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Abfahrt in Gröden : Ein Tag für schnelle Schleicher

  • -Aktualisiert am

Der schnellste Schleicher: Michael Walchhofer Bild: AFP

Michael Walchhofer gewinnt den eigenartigen Abfahrtsklassiker auf der Saslong-Piste in Gröden. Die Skirennläufer aus Übersee imponieren: angeführt von Bode Miller, der nur von Walchhofer knapp geschlagen wurde, kamen sieben Nordamerikaner unter die besten Zehn.

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          Axel Svindal und Marco Büchel, der Sieger und der Zweite der Abfahrt von Beaver Creek, schauten sich am Ziel der Saslong nachdenklich an. Sie wussten nicht, was sie sagen sollten. Beide hatten das Gefühl, am Samstag ein sehr gutes oder vielleicht gar perfektes Rennen gefahren zu sein, und beide wollten nicht glauben, was die Uhr ihnen sagte: Der Skirennläufer aus Norwegen hatte 3,11 Sekunden auf den österreichischen Sieger Michael Walchhofer verloren, der Liechtensteiner sogar 3,83.

          „So etwas nennt man ratlos“, sagte Büchel. Es war – wie so oft – ein eigenartiges Rennen auf der klassischen Strecke von Gröden, die mit dem Liechtensteiner Markus Foser und dem Deutschen Max Rauffer einige der größten Überraschungssieger der Weltcupgeschichte produziert hatte. Diesmal waren es vor allem die immens großen Abstände, die nur schwer zu erklären waren. Der Zehnte, Thomas Lanning, hatte einen Rückstand von 1,52 Sekunden; der Zwanzigste, Gyuillermo Fayed, 2,17; der Dreißigste, Pierre-Emanuel Dalcin, 2,90. Das sind Welten.

          Drei Siege, viermal Zweiter: Walchhofer gefällt Gröden

          Ambrosi Hoffmann, der auf der verkürzten Strecke als Achter bester Schweizer geworden war, hatte eine Erklärung: „Wer eine zu aggressive Abstimmung zwischen Schuh und Ski hatte, war ohne Chance. Man musste ganz fein fahren und den Ski in den Kurven laufen lassen. Wer auf den Kanten stand, war verloren.“ Anders ausgedrückt: Es war ein Rennen für „Schleicher“. So nennt man die Fahrer, die dann besonders schnell sind, wenn mit extrem viel Gefühl gefahren werden muss. Also Fahrer wie den Österreicher Michael Walchhofer oder den Amerikaner Bode Miller, der Zweiter wurde.

          Eingerahmt von den schnellen Männern aus Übersee: Walchhofer mit Miller (l.) und Osborne-Paradise

          Für den 33-jährigen Walchhofer ist die Saslong so etwas wie das Wohnzimmer. Hier kam er jetzt bereits zu seinem dritten Sieg nach 2004 (Super G) und 2007 (Abfahrt), außerdem war er viermal Zweiter. Der um zwei Jahre jüngere Amerikaner gewann hier vor zwei Jahren den Super G und war im Vorjahr Zweiter. Außerdem weiß jeder, dass Miller jedes Rennen gewinnen kann, wenn er ohne Fehler durchkommt.

          Sieben Nordamerikaner unter den besten Zehn

          Am Samstag, so vermutete er, sei dies fast der Fall gewesen. Er habe den Sieg in der letzten Rechtskurve vergeben – eine Folge der Bänderverletzung im linken Knöchel, die ihn seit seinem Sturz von Beaver Creek plagt. Hätte Miller seinen alten Rivalen noch abgefangen, wäre der Triumph der Skifahrer aus Übersee perfekt gewesen. Doch auch so war er immer noch eindrucksvoll. Mit Miller, Daniel Osbourne-Paradis, Marco Sullivan, Eric Guay, Erik Fisher, Steven Nyman und Lanning ergatterten gleich sieben Nordamerikaner Plätze unter den ersten Zehn.

          Es ist eine junge Welle, die da über den Atlantik schwappt. Nur Miller ist älter als 30. Die anderen sind zwischen 23 (Fisher) und 28 (Sullivan) Jahre alt. „Wir sind alles gute Freunde und eine verschworene Truppe“, sagt Osbourne-Paradis: „Ob Amerikaner oder Kanadier spielt dabei keine Rolle. Wenn wir fern der Heimat in Europa sind, schweißt uns das zusammen. Wir trainieren oft zusammen und helfen uns auch gegenseitig aus.“

          Rahlves' Sieg riss die Amerikaner mit

          Für Bode Miller ist in solchen Rennen die Einstellung entscheidend. Auf einer relativ einfachen Piste wie jener von Gröden müsse man am Start hundertprozentig davon überzeugt sein, das Rennen gewinnen zu können. „Dann hat man auch die Aggressivität, um noch mehr zu riskieren. Auf einer Strecke wie Kitzbühel funktioniert das nicht. Sonst fliegt man sehr bald raus.“

          Ihm selber, sagt Miller, habe die Strecke früher nie besonders gefallen. Erst als sein Freund Daron Rahlves hier gute Fahrten gezeigt hat, habe er daran geglaubt. Das habe auch die andern Amerikaner mitgerissen. Vor zwei Jahren ließ sich Steven Nyman als erster amerikanischer Abfahrtssieger auf der Saslong feiern. Vor einem Jahr wurde Scott Macartney Dritter. „Seither weiß jeder, dass auch er hier gewinnen kann“, sagt Miller, der sich auch als Ein-Mann-Team mit den Kollegen aus der amerikanischen Mannschaft verbunden fühlt. „Differenzen habe ich nur mit dem Verband“, sagt er, der neu mit drei Motorhomes unterwegs ist. Es sind Riesenvehikel, die er da aus den Vereinigten Staaten mitgebracht hat. „Die europäischen sind zu klein für das, wofür ich sie brauche“, sagt er.

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