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Andreas Sanders Hoffnung : Der stille Westfale und der große Coup

  • -Aktualisiert am

Gut unterwegs: Andreas Sander sucht den schnellsten Weg ins Ziel. Bild: EPA

Andreas Sander gehört seit vielen Jahren zu den zuverlässigen Abfahrern – aber im Rampenlicht stehen andere. In Garmisch-Partenkirchen hofft der Sauerländer abermals auf das eine besondere Ergebnis.

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          Es war ein zähes Ringen um die erste Fahrt auf der Kandaharstrecke. Nach Regen und Schneefall in den vergangenen Tagen klappte es im dritten Versuch dann endlich mit dem ersten und einzigen Training für die Weltcup-Abfahrt an diesem Samstag (11.30 Uhr im ZDF) in Garmisch-Partenkirchen. Wer da schon ein paarmal in den Jahren zuvor am Start stand, hat für das Rennen sicher keine Nachteile. Andreas Sander kennt die Strecke besser als viele andere, besser als die meisten. Der 30 Jahre alte Ennepetaler war bereits bei den Weltmeisterschaften vor neun Jahren dabei, kam aber in der Abfahrt nicht ins Ziel. Vor vier Jahren aber erreichte er dort als Achter sein bis zu jenem Zeitpunkt bestes Weltcup-Ergebnis.

          „Ich mag die Strecke extrem gerne“, sagt er. Dass er die Übungsfahrt am Freitag auf Platz 21 beendete, bereitet Sander kein Kopfzerbrechen. Er weiß, woran es hapert. In erster Linie am Start, der wegen der Witterungsverhältnisse nach unten verlegt wurde. „Das ist meine Schwachstelle“, nicht nur in Garmisch-Partenkirchen, sondern immer dann, wenn es nicht wie in Kitzbühel mit wenig Gefälle losgeht. „In den ersten zwei, drei Kurven mit so wenig Geschwindigkeit tue ich mich schwer“, gibt er zu.

          Verletzungen zur Unzeit

          Sander gehört seit vielen Jahren zu den zuverlässigen Punkte-Fahrern in der deutschen Abfahrts-Mannschaft, aber auf den großen Coup wartet er noch. Deshalb steht er im Schatten der erfolgreicheren Thomas Dreßen und Josef Ferstl. Während die beiden Kollegen schon ein paar Weltcup-Siege einfuhren, schaffte es Sander noch nicht einmal aufs Podest. Immer, wenn er drauf und dran war, den nächsten Schritt zu machen, bremste ihn eine Verletzung aus. Der erste Kreuzbandriss kostete ihn die WM-Teilnahme 2013 in Schladming. Vor zwei Jahren war er in Kitzbühel auf dem Weg zu einer zweiten deutschen Sensation an jenem Tag, als ihm nach Zwischenbestzeiten am Ende die Kraft fehlte. Der Fehler, ohne den er womöglich Dreßen noch vom ersten Platz verdrängt hätte, war wohl eine Folge der Muskelprobleme, die die Ärzte erst im Sommer darauf in den Griff bekamen. Und bald darauf gab es den nächsten Rückschlag, ein zweiter Kreuzbandriss im Dezember 2018 und wieder eine lange Pause.

          Er hat aber gelernt in seiner Karriere, dass diese Auszeiten auch positive Seiten haben können, der Abstand vom Skisport. „Man überdenkt Dinge, die zwar schon ganz gut waren, aber die man noch optimieren kann“, sagte er. „Reifer im Kopf“ sei er geworden, und er denke jetzt noch einmal bewusster, „was das Thema Körper angeht“. Wie bei Dreßen ist es auch für ihn eine Comeback-Saison. Aber der Kollege hat diese mit einem Paukenschlag begonnen, dem Sieg in Lake Louise. Sander hingegen tastete sich langsam heran. Zu langsam, wie er schließlich selbst fand.

          Vor den Rennen in Kitzbühel am vergangenen Wochenende hatte er sich Gedanken gemacht, warum er noch nicht wieder bereit ist, das Limit auszureizen. „Ich habe gesagt, ich fühle mich gut, warum nicht jetzt den Schalter umlegen“, sagte er und setzte sein Vorhaben in die Tat um. Die Tage am Hahnenkamm bezeichnet Sander deshalb „als Wende“. Mit den Plätzen acht im Super-G und elf in der Abfahrt war er der erfolgreichste Deutsche auf der Streif in diesem Jahr. Und trotzdem standen wieder andere aus seiner Mannschaft im Mittelpunkt. Romed Baumann, der ehemalige Österreicher, weil er in der Abfahrt noch besser war. Und natürlich Dreßen bei seinem Start auf der Streif nach dem Sieg von 2018.

          Nach außen kann Sander ganz gut damit leben, dass sich nur selten alles um ihn dreht. Er trägt eben das Herz nicht auf der Zunge wie Dreßen, sondern spricht eher ruhig und wohlüberlegt. Er hat auch keine rührende Vater-Sohn-Geschichte zu bieten wie Ferstl. Dabei hätte Sanders Karriere, die auf einem 300 Meter hohen Hügel am südlichen Rand des Ruhrgebiets im Sauerland begann, durchaus Potential fürs Rampenlicht. Einen Westfalen auf dem Podest bei einem Weltcup-Rennen hat es jedenfalls bisher noch nicht gegeben.

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