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Biathlet Arnd Peiffer : Ein Olympiasieger auf ganz eigenen Wegen

  • -Aktualisiert am

Der Biathlet Armd Pfeiffer 2017 während Aufwärmübungen in Hochfilzen, Österreich. Bild: dpa

Aus dem Nichts gewann Arnd Peiffer Olympia-Gold in Pyeongchang vor den Favoriten. Der Blick hinter die Kulissen zeigt: Der deutsche Biathlet hat für alles sein ganz persönliches Erfolgsrezept.

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          „Gestatten, Peiffer, Olympiasieger!“ Natürlich würde sich Arnd Peiffer so nie selbst vorstellen, aber das Attribut „Olympiasieger“ begleitet den 31 Jahre alten Biathleten jetzt überall dort, wo er öffentlich auftritt und vorgestellt wird. Beim Empfang in seiner Heimatstadt Clausthal-Zellerfeld, die ihn zum Ehrenbürger gemacht hat, beim City-Biathlon in Wiesbaden, bei Sponsorenterminen und bei Fernsehauftritten. War ja auch eine schöne Sache, dieser Coup im Sprint, als der Niedersachse im vergangenen Februar im eisigen Pyeongchang den „großen Zwei“ das Gold weggeschnappt hat. Alle hatten auf Martin Fourcade oder Johannes Thingnes Bø gesetzt – und dann kam Peiffer aus der Tiefe der südkoreanischen Nacht.

          Das ist schon wieder Schnee von gestern, zumal am Sonntag in Pokljuka/Slowenien die neue Saison mit den Mixed-Wettbewerben eröffnet wird, aber wie oft hat man den Satz gehört: „Dieses Olympiagold hat mein ganzes Leben verändert.“ Weltmeister war Peiffer schon, aber das kann man im Biathlon fast jedes Jahr werden. Olympiasieger – das ist die höchste Kategorie. Und doch entgegnet Peiffer auf die Frage, was sich verändert habe: „Nicht so wahnsinnig viel. Vielleicht sehen mich die Leute ein bisschen anders, aber ich wusste schon vorher, dass ich im Sprint auch mal ganz vorne landen kann, wenn alles passt. Ich weiß auch, dass die zwei, die ich in Pyeongchang geschlagen habe, besser sind als ich.“

          Der Mann ist Realist, und die Gefahr, dass so einer den Boden unter den Füßen verlieren könnte, ist gering. Davor schützt ihn neben seinem Charakter schon das etwas reifere Alter. „Ich glaube, es ist ganz gut, dass der Olympiasieg so spät kam in meiner Karriere. Wenn man mit 22 Olympiasieger wird und fortan immer daran gemessen wird, ist das viel schwieriger“, sagt Peiffer, den aber auch die tägliche Arbeit vor Träumereien bewahrt. „Durch das Training, das einen immer wieder an die eigenen Grenzen erinnert, geht auch die Demut nicht verloren“, sagt Peiffer. „Ich muss mich genauso quälen wie zuvor.“ Etwa im Juni beim Rad-Trainingslager in den Pyrenäen mit Klassiker-Bergen wie Tourmalet oder Col d’Aspin.

          Kein Manager für den Olympiasieger

          1100 Kilometer mit 20.000 Höhenmetern in acht Etappen – Tour-Feeling. „Danach war ich breit“, sagt Peiffer und klingt wie ein Fan, als er hinzufügt: „Aber da stehen überall die Namen der Radprofis auf der Straße, das war was Besonderes.“ Selbst ein Olympiasieger kann Quälerei als Belohnung empfinden. Und wie ist es mit dem anderen Lohn? So ein Titel muss sich doch bestens vermarkten lassen. Da bleibt Peiffer entspannt: „Man bekommt die ein oder andere Prämie – das ist die direkte Auswirkung. Was das andere angeht: Ein Marketing-Mensch würde sagen, man hat seine eigene Marke aufgewertet.“ Das klingt doch vielversprechend.

          Aber Peiffer behauptet, er sei eben nicht der Typ, der sich jetzt hinstellt, die Hand aufhält und sagt: „Hey, ich bin Olympiasieger, ich will jetzt das Doppelte.“ Oder eben zum Meistbietenden weiterzieht. Aber für so etwas hat man ja einen Manager. Da schüttelt Peiffer den Kopf: „Nö. Ich nicht. Ich manage mich selbst.“ Wie bitte? Da sind manche noch nicht einmal dem Juniorenalter entwachsen und haben schon einen fürs große Geld, aber der Olympiasieger läuft sozusagen noch frei herum.

          Ja, das tut er, und zwar ganz bewusst. Er mag den direkten Kontakt mit den Partnern: „Das macht es auch weniger kompliziert.“ Wozu den Umweg über einen Manager nehmen, wenn es – wie beim folgenden fiktiven Telefongespräch – auch so geht: „,Hey, Arnd, hast du am 15. Oktober Zeit?‘ Und ich frage: ,Wie lange? Vier Stunden? Puuh, ist ein bisschen lang. Gehen zwei Stunden auch?‘ Und er sagt: ,In Ordnung.‘ Dann ist die Sache erledigt. Das ist kein Hexenwerk.“ Zumal wenn man seine Sponsoren schon seit zehn Jahren persönlich kennt. Da fühlt sich Peiffer auch irgendwie zur Treue verpflichtet: „Die haben zu mir gehalten, als es nicht so toll lief, und deswegen halte ich jetzt auch zu denen, wo es mal für mich sehr gut lief.“ Aber die Sponsoren nehmen ihn jetzt als Olympiasieger doch bestimmt mehr in die Pflicht. Den ein oder anderen Termin habe er mehr gemacht, gibt Peiffer zu, „aber das Verhältnis zu guten Partnern zeichnet sich dadurch aus, dass man auch mal nein sagen kann, ohne dass die beleidigt sind. Die wissen auch, dass das Training das Entscheidende ist.“

          Alles eine Frage der Balance. Er würde sich ohnehin nicht vor jeden Karren spannen lassen. „Es gibt tatsächlich Dinge, die ich abgelehnt habe, weil die nicht zu mir passen.“ Natürlich nennt Peiffer keine Namen, aber „ich würde schon sehr genau darauf achten, womit eine Firma ihr Geld verdient. Man muss sich immer bewusst sein, wofür man steht“. Peiffer steht für Seriosität. Deshalb geht er auch diese Saison an wie jede andere. Voll motiviert, voll in der Spur. Er hat stets eigene Maßstäbe angelegt, er kann sich auch über Platz acht freuen, selbst als Olympiasieger. Viel Luft nach oben hat er, was den Gesamt-Weltcup angeht, ohnehin nicht. „Ich war in den letzten zwei Jahren jeweils Vierter. Da ist die Chance, nach hinten zu rutschen, viel höher als zu klettern.“ Mit so viel Realismus kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

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