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Auftakt der Ski-WM : Rebensburgs folgenschwerer Umweg

  • -Aktualisiert am

Haderte mit einem Fehler kurz vor dem Ende: Viktoria Rebensburg Bild: EPA

Viktoria Rebensburg muss sich beim Auftakt der Ski-WM mit Platz vier im Super-G begnügen: „Das tut weh.“ Siegerin Nicole Schmidhofer sitzt verdutzt im Schnee.

          3 Min.

          Es lief perfekt. Vom Start weg passte alles. Viktoria Rebensburg war schnell im langen Flachstück, traf die Kurven im technisch anspruchsvollen Teil der Super-G-Strecke auf der Corviglia glänzend. Sie war Schnellste bei der zweiten Zwischenzeit, und bei der dritten kam sie der bis dahin Führenden Nicole Schmidhofer aus Österreich so nahe wie keine andere Athletin an diesem Tag. Nur noch zwei Sprünge und ein paar Kurven war die Deutsche von einem perfekten Auftakt in die alpine Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz entfernt. Unten im Ziel blickte Nicole Schmidhofer auf die Leinwand. Die Deutsche, das ahnte sie, könnte ihr die Goldmedaille noch wegschnappen.

          Erst recht bangte Lara Gut, die Drittplazierte aus der Schweiz, die mit Bronze wenigstens noch die Mindesterwartungen des Gastgebers erfüllen würde. Aber vor dem letzten Sprung stimmte plötzlich das Timing nicht mehr, „da bin ich von der Linie sehr weit weggekommen“, sagte Viktoria Rebenburg. Nach dem Umweg wurden aus dem minimalen Rückstand von zehn Hundertstelsekunden bis ins Ziel noch 0,53 Sekunden – und statt einer Medaille sprang für Viktoria Rebensburg nur der vierte Platz heraus. „Klar, das tut weh“, sagte die deutsche Skirennfahrerin.

          Für die 27 Jahre alte Kreutherin war es im Engadin wie so oft in dieser Saison: Schon ein paarmal hatte sie im Weltcup in den vergangenen Wochen knapp das Podest verpasst, und doch fühlte es sich am Dienstag anders an. Einerseits war sie natürlich enttäuschter als zuletzt in Weltcup, „denn bei einer WM zählen halt nur Medaillen“. Aber andererseits bestätigten sich Viktoria Rebensburgs positive Eindrücke aus den vergangenen Trainingstagen.

          Endlich das richtige Gefühl im Körper

          Es sei ihr gelungen, „jeden Schwung ans Limit zu gehen und das Letzte herauszuquetschen“, zum ersten Mal in dieser Saison nach ihrer Verletzung im vergangenen Herbst. Bei den Rennen in Cortina d’Ampezzo und Garmisch-Partenkirchen hatte sie noch bei manchen Stellen das Gefühl gehabt, „es wäre mehr drin gewesen“. Immerhin ist es Viktoria Rebensburgs bestes Saisonresultat im Super-G, sie gehörte nicht zu den Favoriten am Dienstag - anders als Lara Gut, die drei der vier Saisonrennen in dieser Disziplin gewonnen hatte. Entsprechend süffisant kommentierte sie ihr Abschneiden als Dritte des Tages. „Sicher cool und so. Es ist eine Medaille und sicher besser als der vierte Platz.“

          Nicole Schmidhofer: Die Österreicherin war die Schnellste beim Super G. Bilderstrecke

          Wie schon vor der WM vor zwei Jahren in Vail und den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 scheint Viktoria Rebensburg auch dieses Mal wieder rechtzeitig zum Großereignis ihre Schwierigkeiten in den Griff bekommen zu haben. Vielleicht ist dieser Auftakt sogar ein gutes Omen. Auch in Vail lief es in den ersten Wettkämpfen nicht wie erwartet mit den Plätzen fünf im Super-G und zehn in der Abfahrt, aber sie schaffte in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom als Zweite einen erfolgreichen Abschluss. „Eine musste hier ja Vierte werden, das war heute ich, aber in den nächsten Wochen werde ich es sicher nicht mehr sein“, sagte Viktoria Rebensburg, ehe sie sich runter nach St. Moritz zur offiziellen Siegerehrung aufmachte.

          Das beste Beispiel dafür, dass sich nach einer Pechsträhne oft auch wieder das Glück einstellt, sind die beiden Erstplazierten des WM-Auftakts. Die Silbermedaillengewinnerin Tina Weirather war bisher bei Großereignissen leer ausgegangen, mal war sie verletzt, mal verpasste sie eine Medaille um ein paar Hundertstelsekunden, mal „war ich selbst schuld“. Bei ihren fünften Weltmeisterschaften klappte es endlich, an jenem Ort, an dem ihre Mutter Hanni Wenzel 1974 Slalom-Gold geholt hatte.

          Für Schmidhofer war es der erste Weltcupsieg

          Die Überraschungssiegerin Nicole Schmidhofer galt jahrelang als größter Pechvogel in der Mannschaft des Österreichischen Skiverbandes. Nachdem sich die zweifache Junioren-Weltmeisterin von 2007 im Weltcup etabliert hatte, verletzte sie sich zweimal nacheinander schwer. Sie flog aus dem ÖSV-Kader, kämpfte sich zurück, verpasste in Vail im Super-G als Vierte eine Medaille und musste den nächsten Rückschlag hinnehmen.

          In Cortina vor einem Jahr riss das Kreuzband – und nun stand Nicole Schmidhofer zum ersten Mal in ihrer Karriere ganz oben auf dem Podest. Aber auch der Weg dorthin lief nicht ohne Zwischenfall für die 27 Jahre alte Steirerin ab. Als sie nach ihrer Bestzeit den für die Führende reservierten Platz vor der Sponsorenwand einnehmen wollte, „hat’s mich auf die Pappn gehauen“, erzählte sie in feinstem österreichischen Dialekt. Sie ist ausgerutscht und saß erst einmal verdutzt im Schnee, statt strahlend in der Leaders Box zu stehen. „Ich bin nie verlegen um einen Spruch, aber heute ist es schwer“, sagte Nicole Schmidhofer, als sie sich wieder aufgerappelt hatte. „Es ist unglaublich, dass es ausgerechnet bei einer WM für ganz vorne reicht.“

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