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Eiskunstlauf : Kringel-Diplomatie für Nordkorea

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Für Olympia geht es nicht nur darum, den Athleten unbehelligte Spiele zu bieten – obwohl das natürlich die zentrale Aufgabe ist. Insgesamt hat das IOC eine ideelle Auffrischungskur dringend nötig. Seine Glaubwürdigkeit ist angesichts von Korruptionsvorwürfen gegen prominente Mitglieder und der immer noch offenen Frage, welche Konsequenzen der russische Sport für das nachgewiesene Staatsdoping tragen muss, dramatisch gesunken. Wenn aber in Pyeongchang ein nordkoreanisches Paar vom Eis in die Welt hinaus lächeln sollte, könnte Olympia eine seiner größten Stärken zum Strahlen bringen: friedliche Begegnungen möglich zu machen im sportlichen Wettkampf, frei von weltpolitischen oder religiösen Spannungen. Bei den Sommerspielen 2000 und 2004 etwa marschierten die Mannschaften aus Nord- und Südkorea gemeinsam ins Olympiastadion. Gefeiert wurde auch ein Selfie zweier Turnerinnen aus den beiden Koreas während der Sommerspiele im vergangenen Jahr in Rio.

Gegen die Fliehkräfte: Das Paar aus Nordkorea könnte olympische Geschichte schreiben Bilderstrecke

Im Mai dieses Jahres lud Organisations-Chef Lee Hee-beom die nordkoreanische Mannschaft sogar dazu ein, auf dem Landweg, durch die entmilitarisierte Zone, nach Pyeongchang zu reisen. Olympia als Brückenbauer: Wenn man so will, drückten das sogar Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik in Oberstdorf im Kurzprogramm aus. Sie liefen zu dem Beatles-Hit „A day in the life“. John Lennons „Give peace a chance“ wäre da natürlich noch eine Steigerung gewesen.

Ein zartes Wesen und ein kräftigerer junger Mann mit eckigem Gesicht, zugänglich, höflich – so gaben sich die beiden im Allgäu. Sie wohnten wie alle anderen Sportler in einem Hotel in Sonthofen und aßen im selben Restaurant. Im Gespräch mit Journalisten wurden sie stets aufmerksam behütet von einem dominant auftretenden Delegationsleiter. Mehrere Fernsehteams, unter anderem aus den Vereinigten Staaten und Japan, waren ihretwegen ins Allgäu gereist, und die beiden Athleten vertraten ihr Land, in dem Armut und Unterdrückung herrschen, mit unerschütterlicher Freundlichkeit. „Das schönste Gesicht des Sozialismus“ – so wurde einst Katarina Witt genannt, obwohl die DDR an keinem einzigen Tag ihres 40 Jahre dauernden Bestehens so sexy war wie seine Eis-Diva.

Was Ryeom Tae-ok und Kim Ju-sik der Welt zu erzählen hätten, blieb auch aus der Nähe offen. Beide wohnen in Pjöngjang, haben aber durch den Sport schon viel von der Welt gesehen. Von Mai bis Ende Juli dieses Jahres genossen sie sogar die hochklassige Ausbildung an der Eislaufschule des ehemaligen Paarläufers Bruno Marcotte. In Montreal sollen sie, zusammen mit dem ebenfalls dort trainierenden südkoreanischen Eislaufpaar, sogar das Nationalgericht Kimchi zubereitet haben. In Oberstdorf hielten sie sich von den Südkoreanern aber fern.

Auf dem Eis zeigten sie mit einer ausgewogenen und reifen Kür, dass sie durchaus bei den Winterspielen mithalten können. Geschenke scheint Nordkorea denn auch nicht annehmen zu wollen. Chang Ung jedenfalls, das nordkoreanische Mitglied des IOC, winkte am Rande der Session vor zwei Wochen in Lima ab. „Wer qualifiziert ist, kann dorthin gehen, wer nicht qualifiziert ist, nicht.“ Bevor er einen Moment die Kontrolle verlor und sich ärgerlich beschwerte, dass doch viele Länder Raketentests unternähmen und nicht einsehbar sei, warum ausgerechnet Nordkorea das nicht dürfe. Und wirklich: Auch während der IOC-Vollversammlung flog eine nordkoreanische Rakete über Japan hinweg.

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