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Wintersport : Helden von Salt Lake legen Geldspur

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Nacholympische Aufwertung: Winterstars Friesinger, Otto und Sachenbacher bei „Wetten dass...?” Bild: dpa

„Die Vermarktung von Wintersportlern ist leichter geworden“, sagt Anni Friesingers Manager Klaus Kärcher.

          3 Min.

          Mit einem ordentlichen finanziellen Polster gehen die Helden von Salt Lake City in die Wintersportsaison. Acht Monate nach den Olympischen Spielen mit 35 Medaillen haben viele deutsche Goldgewinner eine Geldspur gelegt.

          Ob Anni Friesinger, Kati Wilhelm, Evi Sachenbacher oder Claudia Pechstein: Auf ihren Homepages präsentieren die Eis- und Schneeköniginnen des vergangenen Winters stolz ihre Sponsoren. „Die Vermarktung von Wintersportlern ist leichter geworden, auch wenn die wirtschaftliche Gesamtsituation schwierig ist“, sagte Klaus Kärcher, Manager von Anni Friesinger.

          Wintersport-Erfolge stärker im Bewusstsein

          Vor allem die hohen TV-Einschaltquoten (bis 10,5 Millionen) haben das Geschäft angekurbelt. „Dadurch sind die Erfolge sehr viel stärker ins Bewusstsein gerückt als früher“, sagte Axel Achten von der Deutschen Sport-Marketing GmbH, der Doppel-Olympiasiegerin Kati Wilhelm vermarktet.

          Im unteren sechsstelligen Bereich bewegt sich das Konto von Biathletin Kati Wilhelm, die mit drei Hauptsponsoren ausgestattet ist. „D-Mark-Millionärin - so weit kann man nicht gehen“, sagte ihr Manager Achten. „Ich habe nicht so viel verdient, dass ich mich mit 30 Jahren beruhigt zur Ruhe setzen kann“, bestätigte die rothaarige Sportlerin.

          Friesinger profitierte am meisten

          Der entscheidende Unterschied liegt eben im Detail. „Millionen-Vertrag für sexy Anni - Lancia fährt auf ihre Kurven ab“, titelte „Bild“. Obwohl sie nur einmal Gold gewann, hat der ohnehin gut bezahlte Eisschnelllauf-Star am meisten von der Euphorie profitiert, die die deutsche Mannschaft in Utah hervorgerufen hat.

          Bis 2006, wenn die nächsten Winterspiele in Turin stattfinden, läuft der Kontrakt von Anni Friesinger mit ihrem neuen Hauptförderer. Zudem hat die Inzellerin nach Angaben ihres Managers ein halbes Dutzend weiterer Sponsoren.

          „Zickenstreit“ hat sich ausgezahlt

          Nicht nur das Gold über 1500 m, sondern auch der „Zickenstreit“ mit der erfolgreichsten deutschen Olympionikin Claudia Pechstein hat sich ausbezahlt. „Es hat geholfen, auch wenn es medienmäßig sehr hochgezogen wurde. Und Anni sagt ja immer: Konkurrenz belebt das Geschäft“, räumte Kärcher ein.

          Claudia Pechstein konnte ihre Sponsoren-Einnahmen seit Salt Lake City nach Angaben ihres Managers Ralf Grengels verdoppelt. Diese dürften jedoch nicht an die halbe Million Euro heranreichen, auch wenn ihr Manager keine Zahlen nennt. Die Weltmeisterschaft im März in Berlin soll nun die nächste heiße Eiszeit bescheren. „Eisschnelllaufen kann die gleiche Entwicklung nehmen wie Skispringen“, hofft Friesingers Manager.

          Skispringer sind die Schneekönige

          Noch ist Skispringen nach einer Untersuchung der Kölner Agentur „Sport + Markt“ mit Abstand die populärste Wintersportart: 65 Prozent der Fernsehzuschauer interessieren sich dafür, 47 Prozent sind es beim Biathlon, nur 30 beim Eisschnelllauf.

          Die Schneekönige dürften also trotz ihrer Knieprobleme Martin Schmitt und Sven Hannawald bleiben, die zu den Spitzenverdienern der Sportbranche zählen - auch wenn es in Salt Lake City nicht zu einem Einzelsieg reichte.

          Bei Sachenbacher reichte es noch „nicht für immer“

          Langläuferin Evi Sachenbacher, die bei den Winterspielen die deutsche Staffel zum Überraschungs-Gold geführt und Silber im Sprint gewonnen hatte, freut sich über die nacholympischen Zuschläge: „Natürlich ist im Portemonnaie und im Leben viel mehr los.“

          Aber auch bei dem 21-Jährigen Strahlemädchen, die das gesteigerte öffentliche Interesse an ihrem Sport zum Leben erweckte, „langt es für immer noch nicht“. In diesem Winter trägt Sachenbacher den Namen eines Mineralwasser- Herstellers auf Mütze oder Stirnband.

          Rodler sind lokale Größen

          Auf sprudelnde Geldquellen hofften die Rodler dagegen meist vergebens. Silke Otto bekommt etwa 50.000 Euro dafür, dass sie ein Jahr lang für einen Milchgetränke-Produzenten wirbt.

          Ihre Kollegen Patric Leitner und Alexander Resch, Olympiasieger im Doppelsitzer, haben sich damit abgefunden, dass „wir außer in Berchtesgaden und Bayern nicht bekannt sind“, so Leitner. „Wenn ein Sponsor auf uns zukommen würde, hätten wir nichts dagegen.“

          Alpine stecken zurück

          Weiter abspecken müssen die alpinen Rennläufer. Martina Ertl hatte zwar mit Bronze in der Kombination die einzige Medaille, aber keine weiteren Sponsoren gewonnen. „In guten Zeiten war der Sport vielleicht ein bisschen überbezahlt. Dass man jetzt zurückstecken muss, ist ganz normal“, sagt die Lenggrieserin.

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