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Basketballer John Bryant : Der Koloss aus Kalifornien

  • -Aktualisiert am

Basketballspieler John Bryant: 2,11 Meter, 131 Kilo Bild: Imago

2,11 Meter, 131 Kilo: John Bryant ist bei den Gießen 46ers der Bulle unter den Rennpferden. Seine Spielintelligenz und sein feines Händchen machen den Amerikaner zu einem der überragenden Spieler der Basketball-Bundesliga.

          Per Günther wünschte John Bryant, mit dem er in Ulm von 2010 bis 2013 in der Basketball-Bundesliga zusammengespielt hatte, „sehr, dass er seinen etwas ramponierten Ruf in Gießen aufpolieren kann“. Und Jan Jagla, Bryants ehemaliger Teamkollege bei Bayern München, twitterte augenzwinkernd: Das Tempo des Gießener Trainers Ingo Freyer werde nicht einfach für John. „Aber ich habe gehört, dass er einiges abgenommen hat.“ Als der 2,11 Meter lange Center Bryant im September des vergangenen Jahres überraschend zu den in der ersten Liga Mittelmaß verkörpernden Mittelhessen zurückkehrte, waren die Vorbehalte groß.

          Bryant, der Bundesliga-Dominator zu Ulmer Zeiten, der der Liga ein markantes Gesicht gegeben hatte, habe seinen Zenit überschritten und sei körperlich nicht in Form, monierten dessen Kritiker. Doch zum Ende der Hinrunde – die Gießener empfangen an diesem Samstag (19.30 Uhr) Würzburg – steht fest, dass der Neustart von Bryant in Deutschland eindrucksvoll gelungen ist.

          Der Koloss aus Kalifornien, der sein aktuelles Gewicht mit 131 Kilo angibt, ist unter dem Korb wieder ein Schwergewicht der Liga. In 16 Einsätzen für den Tabellenelften legte er mit 14,9 Punkten und 10,1 Rebounds pro Spiel ein respektables Double-Double auf. „Big John“, wie er genannt wird, schwang sich zum Top-Rebounder der Spielklasse auf. In der Rangliste der Profis mit der höchsten Effektivität belegt er Rang drei. Der Riese ist in Gießen zum Anführer ohne Starallüren geworden. „John ist unser Leuchtturm“, sagt Geschäftsführer Heiko Schelberg über den massigen Mannschaftskapitän. „Er ist absolut bodenständig und loyal. Ein Mann mit dieser Aura und Ausstrahlung – etwas Besseres hätte uns nicht passieren können.“

          Im jungen Gießener Team macht Bryant, dessen Einsatzzeit gut 30 Minuten pro Spiel beträgt, mit seiner Erfahrung und Vielseitigkeit den Unterschied aus. Er gibt als Fixpunkt den Mitspielern Halt.

          An sportlicher Statur verloren

          In der Bundesliga waren die 46ers die Einzigen, die den 30-Jährigen zu sich holen wollten. Bryant hatte deutlich an sportlicher Strahlkraft verloren. Vergessen waren seine vielen Auszeichnungen als Ulmer Bundesliga-Gigant aber nicht. Bei den Schwaben, bei denen das Spiel im Angriff auf den Hünen zugeschnitten war und bei denen Bryant den bisher besten Basketball in seiner Karriere bot, kam er 2012 und 2013 als jeweils wertvollster Spieler der Saison zu höchsten Ehren. Zweimal wurde der hochdekorierte Mann aus Berkeley auch „Allstar-MVP“ (Most Valuable Player). 2013 freute er sich außerdem über die Bezeichnung bester Offensivspieler der Liga. Aber nach seinen drei Jahren in München – mit den Bayern gewann er 2014 die Meisterschaft – bekam seine Karriere endgültig einen Knick. Die Spanier aus Valencia sortierten ihn in der Vorsaison nach nur zwei Spielen aufgrund seines Übergewichts aus.

          Monaco hatte danach auch nur in sechs Begegnungen Verwendung für Bryant. Ihn drängte es in die Bundesliga zurück. Allerdings verfestigte sich für Bryant im Sommer 2017 wegen ausbleibender Angebote der Eindruck, dass ihn „viele vergessen“ hätten. Als der Center dann spät in Gießen zum Thema wurde, hielt Schelberg den Wechsel anfangs für kaum realisierbar: „Das war für mich so weit entfernt wie die Erde zum Mond.“ Selbst als er den ausverhandelten Vertrag der Agentur von Bryant zuschickte, plagten den Geschäftsführer noch Zweifel, „ob das Schriftstück jemals unterschrieben zurückkommt“. Aber das Geschäft kam zustande.

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