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Slalom-Bronze für Neureuther : „Schöner kann es nicht enden“

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Felix Neureuther riskiert im Slalom alles und wird dafür belohnt. Doch seine Bronzemedaille täuscht über die Bilanz der deutschen Alpin-Spezialisten kaum hinweg – auch der Sportdirektor gesteht Handlungsbedarf ein.

          Es schien, als sei diese Medaille für alle. So viele Menschen freuten sich mit dem Bronzemedaillengewinner beim WM-Slalom von St. Moritz, dass es auch die Hauptfigur völlig überwältigte: Felix Neureuther musste sich erst mal sammeln, zu Tränen gerührt, ehe er für erste Interviews bereit stand. Und stellte sogleich klar, wem alleine er seinen Erfolg widmete: Seiner Freundin. „Die Medaille ist für Miri“, sagte er in der ARD. „Sie hat viel durchgemacht. Ihr geht‘s nicht gut.“ Er dagegen wusste am Sonntagnachmittag gar nicht wohin mit seinen positiven Gefühlen.

          Mit einem fulminanten zweiten Lauf war der 32-Jährige in seinem möglicherweise letzten WM-Rennen noch vom zehnten Rang nach dem ersten Durchgang auf den dritten Platz nach vorne gefahren. Nur der österreichische Super-Skifahrer Marcel Hirscher, der in 1:34,75 Minuten sein zweites WM-Gold in St. Moritz gewann, und dessen Landsmann Manuel Feller, der mit 0,68 Sekunden Rückstand die Rolle des Überraschungsmanns einnahm, landeten noch vor dem Deutschen auf dem Siegerpodest. Mit dem Doppelsieg überholte das rot-weiß-rote Team sogar doch noch die Schweiz als erfolgreichste Ski-Nation dieser WM. Dagegen verhinderte Neureuther, der 0,93 Sekunden länger als Hirscher brauchte, in letzter Sekunde eine medaillenlose WM für die deutschen Alpinen.

          Felix Neureuther

          Für den glücklichen Felix war es sein drittes Edelmetall in einem WM-Slalom in Serie nach Silber in Schladming und Bronze in Vail. Und das nach durchaus schwierigen Tagen im Engadin. „Es hätte alles nicht schlimmer laufen können“, meinte er im Rückblick. Und fand in dem Moment, in dem er doch noch zum guten Ende gebracht hatte, das Universal-Wort des Erstaunens: „Wahnsinn.“ Andere waren im Moment des Erfolgs eloquenter: „Es gibt keinen Sportler, der annähernd dieses Vermögen hat wie Felix“, lobte der deutsche Sportdirektor Wolfgang Maier seinen Vorzeige-Fahrer. Und meinte damit nicht nur das unbestrittene skifahrerische Können.

          „Der Felix kommt und wird von den Leuten geliebt, selbst in der Schweiz. Er überstrahlt alle anderen um Längen.“ Dabei war es auch am Sonntag nicht optimal für ihn gelaufen. Diesmal fehlte der Grip. Als Neureuther mit Startnummer zwei ins Rennen startete, präsentierte sich die Piste noch „glasig“, wie er sagte. Es habe sich angefühlt, „wie Skifahren auf einer Glasplatte“. Die nachfolgenden Fahrer konnten dann schon auf einen rauheren Untergrund vertrauen und entsprechend „mehr pushen“. Angesichts dieser Bedingungen habe er aus der Situation noch das Beste gemacht. Platz zehn nach dem ersten Durchgang, zwar eine dreiviertel Sekunde hinter dem führenden Hirscher, aber nur drei Zehntelsekunden von den Medaillen entfernt.

          Mal wieder der Beste: Marcel Hirscher gewinnt nach dem Riesenslalom auch den Slalom

          13 Fahrer lagen binnen einer halben Sekunde im Kampf um Silber und Bronze. „Ich habe gewusst, ich muss alles riskieren“, erklärte Neureuther seine Ausgangslage. Während andere sich verbremsten oder überzogen, zeigte er eine hoch konzentrierte, annähernd perfekte Vorstellung und hatte das glückliche Ende für sich: um elf Hundertstelsekunden verwies er den norwegischen Favoriten Henrik Kristoffersen auf Rang vier.

          Neureuthers Traumlauf hübschte auch das Gesamtbild dieser Meisterschaften für den deutschen Skiverband enorm auf. Maier hatte zuvor schon „eine gewisse Bitternis“ konstatiert und redete nicht drum herum: „Wir haben unsere Ziele verfehlt.“ Dass die angestrebten drei Medaillen von vornherein unrealistisch gewesen seien, wollte er so nicht sehen: „Wir machen keine Wendehalspolitik. Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe.“ Andererseits musste der 56-Jährige anerkennen: „Wir haben halt nur wenige Podestfahrer.“ Genau genommen sind es genau zwei. Neben Neureuther noch Viktoria Rebensburg. Deren verpasste Medaille gleich zum Auftakt im Super-G schmerzte am meisten, so Maier. „Da lag das Edelmetall bis kurz vor dem Ziel auf dem Silbertablett.“

          Medaille Nummer zwei, die zwar nicht fest eingeplant, aber doch angestrebt war, verfehlten die deutschen Alpinen im Teamwettbewerb. Im Duell gegen die Slowakei kassierten sie schon in der ersten Runde des Parallelslaloms den Knock-Out. Dabei hatte sich Neureuther auch noch Rückenschmerzen zugezogen, die ihm zumindest im Riesenslalom noch zu einer allzu passiven Vorstellung verleitete. Insgesamt gab Maier seinem Team, bei dem die Abfahrer um Andreas Sander positive Ansätze zeigten, und die jungen Slalom-Fahrerinnen wie Marina Wallner und Jessica Hilzinger immerhin WM-Atmosphäre schnuppern konnten, die Schulnote 4. Nicht geglänzt, aber versetzt in den nächsten Winter. Nach Neureuthers finalem Coup verbesserte Meier die Team-Zensur auf 3,5. Dennoch kündigte der Sportdirektor an: „Wir müssen Dinge verändern.“ Nur was, „das sage ich mit Sicherheit nicht hier“.

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