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Biathletin Franziska Preuß : Immer wieder diese „Hypochonder-Phase“

Positiv denken: Franziska Preuß hofft auf Besserung. Bild: EPA

Beim Sieg der Norwegerin Tiril Eckhoff kommt Franziska Preuß in Ruhpolding mit großem Rückstand ins Ziel. Trotzdem hofft sie auf Fortschritte. Doch nicht nur ihre Infektanfälligkeit bremst die Biathletin oft aus.

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          Es war eine richtige Plackerei. „In der ersten halben Runde ging es noch, aber dann kam schon der Mann mit dem Hammer“, sagte Franziska Preuß am Mittwoch nach getaner Arbeit. Das klingt bei drei Runden à 2,5 Kilometern nach einer kleinen Katastrophe, aber am Ende stand in der Chiemgau Arena von Ruhpolding immerhin ein 14. Platz im Sprint. Und das beim Heimspiel, mit dem Druck von 8000 erwartungsfrohen Zuschauern im Nacken. Da konnte auch Franziska Preuß wieder schmunzeln.

          „Ich hatte eigentlich Schlimmeres befürchtet“, sagte sie nach ihrem Comeback. Wer über den Jahreswechsel zehn Tage mit vereiterten Stirn- und Kieferhöhlen im Bett liegt, kann nicht gleich die Biathlon-Welt einreißen. Sondern muss die Taktik an den eigenen Fähigkeiten ausrichten: „Ich habe gewusst, ich muss heute am Schießstand alles zeigen, in Ruhpolding weiß man, dass die Konkurrenz auch gut schießt. Das macht mich schon stolz, dass ich das hingekriegt habe, denn vor dem Heim-Publikum ist es nicht leicht“, sagte die 25 Jahre alte Bayern, die zügig alle zehn Scheiben getroffen hatte. Gesund ist sie wieder, aber eben noch nicht fit, geschweige denn in Bestform. Dass es am ersten Tag des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding nach Platz acht von Vanessa Hinz zur zweitbesten deutschen Leistung gereicht hat, lässt schon ihr großes Potential erahnen.

          Sicher, der Abstand zur Norwegerin Tiril Eckhoff, die am Mittwoch mit ihrem fünften Saisonsieg vor der Schwedin Hanna Öberg und Dorothea Wierer aus Italien die Führung im Gesamt-Weltcup eroberte, ist derzeit noch beträchtlich. Was grundsätzlich nichts daran ändert, dass Franziska Preuß hinter Denise Herrmann, die diesmal drei Scheiben verfehlte und auf Rang 19 landete, im Moment die einzige deutsche Biathletin ist, die zur Weltklasse zählt – sofern sie im Vollbesitz ihrer Kräfte ist. Was leider selten der Fall ist. Rückschläge sind die Konstante in ihrer Karriere.

          Alles hat seinen Preis

          „Ich bin ja jedes Jahr irgendwie gestrauchelt in puncto Gesundheit. Das ging bis zum Komplett-Aussetzer, weil der Körper gar nicht mehr wollte“, sagte sie. Das kommt ein ganzes Sammelsurium an Missgeschicken zusammen, und sei es nur, dass sie sich beim Avocado-Schneiden eine Fingersehne durchtrennt hat. In diesem Jahr war es eine Lungenverletzung, die sie im Sommer zwei Wochen außer Gefecht gesetzt hatte. Die Rückenprobleme schleppt sie schon länger mit sich herum. Seit dem Herbst 2018. Da ist sie mit dem Skiroller vom Laufband gestürzt. „Seitdem zwickt es in der Brustwirbelsäule.“ Das war schon vergangene Saison so, aber da hat es sie nicht gravierend beeinträchtigt. Aber wer die Dinge verschleppt, bezahlt irgendwann dafür. So wie Franziska Preuß in diesem Sommer. „Ich hatte viele Arzttermine in München. Andererseits wollte ich auch keinen Trainingsrückstand haben. Da musste man schon jonglieren, wann man einen Arztbesuch einbaut.“ Zumal die Regeneration nicht zu kurz kommen darf.

          Aber die Saison lief eigentlich ganz gut an. Drei Top-Ten-Plätze, Rang 17 im Gesamt-Weltcup. Und gerade, als sich so etwas wie Kontinuität einstellen wollte, hat es sie über den Jahreswechsel wieder niedergestreckt: Trainingspause, kein Start in Oberhof. Der nächste Infekt. „Ich habe das Gefühl, bei jedem anderen dauert so was eine Woche, bei mir dauert es zwei. Das ist nervig.“ Und irgendwie gerät man wieder in diese „Hypochonder-Phase“, wie sie es nennt, weil man ständig in sich hinein horche.

          Diese verflixte Infektanfälligkeit ist bei all den Missgeschicken, die ihr widerfahren sind, die eigentliche Crux. Sie hat schon eine Menge unternommen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Hat sich ein System aufgebaut „mit Ärzten, zu denen ich Vertrauen habe“. Und die auf ganzheitliche Verfahren setzen. „Einen durchschlagenden Erfolg hat das bislang nicht gebracht. Deshalb muss man Vorkehrungen für den Ernstfall treffen. „Wir haben ein Krankenzimmer zu Hause“, sagte sie. „Wenn man zwei Leistungssportler im Haushalt hat, muss man vorbereitet sein“, sagt Franziska Preuß, die seit anderthalb Jahren mit dem Biathlon-Kollegen Simon Schempp zusammenwohnt. Auch so ein Sorgenkind. Aber das ist eine andere Geschichte. Was dieses ewige Auf- und Ab mit einem Athleten anstellt, formuliert sie so: „Sich immer wieder mental aufzubauen, das hat mich schon wahnsinnig viel Energie gekostet.“

          Auch vor der Weltmeisterschaft im März 2019 stand sie richtig gut da: Platz neun im Gesamt-Weltcup, ihr erster Weltcupsieg, noch dazu „dahoam“ in Ruhpolding, Dann hat es „mich wieder voll erwischt. Und in Östersund ist überhaupt nichts gelaufen.“ Wie so oft. Auch anno 2020 muss sie sich wieder aufrappeln. Der erste Schritt ist gemacht, aber die Zeit drängt. Wie kommt man für die WM im Februar in Antholz in Bestform? „Ich weiß, dass ich immer ein paar Rennen brauche, bis der Körper wieder auf Hochtouren läuft“, sagte Franziska Preuß, und demonstriert dann doch so etwas wie Gelassenheit. „Noch bin ich nicht nervös.“

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