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Snowboard : Amelie Kober in der Parallelwelt der Snowboarder

Amelie Kober bei ihrem Ritt zu Silber bei Olympia in Turin Bild: dpa

Die Hymnen auf die „fabelhafte Amelie“, die bei Olympia 2006 die Silbermedaille gewann, sind verklungen. Das liegt auch daran, dass Amelie Kobers Disziplin, das Alpinboarden, in der Szene wenig beachtet wird. Bei der WM will sie wieder Aufmerksamkeit erregen.

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          Innerhalb eines einzigen Tages von der unbekannten Nachwuchssportlerin zur landesweit gefeierten Athletin - manchmal geht es wirklich schnell voran mit Sportlerkarrieren. Als Durchlauferhitzer dient Olympia, und so ist es im vergangenen Jahr auch Amelie Kober ergangen. Die Achtzehnjährige aus Fischbachau in Oberbayern gewann bei den Spielen in Turin als Außenseiterin die Silbermedaille im Parallel-Riesenslalom. Während die etablierte Medienwelt vom Snowboarden sonst kaum Notiz nimmt, überschlugen sich Berichterstatter nun mit Hymnen über die fabelhafte Amelie.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die Gelobte entwickelte darüber offensichtlich Starallüren, was freilich nicht verwundert. Betrachtet man die lange Liste von Ehrungen und Jubelarien, welche die angehende Polizistin erfahren hat, könnte man in der Tat meinen, sie sei einer der Stars der Snowboardszene. Sie bekam mit großem Pomp den Sportpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, die Stiftung Deutsche Sporthilfe wählte sie zur Juniorsportlerin des Jahres, und bei jeder Ehrung wurde tief in die Kiste mit den feierlichen Formulierungen gegriffen.

          „Die Zukunft des Snowboardens“

          Timm Stade etwa, der Sportdirektor des Deutschen Snowboardverbandes, fand „ihre Willensstärke, ihr Herzblut und ihre gefestigte Persönlichkeit“ nicht weniger als „einzigartig für ihr Alter“. Die Schweizerin Daniela Meuli, die in Turin Gold im Parallel-Riesenslalom gewonnen hatte, nannte die Deutsche gar „die Zukunft des Snowboardsports“ - was zu bezweifeln ist, denn die alpinen Disziplinen (Parallel-Slalom und Parallel-Riesenslalom), in denen die Deutsche antritt, haben mit der Zukunft des Snowboardsports so viel zu tun wie die Skigymnastik des Bayern-Fernsehens, in der Amelie Kober auftritt, mit der Zukunft der allgemeinen Trainingslehre.

          Sonniges Gemüt: Die „fabelhafte Amelie” samt Arbeitsgerät

          Aber auch solche Sätze wie jener von Daniela Meuli dürften dazu beigetragen haben, dass Amelie Kober entsprechende Forderungen stellt, was auch Timm Stade zu spüren bekam, als die Gepriesene eine Pressekonferenz des Verbandes, die zur Einstimmung auf die WM-Saison dienen sollte, nutzte, um schweres Geschütz aufzufahren - gegen den Verband. Ihr fehle in dieser Saison „ein wenig der Rückhalt“, ließ Amelie Kober wissen, auch die Ablösung von Trainer Uwe Beier durch Bernd Krug mochte ihr nicht gefallen, zudem sei sie mit den Trainingsbedingungen nicht zufrieden.

          Alpinboarden - nicht mehr zeitgemäß?

          „Einfach unfair“ finde sie es, „dass die Freestyler einfach mal zum Training nach Neuseeland fahren und wir nicht“. Stade verwies auf „begrenzte Budgets“ und gab der Hoffnung Ausdruck, man könne durch Gespräche wieder für mehr Zufriedenheit bei der Silbermedaillengewinnerin sorgen. Inwieweit dies unterdessen geschehen ist, bleibt ungeklärt. Amelie Kober möchte sich zur Thematik nicht mehr öffentlich äußern, nur so viel: Die Sache sei erledigt, der Verband habe sich die Kritik „zu Herzen genommen“. Auf die Frage, wie sie denn zum Alpinboarden gekommen sei und wie sie zu der Freestyle-Variante stehe, antwortet Amelie Kober gern, dass man von einem Skifahrer ja auch nicht wissen wolle, warum er kein Fußballer geworden sei.

          Immerhin scheint auch sie die grundsätzliche Verschiedenheit zwischen beiden Snowboardwelten anzuerkennen, von denen die eine, das Alpinboarden, seine Bedeutung allein der Tatsche verdankt, dass es zum olympischen Programm gehört. Die andere, die Snowboard-Welt der Freestyler, die von erfolgreichen, gutbesuchten Veranstaltungen wie dem Air&Style in München, der European Open in Laax oder der O'Neill Evolution in Davos repräsentiert wird, ist hingegen die populärere Form des Snowboardens.

          Nur alle vier Jahre auf der wirklich großen Bühne

          Dort sieht man kaum noch Alpinbretter, die meisten großen Firmen haben deren Produktion längst eingestellt. Nur der Skiverband und die Olympier halten das Befahren von mit Stangen ausgeflaggten Kursen noch für eine zeitgemäße Wettkampfart des Snowboardens. Weil dies sonst niemand tut, nimmt in den Olympiaden zwischen den Spielen auch niemand groß Notiz von den alpinen Snowboard-Rennen des Ski-Weltverbandes (FIS).

          Für Fahrerinnen wie Amelie Kober bedeutet dies, dass sie nur alle vier Jahre auf eine wirklich große Bühne hoffen können und dazwischen noch auf eine kleinere bei den alle zwei Jahre ausgerichteten Weltmeisterschaften. Deshalb ist die FIS-WM in dieser Woche in Arosa für sie, aber auch für den Verband, für den es um staatliche Fördermittel geht, ein überaus wichtiger Termin. Auch die WM ist ein Durchlauferhitzer - verglichen mit Olympia allerdings nur ein ganz kleiner.

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