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Ärger im Eishockey : Immer noch im Winterschlaf

  • -Aktualisiert am

Und was wird aus dem Nationalteam? Das letzte Pflichtspiel fand im November 2019 statt. Bild: dpa

Der Beginn der deutschen Eishockeysaison wird wieder verschoben. Das belastet die Stimmung zwischen Liga und Verband. Der Unmut der Spieler wächst.

          3 Min.

          Die schlechten Nachrichten haben sich zuletzt gehäuft: Saisonabsage in der britischen Liga, Spielausfälle in der russischen KHL, Zuschauerverbot in Tschechien und der Slowakei, und in der Schweiz musste sogar der traditionsreiche Spengler Cup abgesagt werden – ein Turnier, das nicht mal im Zweiten Weltkrieg dauerhaft pausierte. Die Pandemie trifft das Profieishockey hart. Aktuell weiß nicht mal die nordamerikanische Milliardenliga NHL, wie die nächste Saison aussehen soll. Zwar sind erste Ligen nun gestartet, aber nirgendwo läuft der von Zuschauereinnahmen abhängige Spielbetrieb ansatzweise normal. Erst recht nicht in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

          Die verkündete am Freitag, den ohnehin schon von September auf November verschobenen Saisonstart abermals nicht halten zu können. „Erklärtes Ziel ist, unter bis dahin hoffentlich positiveren wirtschaftlichen Bedingungen einen Saisonstart in der zweiten Hälfte des Dezembers zu realisieren“, ließ die Liga wissen. Eine volle Saison mit Play-off-Runden wird immer unwahrscheinlicher. Genaues weiß man nicht. Was vor allem die Aktiven ärgert: „Was soll man als Spieler, Fan, Schiedsrichter oder Mitarbeiter mit so einem Termin anfangen?“, schrieb Moritz Müller, Kapitän der Nationalmannschaft und Gründer der neuen Spielergewerkschaft, auf Facebook. „Wie viel Zeit ist verstrichen ohne ein klares Konzept, wie man einen geregelten Spielbetrieb aufstellen kann? Was tut man gerade im Moment dafür? Was sind Alternativen?“

          Kopfschütteln über forsche Ansage

          Berechtigte Fragen. Abgesehen von der angeordneten Kurzarbeit für die Mitarbeiter und dem teilweisen Gehaltsverzicht der Spieler kam bislang wenig. Seit Monaten verweist die Liga lediglich auf die Politik, der sie vor zwei Wochen gar ein Ultimatum stellte. „Nur wenn uns bis zum 2. Oktober verbindliche Zusagen vorliegen, werden wir am 13. November in die Saison starten“, sagte DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold und bezifferte den Finanzbedarf der 14 Klubs auf 60 Millionen Euro. Die Lösung: Geld vom Staat und eine höhere Zuschauerkapazität als die derzeit erlaubten 20 Prozent. Das klang nicht nur wegen steigender Infektionszahlen unrealistisch, die forsche Ansage soll generell nicht gut in der Politik angekommen sein. Selbst innerhalb der Branche gab es Kopfschütteln, laut der „Eishockey News“ sprach ein anonymer Funktionär von einer „Bankrotterklärung“. Wenig überraschend: Die Garantien blieben aus, der Saisonstart musste verschoben werden.

          Das hat auch Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. In der vergangenen Woche in Füssen versammelte Bundestrainer Toni Söderholm eine U-24-Auswahl um die Toptalente Moritz Seider und Tim Stützle, die „mit einer sehr, sehr positiven Stimmung hergekommen“ seien. Aber auch Söderholm blieb nicht verborgen, dass es gerade „viel für die Spieler ist, sie überlegen viel“. Für die meisten ist nicht mal klar, wann sie ihrem Beruf wieder nachgehen können. Söderholm selbst konnte das lange nicht. Das bislang letzte Pflichtspiel des A-Teams fand Anfang November 2019 beim Deutschland Cup in Krefeld statt. Seitdem: keine WM, keine sonstigen Spiele. Weswegen Stefan Schaidnagel, der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), für sein Team „in der Weltstandsanalyse einen Rückstand von knapp fünf bis sechs Monaten“ ausgemacht hat. Und sollte die DEL-Saison komplett ausfallen, wäre das „katastrophal für die Nationalmannschaft“, sagte Söderholm, der eigentlich längst in der Vorbereitung auf die WM 2021 und Olympia 2022 sein wollte. Jetzt steht alles in Frage. Selbst wenn der DEB einen Notfallplan mit Lehrgängen und Testspielen aufstellen könnte – ohne konkretes Ziel sei es für die Spieler nicht leicht, „sich von Woche zu Woche zu motivieren“.

          Ein kleines Ziel gibt es zumindest. Der Deutschland Cup soll stattfinden, vom 5. bis zum 8. November. Im besten Fall vor Zuschauern. Zwar würde der Verband bei der Turnierplanung auch ohne Fans nicht „in budgetäre Probleme kommen“, sagte Schaidnagel. Rosig ist die Lage allerdings nicht. Allein durch Corona-Tests für die Nationalspieler und „medizinische Beratungskosten“ hatte der DEB zuletzt „über 120.000 Euro Mehrkosten“. Sollten die Ligen nicht langsam mal starten und die Verbandsabgaben ausbleiben, müsse der DEB „ganz hart den Bleistift ansetzen“, sagte Schaidnagel. Auch die Landesverbände sind alarmiert. Die aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen sprachen in einer Stellungnahme von der „Existenzbedrohung unserer Nachwuchsleistungs- und auch Breitensportvereine, wenn die Profiklubs nicht mehr in der Lage sind, ihre Stammvereine aufgrund eigener Überlebenskämpfe finanziell zu fördern“. Das droht in einer Zeit, in der der Nachwuchs so erfolgreich ist wie lange nicht. U 18 und U 20 sind zurück in den A-Gruppen der Weltmeisterschaften. Und wenn in der Nacht auf Mittwoch der Draft in der NHL ansteht, wird zum dritten Mal in Serie ein deutsches Talent in der ersten Runde gezogen – Tim Stützle gilt gar als Bester seines Jahrgangs in ganz Europa.

          Doch der Aufschwung steht in Frage. Was auch die Stimmung zwischen Liga und Verband belastet. Offiziell verliert Schaidnagel kein schlechtes Wort über die DEL. Die „Adressierung ihrer Probleme und einer finanziellen Summe“ sei „legitim“ gewesen. Wie das bei der Politik ankam, „kann ich ganz schlecht bewerten“. Aber natürlich wird auch er mitbekommen haben, dass seine Branche zurzeit nicht den allerbesten Ruf genießt. Was es auch für den DEB nicht einfach macht, mit seinen Anliegen in Berlin durchzukommen. Apropos Berlin: DEL-Rekordmeister Eisbären wollte am Wochenende endlich seine ersten Testspiele absolvieren, bei einem Turnier in Dresden. Doch einen Tag vorher musste er absagen, es gab einen Corona-Fall „im Umfeld des Profikaders“. Team, Trainer und Betreuer mussten in Quarantäne. Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab.

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