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Abfahrt der Herren : Guay-Games in Garmisch

Der Sieger: „Ich muss aufpassen, dass ich nicht komplett ausraste” Bild: REUTERS

Er war stets ein Pechvogel bei alpinen Großereignissen. Doch diesmal nutzt der Kanadier Eric Guay die Gunst der guten Startnummer und gewinnt die WM-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht komplett ausraste.“

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          Im Super-G war Christof Innerhofer noch der Überraschungs-Weltmeister, bei der Abfahrt wurde der Italiener nach seinen glänzenden Trainingsfahrten nun als Favorit gehandelt. Und wieder setzte Innerhofer zunächst eine Bestmarke. Als Neunter gestartet, schaffte er es als Erster, die 3300 Meter lange WM-Piste unter zwei Minuten zu bewältigen.

          Doch diesmal stahl ihm ein Anderer auf der Kandahar-Piste die Show, einer mit dem man auch nicht unbedingt rechnen musste, obwohl er seine bislang besten Rennen stets in Garmisch gezeigt hatte: Der Kanadier Erik Guay, mit Startnummer 10 unmittelbar hinter Innerhofer gestartet, erwischte einen nahezu perfekten Lauf und setzte sich mit 1:58,41 Minuten mit deutlichem Vorsprung an die Spitze des Klassements. Die frühe Startnummer war bei hohen Temperaturen um die zehn Grad sicherlich kein Nachteil.

          Das Paket der Favoriten führte Michael Walchhofer mit Nummer 16 an. Doch der von den vielen Stürzen seiner Landsleute verunsicherte Österreicher schaffte es bei seiner letzten Weltmeisterschaft nicht, die mentale Bremse in allen Passagen zu lösen. Die Uhr stoppte erst nach mehr als zwei Minuten - kein Platz auf dem Stockerl für den Altmeister.

          Der Überflieger des Vormittags: Erik Guay aus Kanada

          Hohe Temperaturen, weicher Schnee, keine Chance für Miller

          Der Norweger Aksel Lund Svindal zeigte anschließend eine rasante Fahrt; er war so schnell unterwegs, dass er - wie schon viele andere Läufer zuvor - im viel zu kurz bemessenen Zielraum stürzte. Svindal zerbrach sich dabei einen Stock, wankte gestützt von einem Helfer aus dem Ziel-Bereich, und auch sein dritter Rang im Zwischenklassement wurde gleich danach zerbröselt. Der Schweizer Didier Cuche lag bei den oberen Zwischenzeiten sogar in Führung, konnte der rasanten Fahrt von Guay im unteren Streckenabschnitt bei weicher werdendem Schnee aber nicht mehr folgen und reihte sich vor Innerhofer auf Rang zwei ein. „Für mich ist es mehr ein geholter zweiter Platz als ein verlorener erster“, war der Schweizer am Ende zufrieden.

          Sein Landsmann Silvain Zurbriggen und der Österreicher Klaus Kröll kamen anschließend chancenlos ins Ziel. Und für den Eisspezialisten Bode Miller war der Schnee viel zu weich - der amerikanische Rodeo-Skifahrer mit dem Hang zu harten Bedingungen sammelte zweieinhalb Sekunden Rückstand ein - und dass, obwohl er mit zwei Stöcken ins Ziel kam. Von den später gestarteten Fahrern kam nur noch Romed Baumann in die Nähe des Siegerpodests - seine gute Zeit von 1:59,51 Minuten reichte aber nur für den undankbaren vierten Rang.

          Die deutschen Teilnehmer griffen erwartungsgemäß nicht in den Kampf um die Spitzenplätze mit ein. Tobias Stechert kam mit einem Rückstand von 4,90 Sekunden und Rang 31 ins Ziel. Andreas Sander stürzte und verspürte Schmerzen im rechten Knie. „Das Knie ist instabil“, sagte er, „ich werde mich durchchecken lassen.“

          Bisher war Guay stets der Pechvogel bei den Großereignissen

          Und so kristallisierte sich der Sieg eines Mannes heraus, der bei den bisherigen Großereignissen stets zu den Pechvögeln gehört hatte: Erik Guay war schon 2007 WM-Vierter bei der Abfahrt in Are geworden, 2003 hatte er WM-Rang sechs belegt. Bei den Olympischen Spielen von Vancouver, den herbeigesehnten Heimspielen für den Kanadier, belegte er in Abfahrt und Super-G jeweils den fünften Platz. Im Super-G schrammte er dabei um ganze 3/100 Sekunden an Bronze vorbei, nachdem ihm schon 2006 in Turin als Vierter nur 1/10 gefehlt hatte.

          Nun raste der knapp 30-Jährige, der im Super-G zum WM-Auftakt am Mittwoch noch ausgeschieden war, im reiferen Alter zum größten Erfolg seiner Karriere. „Das ist das beste Gefühl der Welt, Garmisch ist immer so toll gewesen - und jetzt Weltmeister, unglaublich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht komplett ausraste.“ Und das ausgerechnet auf der Piste, auf der er auch im Weltcup seine größten Erfolge gefeiert hatte: Guay hatte in Garmisch-Partenkirchen 2007 seine einzige Weltcup-Abfahrt gewonnen, und auch im Super-G hatte er hier schon einmal ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Nun tritt er als Weltmeister die Nachfolge seines Landsmannes John Kucera an - der diesmal verletzt fehlte.

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