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Biathlet Björndalen : Der alte Mann aus dem Wohnmobil

Immer noch Skijäger: Ole Einar Björndalen hält noch mit den Jungen mit Bild: AP

Ole Einar Björndalen ist wieder da – und wie: In Oberhof zeigt der große alte Mann des Biathlon, dass dem Norweger auch in Sotschi alles zuzutrauen ist.

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          Am Schluss hatte er sein Pulver dann doch verschossen. Jedenfalls reichte es am Sonntag vor 21500 Zuschauern für Ole Einar Björndalen beim Massenstart in Oberhof nach sechs Schießfehlern nur zu Platz 21. Und das stand in krassem Gegensatz zu seinen souveränen Auftritten in den Tagen zuvor, als der Norweger im Sprint und in der Verfolgung nur seinen Landsmann Emil Hegle Svendsen vorbeiziehen lassen musste, aber sogar Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade bezwang – eine kleine Björndalen-Renaissance. Dass der Franzose am Sonntag Revanche nahm, konnte der Norweger verschmerzen, auch wenn er Niederlagen nicht ausstehen kann.

          Auch mit 40 Jahren. Gut, es ist erst am 27. Januar so weit, so lange geht Björndalen noch als „falscher Vierziger“ durch. Aber wie dem auch sei: Die Widersacher von einst sind entweder längst vergessen, oder arbeiten als Trainer oder TV-Experten. Auch an Björndalen, das verraten die Furchen in seinem Gesicht, ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen.

          Pah, sind doch bloß Äußerlichkeiten. Nein, wie 40 fühlt er sich nicht. „Wir haben junge Kerle im Team wie Johannes Bö“, sagt er. „Im Kopf fühle ich mich kaum älter als die.“ Wobei man wissen muss, dass der jüngere Bö-Bruder gerade mal 20 ist. Im deutschen Team wäre Björndalen wohl immer noch die Nummer eins, aber in der stärksten Mannschaft der Welt mit Svendsen und den Bö-Brüdern muss auch eine Biathlon-Legende mit sechs Goldmedaillen, 16 WM-Titeln und 93 Weltcupsiegen hart um die Olympia-Qualifikation kämpfen. „Ich bin froh, dass ich es jetzt endlich geschafft habe“, sagt Björndalen.

          Sechste Spiele

          Ja, er ist wieder da. Pünktlich zu den Olympischen Spielen, es werden seine sechsten. Dabei haben viele schon gedacht, da hätte ein ganz Großer sein sportliches Verfallsdatum überschritten, ohne es zu merken. Es war ja zwischenzeitlich still geworden um den Meister. „Ich hatte zwei sehr schwierige Jahre nach diesem Blödsinn“, sagt Björndalen und meint damit den Holzklotz im Wald, an dem er sich schwer verhob. Drei Bandscheiben, die auf die Nerven drückten, bedeuteten eine lange Regenerationspause. „Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben Probleme.“ Ein hartnäckiger Infekt legte ihn später lahm, hinzu kamen private Probleme wie die Trennung von seiner Frau.

          Diese Saison ist alles wieder im Lot: „Ich bin optimal vorbereitet, und ich fühle mich stark.“ Motivationsprobleme kennt Björndalen ohnehin nicht, und seine Einstellung hat sich keinen Deut geändert. Die Sätze: „Ein Tag ohne Training ist ein verlorener Tag“, und: „Alles andere als ein Sieg ist Sch...“ gelten immer noch. Und von altersgerechtem Training will er auch nichts wissen. „Es ist nicht viel anders geworden. Ich habe gute Eltern, gute Gene, einen guten Körper, ich passe auf mich auf. Und bis auf diesen Blödsinn mit dem Holzklotz war ich nie verletzt.“ Aber er gibt immerhin zu, dass er sich nicht mehr traut, Fußball oder Squash zu spielen. „Zu gefährlich.“

          Sparmobil für die eigenen Reserven

          Björndalen hätte sich nicht zwanzig Jahre da oben halten können, wäre er seiner Zeit nicht manches Mal voraus gewesen. Ob das der eigene Schießtrainer war oder der Mentalcoach, der Norweger war stets Pionier. Auch jetzt hat er sich wieder etwas einfallen lassen, auch wenn die Idee vom Langlauf-Kollegen Petter Northug geklaut ist. Und jetzt wird es doch altersgerecht. Weil die Regeneration eine immer größere Rolle spielt, hat sich Björndalen gleich zwei Wohnmobile angeschafft: eins in Norwegen, das andere in Obertilliach, seinem Alpenwohnsitz. Das Gefährt steht immer dort, wo er trainiert. Das spart Wege und Zeit, er kann sofort nach dem Training essen, duschen, schlafen. Eine Art Sparmobil für die eigenen Reserven.

          Wie immer das ausgeht in Sotschi: Irgendwie kann man sich nicht vorstellen, dass nach der Saison endgültig Schluss sein soll. Björndalen wahrscheinlich auch nicht. Aber er sagt ja nur: „Das sind definitiv meine letzten Spiele.“

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