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Lindsey Vonns großes Finale : Die lachende Dritte

Die Besten vereint: Lindsey Vonn mit Ingemar Stenmark Bild: EPA

Während Ilka Stuhec ihren Titel verteidigt und die Deutschen keine Rolle spielen, trumpft Lindsey Vonn zum Abschluss noch einmal mit Bronze auf. Im Ziel wartet ihr größter Skiheld.

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          „Ich wollte unbedingt zu Ingemar“, sagte Lindsey Vonn lachend über ihren inneren Antrieb, es bei dieser Abfahrt möglichst schnell ins Ziel zu schaffen. Denn dort stand der große Schwede Ingemar Stenmark mit Blumen parat, der erfolgreichste Skiläufer der Weltcup-Geschichte, dessen 86 Weltcupsiege auch nicht von Lindsey Vonn (82) übertroffen werden konnten. Die Inszenierung hätte nicht schöner sein können.

          Und Lindsey Vonn zeigte bei der letzten Schussfahrt ihrer ruhmreichen Karriere im schwedischen Are noch einmal ihr ganzes Können. Die Amerikanerin meisterte die stark verkürzte Sprintabfahrt bei der alpinen Ski-WM, deren Laufzeit kaum über eine Minute hinaus reichte, ohne größere Probleme auf einer zielführenden Linie und gewann die Bronzemedaille. „Es ist Wahnsinn. Es war der perfekte Schluss“, sagte sie glückstrahlend der ARD.

          Unerreicht blieb an diesem Sonntag nur Ilka Stuhec, die mit Nummer 9 kam und in einer Zeit von 1:01,74 Minuten ihren Titel von 2017 verteidigte. Auch sie verkörpert eine bemerkenswerte Comeback-Story, denn Stuhec hatte die dazwischen liegende Olympiasaison wegen eines Kreuzbandrisses komplett verpasst. Die Slowenin ist zudem die erste Skiläuferin seit der Schweizerin Maria Walliser vor dreißig Jahren, die einen WM-Titel in der Abfahrt verteidigen konnte. Rang zwei in Are ging mit einem Rückstand von 0,23 Sekunden an Corinne Suter (Schweiz), die nach Bronze im Super-G ihre zweite WM-Medaille binnen weniger Tage gewann. Und dann tauchte auch schon Lindsey Vonn als Drittbeste (+0,49) im Tableau auf.

          Das Rennen hatte die Amerikanerin als dritte Läuferin aufgenommen, „mit viel Herz und viel Risiko“ war sie die 1670 Meter lange, wegen starken Windes im oberen Teil massiv verkürzte Piste hinab gerauscht und in einer Zeit von 1:02,23 Minuten zunächst in Führung gegangen. Da saß sie dann auf dem Thron der Zwischenbesten, wartete ab, was die nachfolgenden Fahrerinnen zuwege brachten und nahm auch schon mal die Glückwünsche und Gratulationen der Geschlagenen entgegen.

          Viktoria Rebensburg, die als Erste starten musste und am Ende Elfte (+0,82) wurde, huldigte der nach diesem Rennen abgetretenen Ski-Königin mit einem symbolischen Kniefall. „Es war cool, die letzten Tage mit ihr zu verbringen“, sagte die Deutsche, die der Amerikanerin auch herzlich zu deren letztem Erfolg gratulierte: „es war ein schöner Moment.“

          Nur wenige Sekundenbruchteile unterschieden an diesem Tag zwischen Wohl und Wehe. Wer nur eine halbe Sekunden länger brauchte als Lindsey Vonn kam nicht mal unter die besten zwölf. So blieb für die österreichische Favoritin Stephanie Venier, der im Ziel ganze vier Hunderstel fehlten, um die letzte große Lindsey-Vonn-Geschichte zu verderben, nur der undankbare vierte Rang. Keine Rolle spielten die deutschen Läuferinnen: hinter Rebensburg reihten sich Michael Wenig (+0.90) und Kira Weidle (+0,94) einträchtig auf den Plätzen zwölf und 13 ein.

          Lindsey Vonn gab schon vor der WM bekannt, dass sie nach der Abfahrt in Are ihre große Karriere beenden werde. Die körperlichen Beschwerden waren ihr nach 18 Jahren im Ski-Weltcup einfach zu stark geworden. In der laufenden Saison hatte sie ganze drei Rennen bestreiten können, und nach den mäßigen Resultaten in Cortina d'Ampezzo entschieden, dass es keinen Sinn mehr machen würde, weiter zu fahren.

          Nicht alle waren traurig über den angekündigten Abschied der „Drama-Queen“, die im Laufe ihrer Karriere so manches Mal die Inszenierung übertrieben hatte. Auch in Are sorgte die blonde Amerikanerin, die neben ihrem unbestrittenen sportlichen Können auch stets mit dramatischen Einlagen von sich reden machte, für eine Schrecksekunde, als sie im Super-G spektakulär stürzte und in die Fangzäune rauschte. Diesmal war sie aber mit einem blauen Auge davon gekommen, sie konnte die Abfahrt ohne weitere Beeinträchtigung angehen. „Ich bin cool geblieben und Vollgas gefahren wie immer“, sagte sie später in der ARD.

          Zwölf Jahre nach ihren ersten beiden WM-Medaillen, als sie ebenfalls in Are Silber in Abfahrt und Super-G gewonnen hatte, avancierte sie nun im Alter von 34 Jahren und 115 Tagen zur ältesten Medaillengewinnerin der WM-Geschichte. Insgesamt holte sie achtmal Edelmetall bei einer Ski-WM. Zudem gewann sie drei Olympiamedaillen, darunter als Krönung die Goldene 2010 in der Abfahrt von Vancouver.

          Lindsey Vonn, Medaillensammlerin von 2007 bis 2019 Bilderstrecke

          Mit ihren letzten Triumph spiegelte Lindsey Vonn auch den späten Erfolg ihres Weggefährten Aksel Lund Svindal, der ebenfalls seine Karriere beendete. Der Norweger hatte am Tag zuvor hinter seinem Freund und Teamkollegen Kjetil Jansrud noch einmal Abfahrts-Silber geholt und den Doppelsieg mit einem rauschenden Fest angemessen begangen. Auch der kommende Abend in Are dürfte lang und lustig werden, Lindsey Vonn kündigte auf jeden Fall fröhlich an: „Jetzt ist Zeit zum Feiern.“

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