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Alpinstar Marcel Hirscher : Gut genug, um witzig zu werden

Mann des Jahres: Marcel Hirscher gewinnt zum fünften Mal die große Kristallkugel - und die kleine für den Riesenslalom-Weltcup noch dazu Bild: AFP

Nur ein Ersatz-Weltcup-Sieger? Von wegen! Österreichs alpiner Skistar Marcel Hirscher beendet die beste Saison seiner Karriere auf seine ganz bestimmte Art.

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          Selbst beim letzten Rennen der Saison, als er längst als Gesamtsieger des alpinen Ski-Weltcups feststand, hatte Marcel Hirscher zwischendurch noch mal eine gehörige Wut im Bauch. Der 27-Jährige lag beim Slalom von St. Moritz im Zwischenklassement nach dem ersten Durchgang nur auf dem fünften Rang. Und das geht gar nicht für ihn, den sieggewohnten Super-Champion. Im zweiten Durchgang rückte der Dominator dann aber die Verhältnisse noch mal, wieder mal zurecht.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Auf dem etwas zu flach geratenen WM-Hang von 2017 fuhr Hirscher, wie er es von sich erwartete, und rückte auf den zweiten Rang nach vorne – nur dem Schweden Andre Myhrer musste er beim Finale um 0,14 Sekunden den Vortritt lassen. Zum achten Mal im zehnten Slalom der Saison stand Hirscher somit auf dem Siegerpodest, das passte dann schon eher zum Selbstbild des Perfektionisten aus Annaberg im Lammertal.

          „Man of the Season“

          Da er zudem bei acht der zehn Riesenslaloms zu den Top drei gehörte, außerdem das City-Rennen in Stockholm gewann und sogar bei zwei Super-G-Rennen aufs „Stockerl“ fuhr, war ihm der Sieg im Gesamt-Weltcup nicht zu nehmen. „Man of the Season“ taufte ihn folgerichtig seine langjährige Weggefährtin Anna Fenninger via Facebook.

          Hirscher ist wie Anna Fenninger im Bezirk Hallein im Salzburger Land groß geworden, die beiden annähernd gleichaltrigen österreichischen Skistars sind praktisch miteinander aufgewachsen – sie haben schon mit fünf, sechs Jahren ihre ersten gemeinsamen Rennen bestritten und später gemeinsam die Ski-Welt erobert. Mittlerweile ist Hirscher seiner Jugendfreundin bei der Zahl der Kristall-Trophäen ein Stück voraus.

          Den Gesamt-Weltcup gewann er in diesem Winter zum fünften Mal in Serie. Das hat noch keiner vor ihm geschafft in der fünfzig Jahre dauernden Historie dieser Ski-Rennserie. Nur der einst für Luxemburg startende Österreicher Marc Girardelli hatte es bislang überhaupt geschafft, fünf Mal die große Kristallkugel zu gewinnen, doch er brauchte dafür neun Winter.

          Hirscher ist Austrias einziger Siegfahrer

          Und Girardelli war zudem ein „Alles-Fahrer“, der von der Abfahrt bis zum Slalom kaum ein Rennen ausließ. Hirscher dagegen ist wählerisch: der begnadete Techniker fährt nur Slalom und Riesenslalom – eigentlich, muss man jedoch hinzufügen. Denn auch im Super-G zeigt er sich gelegentlich im Starthäuschen, wenn ihm die Strecke zusagt. Und dann avanciert er auch dort zum Siegfahrer, Anfang Dezember in Beaver Creek beispielsweise. Mit seinem dortigen Erfolg beschämte er nebenbei auch noch die - allerdings von Verletzungen geplagten - Speed-Spezialisten im eigenen Team, denn es war der einzige Saisonsieg eines Österreichers in einer schnellen Disziplin. Neben Hirscher fuhr in diesem Winter kein anderer aus der Alpenrepublik ins Rampenlicht; zu wenig eigentlich für Austrias Alpine.

          Auch sonst übertraf sich Hirscher in diesem Winter selbst, denn er sammelte 1795 Weltcup-Punkte, so viele wie noch nie: Er übertraf seinen bisherigen Rekord um 260 Zähler, er gewann mit fast 500 Punkten Vorsprung vor dem jungen Norweger Henrik Kristoffersen (1298).

          Was für eine Bilanz: In 17 von 22 Technik-Rennen fährt Hirscher aufs Siegerpodest
          Was für eine Bilanz: In 17 von 22 Technik-Rennen fährt Hirscher aufs Siegerpodest : Bild: AP

          Das widerlegt Kritik, die in Hirscher nur einen Ersatz-Sieger sehen, da der bis dahin führende Aksel Lund Svindal nach seinem schweren Sturz in der Abfahrt von Kitzbühel die halbe Saison verletzungsbedingt verpasste. Svindal wurde trotzdem noch Fünfter (916 Punkte), doch da seine Stärken in den Speed-Disziplinen liegen, hätte der Norweger dem Österreicher im weiteren Saisonverlauf kaum Punkte abgenommen. Dagegen ärgerte ihn Kristoffersen mit sechs Slalom-Siegen und dem Gewinn der kleinen Kristallkugel in dieser Disziplin gehörig.

          Gesamt-Dritter nach 44 Saisonrennen wurde letztlich Alexis Pinturault, der es auf exakt 1200 Punkte brachte und mit vier Riesenslalom- und zwei Kombinations-Erfolgen der Beste der insgesamt stark auftrumpfenden französischen Mannschaft war. Die „Equipe tricolore“ belegte in der Nationenwertung mit 5603 Punkten nur knapp hinter „Team Hirscher“, den Österreichern (5804), Rang zwei. Das deutsche Herren-Team kann dagegen nur auf einen einzigen Saisonsieg von Felix Neureuther im Slalom von Naeba zurückblicken und wurde in der Nationenwertung lediglich Sechster.

          Eine letzte Postkarte vom Sportwinter: Hirscher im verschneiten Engadin
          Eine letzte Postkarte vom Sportwinter: Hirscher im verschneiten Engadin : Bild: AP

          Marcel Hirscher wurde im Überschwang des Erfolgs am Ende der Saison sogar noch witzig. Er habe sich mit dem WM-Hang angefreundet sagte er nach dem Finale in St. Moritz. Und zum fünften Gesamtweltcupsieg fiel ihm auf: „Das ist der erste Rekord, der wirklich richtig gut ist. Und ich bin mir sicher, er hält mindestens fünf Jahre.“

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