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Alpine Ski-WM : „Auf alle Fälle Silber“

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Da ist das Silberstück: Viktoria Rebensburg freut sich auch über Platz zwei im weltmeisterlichen Riesenslalom. Bild: dpa

Viktoria Rebensburg holt im Riesenslalom die erlösende Medaille bei der alpinen Ski-WM. Zunächst fällt die Freude aber zaghaft aus. Denn bis Sekunden vor dem Ziel sah es nach Gold aus.

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          Der Blick auf die Anzeigentafel brachte Ernüchterung, dabei stand zum ersten Mal bei diesen Ski-Weltmeisterschaften eine deutsche Athletin auf dem Siegerpodest, aber eben nicht da, wo Viktoria Rebensburg erhofft hatte zu landen: ganz oben. Der zweite Platz im Riesenslalom am Donnerstag hinter der Slowakin Petra Vlhová löste bei ihr erstmal keine überschwängliche Freude aus, nicht einmal kontrollierte.

          Sie brauchte ein paar Minuten, ehe der Ärger halbwegs verflog und realisierte, dass Silber, die erste Medaille bei einem Großereignis seit 2015, gar nicht so schlecht ist. „Grundsätzlich bin natürlich sehr happy. Ich brauche immer ein bisschen Zeit, um das einordnen zu können“, bekannte sie. Später, nach der Siegerehrung, war sie damit schon ein Stück weiter: „Ich habe auf alle Fälle Silber gewonnen“ – und nicht Gold verloren.

          Angesichts des unglücklichen Starts in diese WM mit Platz vier im Super-G war dies vielleicht kein perfekter Abschluss, aber ein sehr versöhnlicher. Beim Auftakt der Titelkämpfe in Schweden hatten Viktoria Rebensburg nur sieben Hundertstelsekunden zu Gold gefehlt, dieses Mal waren es doppelt so viele. Bronze ging an diesem stürmischen Abend bei sehr schwierigen Bedingungen an die eigentliche Topfavoritin, Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin aus den Vereinigten Staaten.

          Viktoria Rebensburgs Reaktion war der Ausgangsposition geschuldet. Nachmittags im ersten Durchgang hatte sie einen fast perfekten Lauf erwischt. Nur die letzte Kuppe sei „nicht ganz optimal“ gewesen, meinte sie, „aber auch nicht ganz schlecht“ – und vor allem besser als die meisten Konkurrentinnen.

          Die zweimalige Saisonsiegerin Petra Vlhová war bei der letzten Zwischenzeit noch 0,38 Sekunden schneller gewesen als die Deutsche, kam aber an der letzten Kuppe weit von der Ideallinie ab und hatte im Ziel 0,19 Sekunden Rückstand. Trotzdem war die Slowakin Rebensburg noch am nächsten gekommen. Shiffrin war ebenso wie die Norwegerin Ragnhild Mowinckel im oberen Abschnitt zu langsam, dafür bewältigten beide die Klippe kurz vor dem Ziel ohne größere Probleme. Sie habe schon beim Fahren das Gefühl gehabt, sagte Rebensburg, „dass ich einen guten Zug drauf habe und ich die Schwünge ganz gut getroffen habe“.

          Mit Biss zu Tale: Viktoria Rebensburg

          Auch im zweiten Durchgang, bei dem sie als Führende als Letzte der besten 30 startete, lief es glänzend. Sie vergrößerte ihren Vorsprung vor Vlhová stetig und lag bei der letzten Zwischenzeit 0,40 Sekunden voraus, die Goldmedaille schien mehr als zum Greifen nahe. Aber dann kam diese Welle, „die war nicht so gut für mich“. Was sie zuvor so glänzend gemacht hatte, klappte auf den letzten 18 Fahrsekunden nicht mehr besonders, es fehlte jene Aggressivität, mit der zuvor Vlhova über diesen Zielhang gekommen war. „Aber ich möchte mich gar nicht länger damit aufhalten, was da unten passiert ist“, sagte die 29-Jährige vom SC Kreuth.

          Auch Wolfgang Maier war zunächst hin- und hergerissen. „Ich bin nicht unglücklich darüber“, sagte der Alpinchef. Aber er haderte wie seine Athletin auch ein wenig mit diesem verpassten Titel: „Wenn man sieht, wie souverän sie bis zu den letzten fünf Toren gefahren ist, wenn man überlegt, was möglich gewesen wäre.“

          Die Beste mit höchsten Risiko: Petra Vlhová

          Für die deutsche Mannschaft bedeutet diese ersehnte erste Medaille immerhin eine Erlösung. „Jetzt müssen wir diesem Edelmetall nicht mehr hinterherfahren“, sagte Maier. Der Erfolg taugt nicht nur als Stimmungsaufheller, sondern könnte auch für die restlichen Wettbewerbe einen Schub geben. „Jeder muss zwar für sich fahren“, findet der Alpinchef, aber es sei sicher ein psychologischer Vorteil zu wissen, „wir können vorne mitfahren und nur Vierter und Fünfter werden“.

          Anders als in der vergangenen Saison bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gehörte Rebensburg in Are nicht zu den, wie sie selbst wusste, „allergrößten Favoritinnen“. Nur zweimal war sie in diesem Winter bisher auf dem Podest gestanden, es fehlte ihr bisher die Leichtigkeit der Vorsaison, als sie die kleine Kristallkugel in dieser Disziplin gewonnen hatte. „Fakt ist, dass ich definitiv mit einem extrem schönen und guten Gefühl nach Hause fliegen kann.“ Davor aber „werde ich doch mal ein Bier trinken“, sagte Viktoria Rebensburg. Mit dem Lächeln einer Silbermedaillen-Gewinnerin.

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