https://www.faz.net/-gtl-ah7un

Auftakt im Ski-Weltcup : Tagesziel geht vor Fünf-Jahresplan

  • -Aktualisiert am

Mit hoher Geschwindigkeit: Shiffrin vor atemberaubender Kulisse Bild: dpa

Mikaela Shiffrin gewinnt den alpinen Saison-Auftakt. Marlene Schmotz schafft es in die Punkte. Und die chinesische Zukunft des Skifahrens wirft schon ihre Schatten voraus.

          3 Min.

          Der lange Marsch in die Weltspitze dauert wohl doch etwas länger. Die Möglichkeit, „300 Millionen Chinesen auf Schnee und Eis zu bringen“, also für Wintersport zu begeistern, sei eine „einmalige Chance im Leben“ und sollte ergriffen werden. Dies meinte zumindest Johan Eliasch, der neue Präsident des Internationalen Skiverbands (Fis).

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Eliasch zitierte damit keinen Geringeren als Xi Jinping, den Staatspräsidenten Chinas, der das Erreichen von 300 Millionen Skisportlern als Fünf-Jahresplan ausgerufen hatte, und rechtfertigte damit am Tag vor dem Auftaktrennen der alpinen Skisaison noch einmal wortreich die Entscheidung, Olympische Winterspiele in Peking auszutragen.

          Zwei Stars an der Spitze

          Die einzige Chinesin, die es schon jetzt in die Startliste des Riesenslalom-Weltcups schaffte, war die 26-Jährige Yueming Ni. Sie ging an diesem Samstag auf dem Rettenbachgletscher hoch über Sölden als letzte der 75 Teilnehmerinnen aus 24 Nationen ins Rennen – und erreichte auf der schwierigen Piste mit dem gefürchteten Steilhang immerhin das Ziel, allerdings erst nach 1:13,97 Minuten. Platz 66. Letzte im Klassement mit einem Rückstand von 11,17 Sekunden.

          An der Spitze des Klassements plazierten  sich zwei Superstars der Szene, die ihren eigenen Plänen folgen und sich ungern rein reden lassen – schon gar nicht von Staatspräsidenten. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin gewann in einer Gesamtzeit von 2:07,22 Sekunden knapp vor der Schweizerin Lara Gut-Behrami (+0,14 Sekunden), die nach dem ersten Durchgang noch hauchdünn geführt hatte. Die Olympiasiegerin aus Amerika und die Weltmeisterin aus der Schweiz agierten bei perfekten äußeren Bedingungen in einer „eigenen Liga“. Erst mit deutlichem Abstand folgte die Gesamtweltcup-Siegerin Petra Vlhova aus der Slowakei, die schon ein Zeit-Defizit von 1,30 Sekunden aufwies.

          „Ich bin super happy“, sagte Shiffrin strahlend über ihren perfekten Start in eine Saison, für die sie sich wieder den Angriff auf den Gesamt-Weltcup vorgenommen hat, den sie in jungen Jahren bereits drei Mal für sich entscheiden konnte. Die mittlerweile 26-Jährige Amerikanerin, einstiges Wunderkind der Szene, hatte sich nach dem Unfalltod ihres Vaters Anfang 2020 etwas zurückgezogen und etliche Rennen ausgelassen. Nun erscheint sie auch mental wieder perfekt aufgestellt, zumal frisch verliebt mit neuem Freund, dem norwegischen Skistar Aleksander Aamodt Kilde, dem sie im Zielraum von Sölden ein Küsschen via Kamera zuwarf.

          Absolut zufrieden: Marlene Schmotz
          Absolut zufrieden: Marlene Schmotz : Bild: AFP

          Dicht gedrängt auf den Plätzen hinter dem Siegerpodest folgten an einem strahlenden Sonnentag vor 9000 erstmals wieder zugelassenen Zuschauern hoch über Sölden Läuferinnen aus vielen weiteren Ländern mit einer gewissen Skitradition, die aber selbst zusammen genommen keine 300 Millionen Skifahrer aufweisen: Gastgeber Österreich war mit Doppel-Weltmeisterin Katharina Liensberger (+1,39 Sekunden) auf Rang vier vertreten, die Norwegerin Marie Therese Tviberg (+1,45) folgte als Fünfte vor Meta Hrovat (Slowenien/+1,59), Valerie Grenier (Kanada/+1,85) und Tessa Worley (Frankreich/+2,06).

