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Aamodt hört auf : Der „Super-Elch"

Aamodts letzte goldene Plakette: Olympiasieg 2006 im Super-G Bild: dpa

Unter Tränen verkündete er seinen Abschied: Der Norweger Kjetil Andre Aamodt, mit 20 Medaillen bei Großereignissen der erfolgreichste alpine Skifahrer überhaupt, kann nicht mehr. „Es ist manchmal nicht die Frage, was mir wehtut, sondern was nicht.“

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          Aus dem anvisierten Duell in weiter Ferne wird nun doch nichts. „Vielleicht fahren Hermann Maier und ich noch 2014 um den Sieg“, hatte Kjetil Andre Aamodt vor einem Jahr alle Fragen nach dem Ende seiner bemerkenswerten Karriere abgewehrt, als er mal wieder auf dem Olymp stand.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weil sich kaum noch jemand erinnern konnte, wie das damals war, als der alpine Ski-Weltcup noch ohne den Norweger auskommen musste, hätte man ihm das sogar abnehmen können. 1992 bei den Olympischen Winterspielen in Albertville hatte er im Superriesenslalom seine erste olympische Goldmedaille gewonnen, und diese nun in Sestriere-Borgata, wie vier Jahre zuvor in Salt Lake City (wo er auch die Kombination gewann) wiederum im Superriesenslalom, war seine vierte - und auch letzte.

          Zwanzig Medaillen bei Großereignissen

          Dafür wurde Aamodt am Samstag als norwegischer Sportler des Jahres 2006 ausgezeichnet, und unter Tränen gab er bekannt, was mittlerweile befürchtet werden musste. Der mittlerweile 35 Jahre alte „Super-Elch“, der mit 20 Medaillen bei Großereignissen erfolgreichste alpine Skifahrer überhaupt, kann nicht mehr. Der Körper spielt nicht mehr mit, der Kopf auch nicht. „Ich bin satt“, sagte Aamodt, und vermutlich hat er es vor allem satt, sich nach langer Verletzungspause wieder herankämpfen zu müssen.

          Finale einer großen Karriere: die Spiele in Turin

          Mit dem Norweger geht der Skiszene nicht nur ein Rekordhalter der ganz besonderen Art verloren. Er ist einer der wenigen alpinen Männer, die in allen fünf Disziplinen gewonnen haben, nur Alberto Tomba und er konnten einen Olympiasieg in derselben Disziplin wiederholen, und er ist der einzige, der vier Goldmedaillen gewann.

          Der scheinbar alte Mann

          Aber Aamodt war vor allem das größte Stehaufmännchen, das der alpine Skisport je gesehen hat; ein Kämpfer, der niemals aufgab, der auch in großen sportlichen Krisen nie abzuschreiben war: So gewann Aamodt zwar nur fünf Superriesenslalom-Rennen im Weltcup - aber drei Goldmedaillen in dieser Disziplin und manchmal eben vor allem dann, wenn es komplett unwahrscheinlich schien. Auch sein letzter großer Coup hatte diese These bewiesen. In der Abfahrt hatte er sich vor einem Jahr das Knie verdreht und war mit Platz vier trotzdem nur knapp an einer olympischen Medaille vorbeigeschrammt. Aufgrund dieser Verletzung schien damit die letzte Chance auf eine würdige Verabschiedung auf der ganz großen Bühne dahin - ein paar Tage später durfte sich Aamodt die Goldmedaille umhängen lassen.

          Wer ihn vor oder nach den Rennen im Hotel traf, konnte das kaum glauben. Der scheinbar alte Mann, der einem da entgegenschlurfte, entpuppte sich erst im letzten Moment doch als Kjetil Andre Aamodt. Mehr als 400 Weltcuprennen seit November 1989 haben Spuren hinterlassen. „Es ist manchmal nicht die Frage, was mir wehtut, sondern was nicht“, sagte der Kämpfer Aamodt dann. Nun hat er endlich Zeit für Gattin Stine, bei der er sich bei seinem Abschied bedankte. Auch Töchterchen Erle wird sich freuen - nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Turin hatte sie ihm vor lauter Aufregung auf den Schoß gemacht.

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