https://www.faz.net/-gtl-8uc5n

Ski-Star Anna Veith : „Alles, was jetzt kommt, nehme ich als Geschenk“

„Der Erfolg ist wichtig für meine Psyche“: Die Skifahrerin Anna Veith vor der WM in St. Moritz Bild: dpa

Anna Veith hat in ihrer Ski-Karriere alles erreicht. Dann stoppte sie eine schwere Verletzung. Nun spricht Veith über ihre Schreibtherapie, das Comeback und die am Dienstag beginnende WM in St. Moritz.

          5 Min.

          Sie haben im Super-G von Cortina den dritten Platz belegt. Wie hat es sich angefühlt, schon im siebten Rennen nach Ihrem Comeback wieder so erfolgreich zu sein?

          Schon ein bisschen überraschend. Dass es wirklich fürs Stockerl reicht, hätte ich nicht gedacht. Umso glücklicher war ich danach. Und ich habe es auch ein Stück weit als Belohnung empfunden, für die harte Zeit, die ich zuletzt durchgemacht hatte.

          War es der Moment, in dem Ihre Leidenszeit beendet ist?

          Ich würde mich sehr freuen, wenn es so wäre. Nur momentan kann ich das noch nicht sagen. Es ist ja nicht so, dass nun alles super ist, nur weil es einmal funktioniert hat. Es sind schon noch die gleichen Probleme da wie zwei oder drei Tage vorher. Der Erfolg ist aber wichtig für meine Psyche, dass ich wieder Motivation schöpfen kann. Dass ich weitermache. Je länger es gedauert hätte, den Anschluss zu finden, umso schwieriger wäre es auch psychisch geworden. So ist es ein kleiner Lichtblick. Und ich hoffe, dass ich daraus ganz viel Mut und Kraft schöpfen kann.

          Wie fühlt sich denn Ihr Knie an nach einem Rennen? Oder überhaupt nach einem Skitag?

          Das ist schwierig zu erklären. Einfach erschöpft. Es ist nicht so, dass irgendwo ein Bruch ist, der extrem schmerzt. Es sind eher die Strukturen, die ziemlich viel Druck aushalten mussten. Wenn ich zur Ruhe komme, spüre ich, dass das Knie noch ganz viel zu verarbeiten hat. Und dass es mich körperlich ziemlich mitnimmt.

          Sie müssen sich und Ihren Körper sehr pflegen und pflegen lassen?

          Das auf jeden Fall. Es ist mehr Physiotherapie als vorher. Wenn man Spitzensport macht, hat man immer irgendwo ein Wehwehchen und muss sich behandeln lassen, damit kein Problem auftritt. Da ist unsere Sportart sehr belastend. Und durch meine Verletzung ist es noch mal mehr geworden, weil der Körper jetzt natürlich doppelt gefordert ist mit der Gewöhnung an die Maximalbelastung im Skisport. Also richtig viel Aufwand, um am nächsten Tag wieder bereit zu sein.

          Haben Sie denn das Vertrauen in Ihren Körper wiedergewonnen, so dass Sie sorgenfrei Skifahren können?

          Ich weiß, dass ich auf meine Technik vertrauen kann. Dieses gute Gefühl war eigentlich von Anfang an wieder da. Womit ich mich schwerer tue, ist der Druckaufbau, das Hineingehen in den Schwung. Dass ich nicht nur reagiere, sondern auch agieren kann. Dafür habe ich wirklich lange gebraucht. Inzwischen wird das mit jeder Fahrt etwas besser. Aber ich habe es noch nicht immer ganz unter Kontrolle. Daran arbeite ich noch.

          Spürten Sie in Ihrer langen Auszeit vor allem Druck, dass Sie unbedingt zurückkommen müssen? Oder konnten Sie die viele freie Zeit auch genießen?

          Das war unterschiedlich. In letzter Zeit habe ich es weniger genießen können, weil ich sehr hart am Arbeiten war. Am Anfang meiner Verletzungsphase, als der Körper einfach die Ruhe brauchte, in der ich die Zeit arbeiten lassen musste, habe ich es schon sehr genießen können, weil ich einfach viel Zeit mit meiner Familie verbringen konnte. Das ist ja nicht so selbstverständlich in so einem Sportlerleben. Das habe ich auch in meinem Buch „Zwischenzeit“ beschrieben, dass ich die Zeit genutzt habe, um nachzudenken und all das, was ich erlebt habe, zu verarbeiten. Dabei habe ich dann auch die Motivation gefunden, weiterzumachen. Zwischen trainieren, hart arbeiten und reflektieren. Dem Bewusstsein, die Zeit zu genießen – und trotzdem schätzen zu können, was ich bisher für ein Leben führen durfte.

          War Ihr Buch „Zwischenzeit“ für Sie eine Art Schreibtherapie?

          Genau. Ich habe gemerkt, wenn man etwas niederschreibt, schafft man Platz im Kopf für was Neues. Und das Erlebte kann man festhalten.

          Dabei kam heraus, dass Sie das Skifahren sehr vermisst haben?

          Ja, auf alle Fälle. Allein schon das Erlebnis, als ich das erste Mal wieder draußen war auf Skiern. Beim ersten Mal bin ich ja nur bergauf gegangen, nicht abgefahren. Aber als ich zum ersten Mal wieder runterfahren konnte, das Gefühl war wie ein Befreiungsschlag. Das hätte ich nie für möglich gehalten, dass mich das auch emotional so mitnimmt. Dass das so intensiv wird. Also, ich habe das Skifahren schon extrem vermisst.

          Und hat Ihnen der Erfolg gefehlt? Oder ist der auch eher zweitrangig?

          Wenn man mit dem zufrieden ist, was man leistet, dann ist das ein wunderschönes Gefühl. Und wenn man für etwas arbeitet, dann will man da auch was ernten können. Es ist nicht immer leicht, denn es läuft nicht jeden Tag gut. Aber wenn man so ein Gefühl bekommt wie am vergangenen Sonntag in Cortina, wenn man wieder auf dem Podest steht und weiß, für was man den ganzen Aufwand betrieben hat, dann ist das einfach unglaublich.

          Weitere Themen

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.