          Weit entfernt von einem Platz unter den besten acht kam die beste Deutsche, Marlene Schmotz, auf Rang 28 ins Ziel. Doch obwohl sie satte 4,32 Sekunden Rückstand auf Mikaela Shiffrin aufwies, war die 27-Jährige nicht mal unzufrieden mit dem Resultat. „Es ist für mich hervorragend, dass ich überhaupt in den zweiten Durchgang gekommen bin und ein paar Punkte mitgenommen habe“, sagte sie. Andrea Filser verpasste als 52. mit gut vier Sekunden Rückstand nach einem Lauf den anvisierten Final-Durchgang dagegen mehr als deutlich.

          Nach einer langwierigen Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses war Marlene Schmotz erstmals seit Januar 2020 überhaupt wieder in einem Weltcuprennen am Start. Ihr selbstgestecktes Ziel hatte sie als 25. des ersten Laufs erreicht. Im zweiten bremste sie sich dann selbst ein wenig im Steilhang aus. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass sie den Anschluss wieder hergestellt und ihren Tagesplan erfüllt hat. Zudem holte sie durch ihren Erfolg einen dritten Startplatz für das diesmal arg dezimierte deutsche Riesenslalom-Team.

          Bis zum Saisonhöhepunkt im Februar 2022 bleibt ihr nun ausreichend Zeit, sich wieder den Top-Ten-Plätzen zu nähern, die sie vor ihrer folgenreichen Verletzung bereits einmal erreicht hatte. Die Olympischen Spiele werden dann in einer Stadt ohne Berge ausgetragen, mit neuen Skipisten in Pekings Hinterland, in dem es selten schneit – aber zumindest kalt genug ist, um Schnee künstlich zu produzieren. Eben eine einmalige Gelegenheit. Yueming Ni dürfte sicher dabei sein. Ob als Vorläuferin von 300 Millionen Landsleuten wird freilich erst die ferne Zukunft weisen.

          Weitere Themen

          WTA setzt Turniere in China aus Video-Seite öffnen

          Peng Shuai : WTA setzt Turniere in China aus

          Die ehemalige Doppel-Weltranglistenerste hatte einem führenden chinesischen Funktionär sexuelle Nötigung vorgeworfen. Nachdem sie drei Wochen als verschwunden galt, taucht sie latu Videos staatlicher Medien wieder auf Veranstaltungen auf.

          Topmeldungen

                        Zuhause bedrängt:  Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping

          Vor Haus von Petra Köpping : Aufmarsch mit brennenden Fackeln

          In Sachsen belagern zwei Dutzend radikale Maßnahmen-Gegner das Privathaus von Gesundheitsministerin Petra Köpping. Der Verfassungsschutz beobachtet die „Querdenker“-Szene im Land zunehmend mit Sorge.
          Damals, im April, die erste Sitzung des Ausschusses im Großen Festsaal im Rathaus von Hamburg

          Cum-ex-Affäre : Staatsanwältin kritisiert Hamburger Behörden

          Im Untersuchungsausschuss zur Cum-ex-Affäre zeigt eine Staatsanwältin wenig Verständnis für das Verhalten der Hamburger Behörden. Eine Frage wird immer dringlicher: Gab es eine politische Einflussnahme?
          Bild der Geschlossenheit: Auch die unterlegenen Präsidentschaftsanwärter versammeln sich nach der Vorwahl der bürgerlichen Rechten um die Siegerin Valérie Pécresse.

          Pécresse tritt gegen Macron an : Eine Präsidentin für Frankreich?

          Zum ersten Mal zieht die bürgerliche Rechte mit einer Frau in den französischen Präsidentenwahlkampf. Valérie Pécresse, die als Vorbilder Angela Merkel und Margaret Thatcher nennt, ist oft unterschätzt worden.