Karel, der seine Tochter trainiert hat, seit sie mit 16 Jahren dann doch die Lust am Sport entdeckt hatte, ist inzwischen Chefcoach der serbischen Männer. Aber mit Ondrej Rybar hat Gabriela Soukalova den „idealen Trainer“ gefunden.

          „Überall Plakate mit unseren Fotos“

          Es hat sich so viel für sie geändert seit der vergangenen Saison, obwohl ihr damals der internationale Durchbruch gelang. Mit vier Weltcup-Siegen war sie der Shootingstar. Aber noch viel größeren Einfluss hatte die Weltmeisterschaft daheim in Nove Mesto na Morave. Nicht nur in puncto Motivation. „Vorher waren wir zu Hause quasi anonym, aber danach ist bei uns die totale Biathlon-Mania ausgebrochen“, sagt sie. Für sie wohl am meisten. Werbeauftritte, Fernsehspots, „und in Prag hingen überall Plakate mit unseren Fotos.“ Obwohl doch bei der Heim-WM nicht mehr als Platz drei in der Mixed-Staffel herausgesprungen ist.

          Trotzdem war der Rummel so groß, dass sie im Frühjahrs-Trainingslager morgens ein paarmal verschlafen hat. „Deshalb hatte ich auch große Angst vor dieser Saison.“ Aber die Musik musste warten. Das ist ihre zweite Leidenschaft. Gabriela Soukalova hat eine Stimme, mit der sie bei „Deutschland sucht den Superstar“ vermutlich sehr weit kommen würde. Sie hat ja auch schon vor großem Publikum gesungen. Bei der Abschlussfeier der WM in Nove Mesto trat sie vor 25.000 Zuschauern auf, mit dem Pop-Song „Don’t speak“ von No Doubt.

          „Der Spion, der Biathlon liebte“

          Die Landsleute waren begeistert. Und bei der kleinen Bond-Film-Parodie „Der Spion, der Biathlon liebte“, sang sie den Titelsong „For Your Eyes Only.“ Begleitet von den Biathlon-Kollegen Donovan Bailey, Jean-Philippe Le Guellec und Jean Guillaume Béatrix. Da deutet sich schon die Karriere nach der Karriere an. „Ich hätte schon nach der letzten Saison die Möglichkeit gehabt, ein Album aufzunehmen“, sagt sie, „aber ich hatte einfach keine Zeit und war viel zu müde.“ Das Projekt wird verschoben. Wahrscheinlich bis zu ihrem Rücktritt.

          Aber Gabriela Soukalova hat auch noch andere Talente. Sie ist eine Kunstliebhaberin, die Expressionismus und van Gogh mag und sich an der Architektur von Städten mit Geschichte begeistern kann, sie hat Grafikdesign studiert. Und sie hat sogar einen Vorschlag für das WM-Logo bei der Heim-WM in Nove Mesto eingereicht. Der tschechische Verband hätte ihn sofort genommen, aber der Internationalen Biathlon-Union fehlte ein wenig das Fingerspitzengefühl. Der Verband lehnte ab.

          „Eine ganz besondere Athletin“

          Die Athletin kann es verschmerzen. Bei so viel Star-Potential stehen ihr ganz andere Türen offen. Aber so ganz ist sie in dieser neuen Rolle noch nicht angekommen. „Wow“, sagt sie häufig und wirkt wie ein kleines Mädchen, das noch nicht richtig begreifen kann, was da passiert ist. Und passieren könnte, sofern es in Sotschi Medaillen gibt. Sie hat jetzt einen Manager, und das ist kein Geringerer als Jiri Hamza, der auch die WM nach Tschechien geholt hat. „Ein großes Glück für mich“, sagt sie.

          Wenn Gabriela Soukalova Deutsche wäre, würden ihr die Sponsoren wohl die Türen einrennen. Sie würde in einer Liga spielen mit Magdalena Neuner – mindestens. Von ihrer inzwischen zurückgetretenen deutschen Kollegin hält die Tschechin eine ganze Menge: „Eine ganz besondere Athletin. Sie ist mein Vorbild.“

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