https://www.faz.net/-gtl-xtdh

Biathlet Arnd Peiffer : Der Spätstarter kommt auf Touren

  • -Aktualisiert am

Sprint aufs Podium: Platz zwei in Oberhof ist für Arnd Peiffer „Balsam für die Seele” Bild: AP

Sehr konzentriert, aber doch mit jenem Schuss Lockerheit, der den Unterschied macht. Biathlet Arnd Peiffer bricht aus dem Trott aus und zeigt in Oberhof seine Klasse. Und das Wichtigste - er hat sein Potential noch längst nicht ausgeschöpft.

          3 Min.

          Nur einmal war Arnd Peiffer sprachlos. Als ihn ein Reporter der Bundeswehr fragte, ob er denn die Soldaten in Afghanistan grüßen könne? „Aber ich bin doch bei der Bundespolizei“ entgegnete der Biathlet nach Sekunden der Verwirrung etwas hilflos. Ansonsten war Peiffer auch nach seinem bislang größten Saisonerfolg die Ruhe selbst. So wie zuvor am nebelverhangenen Oberhofer Schießstand: konzentriert, aber doch mit jenem Schuss Lockerheit, der den Unterschied macht.

          Und mit jener Leichtigkeit in den Beinen, die man nur besitzt, wenn neben der Physis auch der Kopf mitspielt. Beides zusammen ergab am vergangenen Freitagabend beim Sprint im Stadion am Grenzadler Platz zwei hinter dem neuen norwegischen Supermann Tarje Bö – und damit das Top-Ergebnis, auf das der 23 Jahre alte Niedersachse sehnsüchtig gewartet hat: „Ich bin froh, dass ich endlich mal zeigen konnte, was für ein Potential ich habe.“ Bisher konnte er nur darüber reden, sofern er gefragt wurde. Und er wurde häufiger gefragt, als ihm lieb war. Was auf die Dauer nervt, ohne dass man es Arnd Peiffer anmerken würde.

          Aber das ging ja der ganzen deutschen Mannschaft so, die bis zum Weltcup in Oberhof nur den dritten Platz von Michael Greis in Pokljuka in der Rubrik „Podium“ stehen hatte. „Jetzt haben wir die Kritiker verstummen lassen“, sagt Peiffer und spricht deswegen im Plural, weil er selbstverständlich die Staffel einbezieht, die schon am Mittwoch mit dem nicht erwarteten Sieg beim rekordverdächtigen Fehlschuss-Festival für Furore gesorgt hat. Für Peiffer war das der Befreiungsschlag, „Balsam für die Seele“. Laufbestzeit, keine Strafrunde, ein gutes Körpergefühl: „Das hat mir Selbstvertrauen für den Sprint gegeben.“

          „Na Arnd, Platz 13, das kann ja noch besser werden“

          Wie groß die Erwartungshaltung bei den Biathlon-Fans in Deutschland ist, hat er schon beim Weltcup-Auftakt Anfang Dezember in Schweden zu spüren bekommen. „Da spricht mich in Östersund einer auf der Straße an und sagt: Na Arnd, Platz 13, das kann ja noch besser werden.“ Peiffer hat erstmal geschluckt. „Für mich war das richtig gut.“ Nun muss man wissen, dass der Niedersachse ein ausgesprochener Spätstarter ist, der ein paar Rennen braucht, um halbwegs auf Betriebstemperatur zu kommen.

          Und normalerweise „geht das bei mir am Anfang richtig in die Hose.“ Aber so ist das mit den Erwartungen, wenn man als Gesamt-Weltcup-Neunter und damit bester Deutscher aus der vergangenen Saison hervorgegangen ist, selbst wenn man ohne Olympiamedaille aus Vancouver heimgekehrt ist. Da fragt keiner mehr danach, dass es erst seine dritte Saison ist, und dass es ihm immer noch darum geht, sich im Weltcup zu etablieren. Er ist schließlich auch nur ein Jahr älter als Tarje Bö, der allerdings fünf Jahre unreifer wirkt.

          Vielleicht liegt es daran, dass Peiffer trotz seiner Jugend stets den Eindruck vermittelt, in sich zu ruhen. Dass es tief drinnen manchmal brodelt, dass sich bisweilen Ungeduld breit macht, kann er jetzt, da die Lockerheit zurückgekehrt ist, freiweg zugeben. „Es war vor Weihnachten ganz solide, aber nicht besonders toll.“ Er habe es zu oft mit Gewalt, mit der Brechstange versucht. Vielleicht auch mit der unerfüllten WM-Norm im Hinterkopf. Aber wenn man erst einmal in so einer Krampf-Schleife steckt, kommt man nur schwer heraus: „Du wirst fest im Kopf.“

          „Ein Erlebnis, selbst wenn du hier untergehst“

          Vielleicht war auch die kleine Weihnachtspause daheim im Harz der erste Schritt zur Wende. „Da kannst du aus dem Trott ausbrechen und kommst mal zur Besinnung.“ Und Oberhof, wo er seit Sommer 2008 in der Trainingsgruppe von Mark Kirchner trainiert, wo er 2009 auch seinen Weltcup-Einstand hatte, ist sowieso ein ganz besonderes Pflaster für ihn. „Ein Erlebnis, selbst wenn du hier untergehst.“ Aber im Moment schwimmt er oben, und viele sehen in ihm ohnehin den Mann der Zukunft.

          Arnd Peiffer ist intelligent, ehrgeizig, gewissenhaft, äußerst zielstrebig, plant in kleinen, realistischen Schritten, kann sich am Schießstand konzentrieren und sich auf der Strecke extrem verausgaben. Und das Wichtigste – er hat sein Potential noch längst nicht ausgeschöpft. Er gehört zu denen, die jedes Jahr im Training noch eine Schippe draufpacken können. Das lässt sich auch an der Rangliste ablesen: 2009 war er im Gesamt-Weltcup an Position 38, ein Jahr später schon auf Rang neun. Im Moment ist er sogar Achter.

          Natürlich kann das nicht so weitergehen. Aber wenn zu den zwei Weltcup-Siegen, die bislang zu Buche stehen, noch der ein oder andere hinzukäme, hätte Peiffer durchaus Werbe-Potential. Absolut vorzeigbar, druckreif in seinen Aussagen und dabei völlig frei von Dialekt, auch wenn er vielleicht ein wenig zu ernsthaft daherkommt. Manchmal ergeht es ihm schon ähnlich wie Magdalena Neuner – übrigens derselbe Jahrgang. Auf die Schnelle mal einkaufen, kann inzwischen ziemlich lange dauern. „In Oberhof erledige ich das lieber inkognito.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unions-Kanzlerkandidat Laschet im Juni in Düsseldorf

          Plagiatsvorwurf gegen Laschet : Schon wieder Ärger mit dem Buch

          Laschets Buch hat ihn schon einmal in Schwierigkeiten gebracht – wegen einer Spendenquittung. Jetzt geht es um eine fehlende Quellenangabe. Der Plagiatsprüfer Martin Heidingsfelder wandte sich mit einem großen Fragenkatalog an den Kanzlerkandidaten der Union.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.