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Biathlon-Weltcup in Oberhof : Peiffer voll auf Angriff – und im Glück

Erfolgreich in Oberhof: Arnd Peiffer Bild: dpa

Der Niedersachse bessert als Zweiter die ohnehin gute deutsche Bilanz am Schlusstag des viertägigen Spektakels in Oberhof noch einmal auf. Doch es gibt auch Problemfälle bei den Biathleten.

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          Der Wind treibt mal wieder sein launisches Spiel. Mal in Böen stark auffrischend, mal für einem Moment leicht abflauend. Aber nur schwer berechenbar. Eben typisch Oberhof. Wer in diesem kleinen Inferno in der Biathlonarena am Grenzadler den Überblick behält und am Schießstand einigermaßen ungeschoren davonkommt, hat entweder ungeheures Glück – oder jede Menge Erfahrung. Oder beides. So wie am Sonntag Martin Fourcade. Der fünfmalige Olympiasieger aus Frankreich brachte es mit all seiner Routine fertig, 18 von 20 Scheiben zu treffen und lief einem ungefährdeten Sieg im Massenstart entgegen. Es war sein 75. Weltcuperfolg – und der zweite in Oberhof. Und nebenbei verdrängte Monsieur Fourcade den Norweger Johannes Thingnes Bö, der eine „Baby-Pause“ einlegt, von der Spitze des Gesamt-Weltcups.

          Am Schlusstag des viertägigen Spektakels auf dem eisig-schmutzigen Schneeband im Thüringer Wald gerieten auch die 20.100 Zuschauer noch einmal aus dem Häuschen, als Arnd Peiffer Fourcades Landsmann Simon Desthieux in einem spannungsgeladenen Finish auf den letzten Metern um 0,2 Sekunden hinter sich ließ. Dabei gilt der 32 Jahre alte Niedersachse nicht gerade als spurtstark. „Ich habe gesehen, dass von hinten noch der Norweger Johannes Dale kommt. Und Vierter werden wollte ich auf keinen Fall. Also habe ich gesagt: Angriff ist die beste Verteidigung“, sagte Peiffer. „Umso schöner, dass es sogar noch zu Platz zwei gereicht hat. Ich bin froh, einmal Simon im Spurt geschlagen zu haben. Normalerweise ist das umgekehrt.“

          Und was das Schießen angeht, räumte der Olympiasieger von 2018 ein, dass es bei aller Erfahrung eben ganz ohne Glück nicht geht. „Du erwischst ein Fenster, wo du zwei, drei Schüsse wirklich gezielt abgeben kannst, ansonsten ist es Reaktionsschießen. Mit dem einen Fehler beim letzten Schießen war ich wahrscheinlich der Einäugige unter den Blinden.“ Was nichts daran ändert, dass der Weltmeister von 2019 immer besser in die Spur kommt.

          „Ich war wahrscheinlich der Einäugige unter den Blinden“: Arnd Peiffer

          Was fast für die Hälfte des deutschen Männerteams zutrifft. Die Norweger und Franzosen geben zwar weiterhin den Takt vor, aber der Trend geht nach oben. In jedem der drei Rennen am Grenzadler stand ein deutscher Skijäger auf dem Podest. Am Freitag war es Johannes Kühn als Dritter im Sprint, einen Tag später landete die Staffel ebenfalls auf Rang drei – und nun besserte Peiffer am Sonntag die ohnehin gute deutsche Bilanz noch einmal auf. Der Mann, der traditionell eher zäh in die Saison startet, hatte schon die entscheidende Rolle im Staffel-Quartett gespielt, als er das deutsche Team vom sechsten Platz auf Rang zwei führte – leider nur zwischenzeitlich.

          Dabei hatte sich Peiffer erst am Mittwoch nach einem Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt quasi die Freigabe für einen Start in Oberhof geholt, nachdem ihn über Silvester ein Infekt ausgebremst hatte. Der sicherste deutsche Schütze ist Peiffer ohnehin, auch wenn er sein Ziel, eine 90-prozentige Trefferquote, am Sonntag mit drei Strafrunden knapp verfehlte. Aber auch läuferisch hinterließ er einen eminent starken Eindruck. „Es geht in die richtige Richtung“, lautet sein Zwischenfazit, „ich habe das Gefühl, ich kann auch kleine Lücken zulaufen, ich kann auf der Schlussrunde gegenhalten“, sagte der Weltmeister von 2019, der auch im Erfolg stets nüchtern analysiert: „Es liegt schon noch ein Stück Arbeit vor mir, weil noch nicht alles stabil ist.“

          Dass Peiffer irgendwann in Tritt kommen würde, war zu erwarten. Aber dass Philipp Horn sich gerade bei seiner Heimspiel-Premiere so nervenstark präsentiert, war schon eine Überraschung: Platz 13 am Freitag im Sprint, eine ordentliche Vorstellung als Startläufer der Staffel; und am Sonntag setzte der 25 Jahre alte Thüringer mit Platz sechs noch einen drauf. „Das ganze Wochenende war für mich überwältigend“, sagte er, „und heute noch mal so eine klasse Leistung zu zeigen, macht mich einfach nur glücklich.“ Horn hat sich in den Top 20 im Gesamtweltcup festgesetzt. Er mag kein Überflieger sein, ein Mann mit Perspektive ist er allemal. Und die Qualifikationskriterien für die Weltmeisterschaft im Februar in Antholz hat er sogar übererfüllt.

          Das hat auch Benedikt Doll, der in Le Grand Bornand den bislang einzigen deutschen Saisonsieg erkämpft hat, sich in Oberhof am Schießstand aber zu viele Fehler leistete; das gilt für Kühn, der in Oberhof als Dritter im Sprint für das erste Ausrufezeichen gesorgt hat, und am Sonntag 19. wurde. Womit wir bei den Sorgenkindern wären. Simon Schempp hat zwar die halbe Norm, aber auch in Oberhof war der 31 Jahre alte Schwabe ein Rätsel. Wenn man im Sprint mit nur einem Schießfehler, aber zweieinhalb Minuten Rückstand auf Rang 43 endet, ist das mehr als ernüchternd. Am Sonntag dann war Platz 27 kein großer Fortschritt. Es sieht nicht gut aus für den Olympiazweiten von Pyeongchang. Zumal Schempp mittlerweile von Selbstzweifeln geplagt wird.

          Noch schlechter steht es um Erik Lesser. Der Silbermedaillengewinner von Sotschi, der wie Schempp über Jahre in den Top 15 zu Hause war, hat wegen Formschwäche sogar sein Heimspiel am Grenzadler verpasst hat und sich stattdessen im slowakischen Örtchen Osrblie im zweitklassigen IBU-Cup wieder für höhere Aufgaben empfehlen müssen. Was ihm mit den Plätzen sieben und elf nicht gelang. Zumal seine IBU-Kollegen Pilipp Nawrath und Roman Rees mit den Plätzen eins und drei wesentlich besser dastehen. Beim Weltcup nächste Woche in Ruhpolding dürfte man Lesser kaum antreffen.

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