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Alexis Pinturault : Wie ein Panther

Nicht nur schön, sondern auch schnell: Alexis Pinturault Bild: EPA

Skirennfahrer Alexis Pinturault setzt im Riesenslalom derzeit Maßstäbe. Der Deutsche Linus Straßer etabliert sich derweil in der Slalom-Weltspitze und hat diesmal das Hundertstelglück auf seiner Seite.

          3 Min.

          Sie nennen ihn „den Panther“, und das nicht nur wegen der lautmalerischen Ähnlichkeit des Wortes mit seinem Nachnamen. Der französische Skifahrer Alexis Pinturault besticht mit seiner eleganten, beinahe katzenhaften Fahrweise, die in ihrer Perfektion an den schleichenden Gang eines Panthers erinnert und dabei nicht nur schön aussieht, sondern auch noch schnell ist.

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          Wenn der derzeit dominierende Mann im Ski-Weltcup ein Rennen in Angriff nimmt, dann staubt kein Schnee zwischen den Toren, dann rattern keine Kanten in den Kurven und dann staunen selbst die Kollegen über die Leichtigkeit, mit der der 29-Jährige selbst schwierigste Hänge wie den Chuenisbärgli in Adelboden meistert.

          „Derzeit unschlagbar“ lautete das Fazit der Plazierten nach den beiden Riesenslalom-Demonstrationen des „Panthers“ am Wochenende, bei denen Pinturault die komplette Weltelite zweimal nacheinander um mehr als eine Sekunde distanzierte. Der Norweger Alexander Aamodt Kilde, größter Rivale des Franzosen im Kampf um den Gesamtweltcup, sammelte einmal satte 2,21 Sekunden Rückstand ein und wurde dennoch Vierter.

          Am Tag danach blieb er 1,69 Sekunden zurück und belegte Rang fünf. Alexander Schmid, der einzige Deutsche in den Punkterängen, musste mit rund vier Sekunden Rückstand auf den Plätzen 21 und 22 klarkommen. Die Rennen wurden überschattet von zwei schweren Stürzen: Der Norweger Lucas Braathen am Freitag und der Amerikaner Tommy Ford  am Samstag kamen jeweils im Zielhang zu Fall und verletzten sich schwer. Für beide ist die Saison beendet.

          „Ich habe viel gearbeitet“, begründete Pinturault seine Meisterleistungen bescheiden: „Ich denke, das kommt jetzt zurück.“ Seit 2013 gehört er zur absoluten Weltelite, stets galt er als Kandidat für Spitzenresultate und Medaillen, doch zum ganz großen Coup hatte es bislang noch nicht gereicht. Im Gesamt-Weltcup belegte er in der Endabrechnung zweimal Position zwei und wurde dreimal Dritter. Im Riesenslalom gewann er vier Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaft und Olympischen Spielen. Und auch im Riesenslalom-Weltcup landete er zwar achtmal nacheinander unter den besten drei, gewann aber nie die Große Kristallkugel. Das schaffte der Allrounder nur in der Kombination – dafür aber schon sechsmal. Und auch WM-Gold gewann er in diesem eher als nebensächlich betrachteten Wettbewerb. Es ist Zeichen seiner Vielseitigkeit, aber auch Teil des Problems, dass Pinturault von engem Torlauf bis schnellem Speedrennen alle Disziplinen mit Bravour in Angriff nehmen kann.

          Schon als Kind probierte der junge Alexis alle Bewegungsformen, von Tennis über Fechten bis Wakeboard und Fußball. Doch die größte Leidenschaft galt stets den zwei Spuren im Schnee. Seine Eltern führen in Courchevel das mitten im Skigebiet liegende luxuriöse Hotel Annapurna. „Skifahren war immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens“, erinnert sich Alexis an seine Kindheit, in der er mit seinen Geschwistern die Hänge der Savoyen unsicher machte.

          Schon im Alter von zwei Jahren hat er nach Aussage seiner norwegischen Mutter Hege Weeg-Pinturault Skifahren gelernt. Sie selbst war noch Ski gefahren, als sie mit ihm schwanger war, und führt darauf das ausgesprochen gute Balancegefühl ihres Sohnes zurück. Vater Claude erinnert sich, dass der Junge aufgrund seiner schmächtigen Gestalt als Kind gegen stärker entwickelte Buben Rennen verlor – weshalb er schon früh den Fokus auf die Perfektionierung seiner Technik legte, was ihm noch heute zugutekommt.

          In der Weltelite etabliert: Linus Straßer
          In der Weltelite etabliert: Linus Straßer : Bild: EPA

          Doch auch das taktische Fahren hat er mittlerweile gelernt. Im Slalom am Sonntag begnügte sich Pinturault nach den beiden Festtagen im Riesenslalom mit einer soliden Fahrt auf Ankommen und belegte Platz 17. Da Konkurrent Kilde den Torlauf ausließ, baute der Franzose sogar seinen Vorsprung im Gesamtweltcup um weitere 14 Punkte aus.

          Hunderstelglück für Straßer

          Beim Erfolg des Österreichers Marco Schwarz zeigte sich der Deutsche Linus Straßer vier Tage nach seinem Sieg in Zagreb abermals in blendender Form und belegte mit nur 0,14 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Straßer glänzte wie schon in Kroatien, wo er von Rang acht auf eins gefahren war, vor allem im zweiten Durchgang: Diesmal schaffte er den Sprung von zwölf auf zwei und bestätigte damit eindrucksvoll seine Zugehörigkeit zur absoluten Elite.

          Auch ein bisschen Glück gehörte dazu, denn der Münchner verwies den Briten Dave Ryding und den Österreicher Michael Matt mit der Winzigkeit von einer und drei Hundertstelsekunden auf die Ränge drei und vier. „Das war ein unglaublich schwieriges Rennen und eher ein Arbeitserfolg“, meinte Straßer, und bilanzierte: „Das Hundertstelglück war heute definitiv auf meiner Seite, aber das darf es ja auch mal sein“.

          Super-G: Kira Weidle auf dem 15. Platz

          Lara Gut-Behrami hat den Super-G von St. Anton gewonnen. Die Schweizer Skirennfahrerin setzte sich am Sonntag in Österreich vor Marta Bassino aus Italien (+0,16 Sekunden) und ihrer Teamkollegin Corinne Suter (+0,20) durch. Kira Weidle fuhr auf den 15. Platz. So weit vorn war sie in dieser Disziplin im Weltcup noch nie gelandet. Am Samstag hatte die Starnbergerin beim Abfahrtserfolg von Sofia Goggia aus Italien den zehnten Platz erreicht und damit ihre Form vor den nächsten Speed-Events und der WM angedeutet. (dpa)

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