https://www.faz.net/aktuell/sport/wintersport/andreas-sander-mit-naechstem-deutschen-ski-coup-bei-wm-17197355.html

Nächster deutscher Ski-Coup : Alle freuen sich mit Andreas Sander

  • -Aktualisiert am

Knapp am Gold vorbei: Andreas Sander muss sich um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben. Bild: dpa

Die dritte große Überraschung der deutschen Ski-Rennfahrer bei der WM in Italien: Andreas Sander fährt in der Abfahrt zu Silber und verpasst dabei den ganz großen Triumph nur knapp.

          2 Min.

          Eigentlich gab es niemanden im Männerteam des Deutschen Skiverbandes (DSV), der den Abfahrer Andreas Sander nicht herzte. Zuerst der Alpindirektor, später kamen auch Trainer und Betreuer, um den Athleten innig zu drücken. In Zeiten von Corona entspricht das zwar nicht der Etikette, aber bei Medaillengewinnern haben die in Cortina d’Ampezzo sonst so strengen Hygiene-Wächter ein Nachsehen.

          Sander hat diese fast schon unglaubliche Erfolgsserie bei dieser Ski-WM fortgesetzt und in der Abfahrt die nächste Silbermedaille für die deutschen Alpinen gewonnen. Dreimal Edelmetall in den ersten vier WM-Rennen, das hat es noch nie gegeben. Für den 31 Jahre alten gebürtigen Westfalen ist es das erste Edelmetall in seiner Karriere, mal abgesehen von Gold bei der Junioren-WM vor 13 Jahren. „Ein perfekter Tag“, sagte er.

          Andreas Sander hatte noch niemals zuvor im Weltcup einen Platz auf dem Podium erreicht. Und doch war er schon so oft so nah dran gewesen, holte in den vergangenen Jahren und vor allem in dieser Saison so viele fünfte, sechste, siebte Plätze, dass man sagen kann, er war jetzt einfach an der Reihe. „Ich habe immer mit mir gehadert, weil ich immer im richtigen Moment nicht locker genug geblieben bin“, sagte er.

          Die Teamkollegen hatten geschafft, was ihm verwehrt geblieben ist. Thomas Dreßen, bis zu dieser Saison, der Jüngste im Abfahrtsteam, hat mittlerweile fünf Weltcup-Siege, Josef Ferstl zwei. Schließlich holte der Österreich-Transfer Romed Baumann am Donnerstag die erste Medaille im Super-G für das deutsche Team seit 34 Jahren. Andreas Sander stand da etwas im Schatten.

          Hochzufrieden mit Silber: Andreas Sander aus Westfalen
          Hochzufrieden mit Silber: Andreas Sander aus Westfalen : Bild: AFP

          Bei dieser Weltmeisterschaft, in der Abfahrt, „da wollte ich es unbedingt zeigen“, sagte er. Aber erst bei der Siegerehrung habe er realisiert, „dass es sensationell ist“. Fast jeder andere hätte sich womöglich geärgert, dass er Gold nur um eine Hundertstelsekunde verpasst hatte, nicht so Sander. „Da überwog die Freude“, sagte er, hinter dem Österreicher Vincent Kriechmayr gelandet zu sein, aber immerhin noch vor dem Abfahrts-Besten der vergangenen Saison, Beat Feuz aus der Schweiz.

          Für den DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier ergibt es „ein rundes Bild, dass Andi das heute geschafft hat“. Auf jeden Fall ist es ganz im Sinne des guten Betriebsklimas in der Mannschaft. „Ich freue mich einfach nur, dass es für Andi endlich gereicht hat für das Podium“, sagte Thomas Dreßen. Dem erfolgreichsten deutschen Abfahrer hätten viele vermutlich eher zugetraut, in der Königsdisziplin eine Medaille zu holen, trotz seiner Hüftoperation im Dezember. Aber Dreßen landete bei seinem Comeback-Rennen auf dem 18. Platz und entschied, in dieser kein Weltcuprennen mehr zu bestreiten.

          Auch Romed Baumann war nach seiner Medaille im Super-G zumindest als Geheimfavorit gehandelt worden. Der 35-Jährige wurde mit einer späteren Startnummer jedoch nur 14. und nimmt neben seiner Medaille eine schmerzhafte Erinnerung von der Weltmeisterschaft mit. Im Ziel stürzte er, rutschte unter der Matte an die Bande durch und zog sich dabei ein paar Schnitte im Gesicht zu.

          „Ich habe immer mit mir gehadert, weil ich immer im richtigen Moment nicht locker genug geblieben bin“.
          „Ich habe immer mit mir gehadert, weil ich immer im richtigen Moment nicht locker genug geblieben bin“. : Bild: AFP

          Andreas Sander hatte einst auf der Teufelswiese, einem kleinen Hügel in der Nähe seines Heimatortes Ennepetal, das Skifahren gelernt, und früh sein Talent unter Beweis gestellt. Aber es war ein langer zäher Weg vom Junioren-Weltmeistertitel 2008 bis zur Medaille in Cortina d’Ampezzo. Zwar gelingt nur wenigen im Weltcup auf Anhieb der Sprung unter die Besten, doch Sander, der mittlerweile in Oberstdorf lebt, stagnierte viele Jahre lang. Wenn es endlich einen Schritt nach vorne ging, bremste ihn eine Verletzung. Der Kreuzbandriss 2013 kostete ihn die Teilnahme an der WM in Schladming, der zweite Ende 2018 die Teilnahme an den Titelkämpfen in Åre.

          Nach den Olympischen Spielen 2014 stand sogar zur Diskussion, die deutschen Abfahrer, damit auch Andreas Sander, aus der Förderung zu nehmen. Aber der damals von Österreichern als Cheftrainer zurückgeholte Mathias Berthold sah in der Mannschaft Potential. Unter Berthold und vor allem Christian Schwaiger, damals für die Abfahrer zuständig und mittlerweile Cheftrainer, nahmen die Athleten eine rasante Entwicklung. Mittlerweile gilt die deutsche Mannschaft neben den Österreichern und Schweizern als stärkste Mannschaft in den beiden schnellen Disziplinen. Und verlässt die WM mit zwei Medaillen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Steht gerade bei den Grünen hoch im Kurs: die Wärmepumpe

          Deutsche Klimapolitik : So wird das nichts mit der Wärmewende

          Noch schnell eine neue Gasheizung einbauen? Oder doch die von den Grünen gewünschte Wärmepumpe? Es sind goldene Zeiten für Energieberater und Installateure – für Hauseigentümer eher nicht.