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Aljona Savchenko : Gefangene des Jailhouse Rock - wenigstens bis April

  • -Aktualisiert am

Erster gemeinsamer Auftritt: Bruno Massot und Aljona Savchenko Bild: dpa

Aljona Savchenko tritt das erste Mal mit ihrem neuen Partner an. Warmer Applaus und ein bisschen Jubel sind der Lohn für einen Kurzauftritt. Doch die sportliche Zukunft bleibt ungewiss.

          3 Min.

          Gerockt haben sie die Stuttgarter „Eiswelt“ nicht. Dafür war das schwäbische Publikum auf der Waldau zu reserviert. Und doch hat Aljona Savchenko ihren ersten öffentlichen Auftritt an der Seite ihres neuen französischen Partners Bruno Massot genossen. Warmer Applaus und ein bisschen Jubel waren am Samstagabend der Lohn für einen Kurzauftritt außer Konkurrenz bei der vorgezogenen deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaft 2015.

          Das Kurzprogramm, mit dem sich Savchenko/Massot seit drei Wochen auf ihre Premiere eingestimmt hatten, war ein Signal für die neue Zeit, in die die dreißig Jahre alte ehemalige Prinzipalin ihres Sports mit ihrem fünf Jahre jüngeren Weggefährten aus der Normandie aufgebrochen ist. Das Paar ließ sich musikalisch von Elvis Presley und dessen Rock-’n’-Roll-Klassiker „Jailhouse Rock“ beflügeln. Einen schwungvolleren Anlauf, auf neuen, jugendlich anmutenden Wegen an alte Triumphe anzuknüpfen, hätte Aljona Savchenko nicht wählen können.

          Als die erste, knapp dreiminütige Präsentation des Paares vorbei war, Savchenko ihre Führungsaufgabe bewältigt und Massot seine Nervosität besiegt hatte, sagte die fünfmalige Weltmeisterin und viermalige Europameisterin: „Wir haben gekämpft und sind im Training schon besser gelaufen. Ich habe versucht, ihm den großen Druck wegzunehmen. Trotzdem haben wir das gut gemacht.“ Unter Anspannung stand aber auch die gebürtige Ukrainerin, die ihr ganzes Leben komplett neu eingerichtet hat.

          Nach der WM 2014, die sie noch einmal gewann, beendete ihr Partner Robin Szolkowy seine Laufbahn wie geplant. Die ehrgeizige Läuferin, die es noch einmal aller Welt zeigen will, trennte sich danach von ihrem ähnlich verbissenen Erfolgstrainer Ingo Steuer, der zurzeit in Florida neue Paare heranbildet. Während Szolkowy in der Moskauer Schule der russischen Startrainerin Nina Mozer erste Erfahrungen auf dem Weg zu einem Spitzencoach sammelt, blieb Aljona Savchenko in Deutschland, wo sie von Chemnitz nach Oberstdorf umzog. Dort arbeitet sie mit Massot und ihrem neuen Trainer Alexander König auf den Tag X hin, da sie wieder bei Wettbewerben und Schaulaufen starten darf.

          In Stuttgart traten die beiden zunächst außer Konkurrenz an
          In Stuttgart traten die beiden zunächst außer Konkurrenz an : Bild: dpa

          Am 31. März 2015 läuft die einjährige Sperre der Internationalen Eislauf-Union (ISU) für das Paar aus. Da der französische Verband bisher nicht bereit war, sich mit der Deutschen Eislauf-Union (DEU) zu arrangieren und sogar mit einer Verlängerung von Massots Sperre drohte, wird vermutlich die ISU ein Machtwort sprechen müssen, ob Savchenko und Massot, der im September erklärt hat, künftig für Deutschland starten zu wollen, die Paarlaufszene demnächst bereichern dürfen. „Die Zeit spricht für uns“, hat Elke Treitz, die DEU-Vizepräsidentin, in Stuttgart prophezeit.

          Bis die zwei endlich auch offiziell für die DEU um Titel und Medaillen laufen dürfen, nehmen sie flankierende Hilfen gern in Anspruch. So tritt Aljona Savchenko am 5. Januar in der Bundeswehr-Sportkompanie Sonthofen den ordentlich besoldeten Dienst in Uniform an, so wird demnächst auch Massot vermutlich von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gefördert, so finanziert die DEU dem Paar das Wohnen im Allgäu.

          Schlusspunkt Sotschi: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy
          Schlusspunkt Sotschi: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy : Bild: dpa

          Während Massot, mit seiner früheren Partnerin Daria Popowa ein sportlicher Mittelständler, sich am Samstag wie ein Fan bei seiner prominenten Partnerin bedankte, „dass sie mich ausgesucht hat“, kam sich Aljona Savchenko beinahe so vor wie ihr ehemaliger Sozius Szolkowy, der Ruhepol in der oft genug vulkanischen Chemnitzer Paarlauf-Kombination. „Ich habe viel von ihm gelernt“, beschrieb die Meisterin ihren Reifeprozess, „vielleicht kommt das mit dem Alter.“ Auch der stoische Trainer König, lobt die Meisterschülerin ihren Eislauflehrer, trage viel zur angenehmen Arbeitsatmosphäre im Team Savchenko/Massot bei. „Man braucht sich gar nicht aufzuregen, das ist für mich ganz neu.“

          Gut möglich, dass demnächst noch ein Großer der Paarlauftrainerzunft nach Oberstdorf kommt, um dem neuen Paar den Goldschliff zu geben: der Russe Oleg Wassiljew, 1984 mit Jelena Walowa Paarlauf-Olympiasieger und Trainer von Totmianina/Marinin, die 2006 bei den Winterspielen von Turin die Goldmedaille gewannen. Er komme „vielleicht“, sagte Aljona Savchenko am Samstag. Bis zu dem Tag, da sie selbst bestimmt wieder um Titel und Medaillen mitlaufen kann, will sie sich ihre gelassene Zuversicht nicht mehr nehmen lassen: „Wir sind immer positiv“, sagte sie in Stuttgart mild lächelnd, „unsere Sache ist es, richtig zu trainieren, fit zu bleiben, unser Leben zu genießen und zu warten, bis der Tag kommt.“ April, April, in dreieinhalb Monaten dürfte es so weit sein.

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