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Ärger bei Vierschanzentournee : „Das ist ein Skandal und wenig professionell“

  • Aktualisiert am

„Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war es“: Alexander Stöckl ist sauer. Bild: Picture-Alliance

Mitfavorit Karl Geiger geht optimistisch ins Neujahrsspringen. Andere sind bei der Vierschanzentournee nicht so gut gelaunt. Norwegens Skisprung-Cheftrainer übt scharfe Kritik an den Organisatoren.

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          Norwegens Skisprung-Cheftrainer Alexander Stöckl hat scharfe Kritik an den Organisatoren des Neujahrsspringens bei der 68. Vierschanzentournee, das an diesem Mittwoch (14.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Vierschanzentournee, im ZDF und bei Eurosport) stattfindet, geübt. „Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war es“, schrieb der gebürtige Österreicher auf Twitter. Erklärend und mit Gruß an die Veranstalter in Garmisch-Partenkirchen fügte er hinzu: „Vorspringer schlafen im Hotelflur, keine Container für kleine Nationen. Ich bin nicht amüsiert, Herr Präsident.“

          Auf der Großen Olympiaschanze wird traditionell an Neujahr das zweite der vier Tournee-Springen ausgetragen. Die Qualifikation fand an Silvester statt. Der norwegischen Zeitung „VG“ berichtete Stöckl, dass andere Gäste nachts in seiner Unterkunft über einen im Flur schlafenden Vorspringer hätten steigen müssen, um zum Gemeinschaftsbad zu kommen. „Das ist ein Skandal und wenig professionell“, sagte Stöckl. FIS-Renndirektor Walter Hofer drohte laut VG am Dienstag sogar mit der Absage der Qualifikation.

          Auch Vorspringer Ole Henning Holt, der die Nacht nach eigenen Angaben auf dem Boden verbrachte, fand deutliche Worte. „Ich bin ein einfacher Mann, und wenn alles warm und trocken und relativ sauber ist, ist es in Ordnung. Aber es ist klar, dass das hier nicht gut ist. Immerhin bin ich hier, um einen Job zu machen“, sagte der 52-Jährige. Pressechef Ingo Jensen bat am Abend stellvertretend für das Organisationskomitee um Entschuldigung. „Das ist nicht die Art und Weise, wie Athleten bei der Tournee behandelt werden sollten. Das soll nicht wieder vorkommen. Wir werden uns verbessern“, sagte Jensen.

          Die letzten Stunden im Jahr 2019 wollte Karl Geiger derweil ganz gemütlich im Kreise seiner Teamkollegen verbringen. „Wir machen ein gemütliches Abendessen, Lagerfeuer, fahren ein bisschen runter in gemütlicher Runde“, hatte der in sich ruhende Allgäuer nach seinem letzten Sprung im alten Jahr angekündigt. Geht es nach Geiger, darf es beim Traditionsevent an Neujahr gerne so weitergehen wie bisher. „Morgen ist ein neuer Tag, dann heißt es nicht, dass es wieder so gut läuft“, warnte der Tournee-Zweite nach seinem 139-Meter-Flug und dem Quali-Sieg an Silvester.

          Der große Kontrahent für Geiger ist Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi. Mit fünf Tournee-Einzelsiegen am Stück, dem Gelben Trikot und einer überragenden Form ist das japanische Leichtgewicht derzeit der große Maßstab auf den Schanzen dieser Welt. Doch das soll sich vor über 20.000 Zuschauern in Garmisch-Partenkirchen an diesem  Mittwoch ändern. „Karl zeigt, dass man Kobayashi schlagen kann. Ich hoffe, er macht im neuen Jahr so weiter“, sagte Teamkollege Stephan Leyhe, der wie Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler ein ernsthafter Kandidat für eine Überraschung ist. Wird Kobayashi erneut nicht besiegt, holt er sich als erster Skispringer der Geschichte sechs aufeinanderfolgende Siege bei der Tournee.

          Der zweite Platz von Oberstdorf, der Quali-Sieg und der ganze Rummel um seine Person scheinen Herausforderer „Karle“ indes wenig zu beeindrucken. Geiger springt mit bemerkenswerter Konstanz, spricht ruhig und sachlich und lässt sowohl Superlative als auch große Kampfansagen in seinen sportlich bisher besten Wochen in der Schublade. „Schiefgehen kann immer was, das ist im Skispringen so. Es läuft aber echt gut. Trotzdem ist es wichtig, an dem Zeug dranzubleiben“, sagte Geiger.

          Immerhin zu einer ersten selbstbewussten Ankündigung ließ sich Deutschlands derzeitiger Schanzen-Primus doch hinreißen. „Ich gehe auf Angriff, ich habe nichts zu verlieren. Ich kann da aufholen und die anderen angreifen, das ist mein Ziel.“ Geigers Rückstand auf Kobayashi sind derzeit 9,2 Punkte, das sind umgerechnet etwa fünf Meter. Doch auch die Verfolger um den Polen Dawid Kubacki und Stefan Kraft aus Österreich sind noch in Schlagdistanz und könnten am Mittwoch in Garmisch an Geiger vorbeiziehen.

          Vierschanzentournee

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