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Maas für Eishockey-WM-Entzug : „Das wäre das größte PR-Geschenk für Lukaschenko“

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„Wer es ernst meint mit der Solidarität mit Belarus, kann in dieser Lage nicht ernsthaft eine Weltmeisterschaft abhalten wollen“: Heiko Maas Bild: AP

Gegen die Austragung der Eishockey-WM 2021 in Belarus gibt es heftige Proteste. Die Rufe nach einem Entzug des Turniers werden immer lauter. Nun äußert sich auch der deutsche Außenminister Heiko Maas deutlich.

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          Außenminister Heiko Maas wegen befürwortet wegen der massiven Repressionen gegen die Demokratiebewegung, Belarus die Eishockey-WM zu entziehen. „Wer es ernst meint mit der Solidarität mit Belarus, kann in dieser Lage nicht ernsthaft eine Weltmeisterschaft abhalten wollen“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ (Donnerstag).

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          „Das wäre das größte PR-Geschenk für Lukaschenko und ein verheerendes Signal an die Demonstrierenden. Ich hoffe, dass auch die Organisatoren das einsehen. Das ist keine Frage von politischem Kalkül, sondern von Haltung“, sagte Maas (54) in Richtung des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). „Die ganze Welt hat in den letzten Monaten den Mut der hunderttausenden Frauen und Männer in Belarus bewundert, die auf den Straßen von ihrer Regierung einfordern, was für uns selbstverständlich ist: Freiheit, Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte. Statt auf Dialogangebote einzugehen, reagiert Lukaschenko mit brutaler Repression und Gewalt“, sagte er.

          Die WM soll vom 21. Mai bis zum 5. Juni in Belarus und Lettlands Hauptstadt Riga ausgetragen werden. Lukaschenka, der als „letzter Diktator Europas“ gilt, steht wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit international der Kritik. Die EU erkennt ihn seit der als gefälscht eingestuften Wahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Das EU-Mitglied Lettland lehnte eine gemeinsame WM mit Belarus ab. In Minsk hatte die WM bereits 2014 stattgefunden.

          Wegen massiver Polizeigewalt gegen Andersdenkende und mangelnder Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie ist Belarus als WM-Standort höchst umstritten. Bei den Protesten gegen Lukaschenka gab es seit August mehr als 30.000 Festnahmen, Hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Die EU hat Sanktionen gegen den Machtapparat Lukaschenkas verhängt. Eine Entscheidung könnte am 25. und 26. Januar fallen, wenn das Exekutiv-Komitee der IIHF noch einmal über das Problem der WM-Ausrichtung berät.

          Zuvor hatten auch andere deutsche Politiker einen Entzug der WM gefordert. „Wer riskiert, dass eine WM zu weiteren Unterdrückungen, Verhaftungen und Folterungen führt, der macht sich mitschuldig“, teilten die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Monika Lazar, und der Osteuropapolitiker Manuel Sarrazin am Mittwoch mit. Mit einer WM in Minsk würden die Verbrechens Lukaschenkas indirekt legitimiert.

          Eine Entscheidung könnte am 25. und 26. Januar fallen, wenn das IIHF-Council tagt. Am vergangenen Montag hatte sich IIHF-Präsident René Fasel in Minsk mit dem heftig umstrittenen Lukaschenka getroffen, um über die gemeinsam mit Lettland geplante WM-Ausrichtung zu sprechen. Dabei war es zur innigen Umarmung gekommen, die medial und auf politischer Ebene zu Kritik geführt hatte. Später gab der Schweizer zu, dass die Geste ihm „peinlich“ sei.

          Mittlerweile hat sich Dänemark, Ausrichter der WM 2018, als möglicher Ersatz-Austragungsort angeboten. Man wolle Minsk keinesfalls aus der Gastgeberrolle drängen, das Angebot sei als Plan B zu verstehen, falls es nicht möglich sein sollte, in Belarus zu spielen, sagte Dänemarks Verbandspräsident Henrik Bach Nielsen: „Wir sind überzeugt davon, dass die Sportart Eishockey eine weitere WM-Absage nicht verkraften würde.“ Bereits 2020 hatte die WM in der Schweiz wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. Sollte sich dies 2021 wiederholen, wäre das ein „Desaster für alle beteiligten Parteien. Spieler, Verantwortliche und Sponsoren“, sagte Nielsen.

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