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Biathletin Kuzmina : Alle vier Jahre plötzlich in Hochform

  • -Aktualisiert am

Treffsicher und schnell: Anastasia Kuzmina gewinnt in Oberhof Bild: dpa

Die Slowakin Anastasia Kuzmina rennt in Oberhof allen davon – auch Laura Dahlmeier kann nach zwei Schießfehlern nicht mithalten. Die deutsche Top-Biathletin fühlt sich aber immerhin wieder „hundertprozentig gesund“.

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          Immerhin, der berüchtigte Nebel ist erst kurz nach dem Wettkampf ins Stadion am Grenzadler gezogen und hat den Schießstand den Blicken entzogen. Aber da waren alle Skijägerinnen schon im Ziel. Ansonsten war es beim ersten Biathlon-Weltcup des Jahres 2018 wie fast immer auf den Höhen des Thüringer Waldes. Tief hängende Wolken, nasser Schnee und munter tanzende Windfähnchen in den 30 Schießbahnen. Typisch Oberhof eben. Und da kann man noch so sehr versuchen, sich auf diese bekannt schwierigen Bedingungen einzustellen: Wenn man nicht in jedem Moment hellwach ist, landet schnell mal ein Projektil neben der Scheibe.

          Selbst eine absolute Weltklasseathletin wie die siebenmalige Weltmeisterin Laura Dahlmeier ist dagegen nicht gefeit. Am Donnerstag leistete sich die 24 Jahre alte Bayerin aus dem Werdenfelser Land vor 10.600 Zuschauern zwei Fehler. Damit war sie auf Rang 13 nur drittbeste Deutsche im 7,5-Kilometer-Sprint. Franziska Hildebrand hatte als Vierte das Podest zwar in Sichtweite, kam aber sieben Sekunden zu spät gegenüber der Tschechin Veronika Vitkova, die wiederum knapp fünf Sekunden hinter Kaisa Mäkäräinen aus Finnland lag.

          Ganz vorne, läuferisch quasi in einer eigenen Liga, zog Anastasia Kuzmina ihre Kreise. 35 Sekunden schneller als eine Super-Läuferin wie Kaisa Mäkäräinen. Da zog mancher verwundert die Augenbrauen in die Höhe. Auch die Finnin zeigte sich beeindruckt. Denn immer in der Olympiasaison ist ihre slowakische Kollegin mit russischen Wurzeln in herausragender Form. „Sie war in Vancouver gut, sie war in Sotschi gut. Ich weiß nicht, wie sie das macht“, sagte Kaisa Mäkäräinen, „aber in der Form ist sie schwer zu schlagen.“

          Dahlmeier „hundertprozentig gesund“

          Auch von Laura Dahlmeier. Zumal die in dieser Saison schon zum zweiten Mal von einem Infekt gebremst wurde. Die Biathlon-Show auf Schalke musste die fünfmalige Weltmeisterin von Hochfilzen deswegen sausen lassen, und auch ihr Start beim Weltcup in Oberhof war lange fraglich. Aber am Donnerstag gab sie dann selbst Entwarnung. „Ich glaube, ich bin wieder hundertprozentig gesund“, sagte sie. Und das ist die wichtigste Nachricht. Denn natürlich lasten alle Hoffnungen in Pyeongchang auf der Partenkirchenerin, die wegen ihrer Erfolge überall gefragt ist.

          Ein bisschen anfällig: Laura Dahlmeier ist wieder gesund
          Ein bisschen anfällig: Laura Dahlmeier ist wieder gesund : Bild: dpa

          Und der Abstecher zuletzt vom Weltcup in Le Grand Bornand nach Baden-Baden, wo Laura Dahlmeier als Sportlerin des Jahres geehrt wurde, „verlief auch nicht ganz so ruhig wie geplant. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich daheim wieder im Bett war. Ich will die Erkältung aber nicht darauf schieben“, sagte sie und schob hinterher: „Als Hochleistungssportler ist man generell schon ein bisschen anfällig.“

          Weswegen sie auch ganz schnell ins Trockene flüchtete, um dem Schneeregen zu entgehen. Aber im Grunde war sie ganz zufrieden mit sich. „Auf der Strecke war es richtig schwer zu laufen, und die Bedingungen am Schießstand waren eben typisch Oberhof. Aber das passt schon.“ Keine Tränen, keine Enttäuschung, kein Gedanke wieder heimzufahren – so wie im Dezember, als sie nach Platz 16 bei ihrem krankheitsbedingt und verspäteten Saisoneinstieg in Hochfilzen nahezu untröstlich war. In Le Grand Bornand hat sie danach mit den Plätzen eins und zwei dann alle Selbstzweifel hinter sich gelassen. Selbst eine Weltklasseathletin braucht eben Zeit und vor allem Geduld.

          Was soll da erst Franziska Preuss sagen? Die 23 Jahre alte Bayerin stand einst auf einer Stufe mit Laura Dahlmeier. Aber sie ist so etwas wie der Pechvogel im deutschen Team. Immer wieder von Verletzungen und Krankheiten gebeutelt und weit zurück geworfen. Und in dieser Saison, da sie wieder im Weltcup-Kader dabei ist, kam sie nie so recht in Tritt. Sie war die einzige, die der Olympianorm hinterher lief, und da war für sie Platz zwölf am Donnerstag in Oberhof so etwas wie ein erster Volltreffer, auch wenn die Norm erst zur Hälfte erfüllt ist. Aber die Erleichterung war ihr anzusehen: „Ich bin mega-zufrieden. Es war echt wichtig für meinen Kopf, dass mal was Positives gekommen ist.“

          Sie habe schon im Training über Weihnachten gemerkt, „dass es läuferisch leichter geht“. Für die Bayerin aus Albaching ist es ganz wichtig, dass das Körpergefühl stimmt. „Ich weiß aus der Vergangenheit, wie sich ein topfitter Körper anfühlt“, sagt sie: „Und langsam kommt dieses Gefühl zurück.“

          Das hört auch Bundestrainer Gerald Hönig gerne. „Es freut mich, dass sie endlich mal wieder ein richtig gutes Rennen zeigen konnte. Das ist gut für das Selbstvertrauen.“ Auch Franziska Hildebrand bekam ein Extralob, „weil es bei ihr läuferisch wieder aufwärtsgeht“. Dass die gesammelten deutschen Bemühungen nicht für einen Platz auf dem Podium gereicht haben – auch das ist typisch Oberhof. Seit fünf Jahren hat keine deutsche Skijägerin mehr am Grenzadler gewonnen.

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