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Barbora Strycova in Wimbledon : Mit feinem Händchen gegen Williams’ Feuerschweif

  • -Aktualisiert am

Hat gut lachen: Barbora Strycova nach ihrem Sieg gegen Johanna Konta im Wimbledon-Viertelfinale Bild: dpa

Barbora Strycova will in Wimbledon mit seidiger Geschmeidigkeit ins Finale einziehen. Doch dafür muss sie erst einmal die feurigen Schläge von Serena Williams zu parieren wissen.

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          Man kann darüber streiten, ob der deutsche Friedrich von Logau wirklich Recht hatte, als er im 17. Jahrhundert schrieb, sich selbst zu besiegen sei der allerschönste Sieg. Das mag im Leben prinzipiell passen, im großen Sport eher nicht, aber eines ist klar: Ohne den Sieg über sich selbst sind auch Titel und Trophäen nicht zu haben. Zu dieser Erkenntnis passt die Geschichte der Tschechin Barbora Strycova, die 16 Jahre nach ihrem ersten Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier nun in Wimbledon zum ersten Mal in einem Halbfinale (um 15.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon) spielen wird. Und die sagt: „Dieses Turnier zeigt mir, dass ich gegen mich selbst gewinnen kann, gegen meinen Charakter und meine Emotionen. In der Vergangenheit konnte ich sie irgendwie nicht kontrollieren; ich habe lange gewartet, aber es waren gute 27 Jahre.“

          Es gibt keine Garantie, auch für jene nicht, die jung schon Erfolge feiern. Strycova war 15, als sie bei den Australian Open 2002 mit einem Sieg über eine ein Jahr jüngere, fast einen Kopf größere Russin den Juniorinnen-Titel gewann. Sie verteidigte den Titel im darauf folgenden Jahr erfolgreich, die Russin wiederum gewann wieder ein Jahr danach in Wimbledon – nicht beim Nachwuchs, sondern bei den Großen. Ihr Name: Maria Scharapowa. Heute blickt die eine zurück auf eine Karriere mit fünf Grand-Slam-Titeln und insgesamt 21 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, die andere auf zwei Einzel- und 26 Doppeltitel auf der Ebene darunter und auf Platz 16 als beste Ranglisten-Position.

          Mit List gegen Williams' Powerbälle

          Barbora Strycova ist keine, die mit Tempotennis und knalligen Aufschlägen Punkte macht; dazu fehlen ihr bei einer Größe von 1,64 Meter allein schon die körperlichen Voraussetzungen. Aber sie hat, ähnlich wie die nur zwei Zentimeter größere aktuelle Nummer eins des Frauentennis, Ashleigh Barty, ein feines Händchen, spielt erstklassige Volleys und versteht sich darauf, Dinge zu tun, die die Gegnerin aus dem Rhythmus bringen. So wie beim Sieg im Viertelfinale über die eher eindimensional spielende Britin Johanna Konta. Die fasste die Ereignisse hinterher so zusammen: „Sie verteilt die Bälle auf eine listige Art. Ihr Slice ist gut, sie nimmt das Tempo aus dem Spiel. Ich glaube, sie gibt ihren Gegnerinnen jede Gelegenheit, sich da draußen nicht besonders gut zu fühlen. So ging es mir jedenfalls; ich hab keine Antwort darauf gefunden.“

          Nun kann man sicher davon ausgehen, dass Barbora Strycova im ersten ganz großen Halbfinale ihrer Karriere an diesem Donnerstag auf eine Spielerin treffen wird, die nicht leicht vom Weg zum Sieg abzubringen ist. Der Name dieser Gegnerin ist Serena Williams, und sie spielt seit Beginn des Turniers von Tag zu Tag besser, nicht nur im Einzel, sondern auch im Mixed. Beim zweiten Auftritt an der Seite von Andy Murray gönnte sie sich ein paar Returns, die wie von einem Feuerschweif angetrieben auf der anderen Seite des Netzes einschlugen. Murrays Reaktion sagte alles; so breit grinsend sieht man ihn selten im Spiel.

          „Ich habe nichts zu verlieren“

          Natürlich ist sich Strycova im Klaren darüber, dass sie auf der Ebene Feuerschweif nicht wird mithalten können. Aber sie vertraut darauf, mit einem seidigen Slice das Tempo zu reduzieren, und eines ist sowieso klar. „Angst“, sagt sie, „hab ich nicht. Ich habe andere Waffen als Serena, und ich werde sie so gut es geht nutzen. Ich hab von jetzt an wirklich nichts mehr zu verlieren“.

          Es geht um Ausdauer, täglich neu zu erarbeitende Zuversicht, aber manchmal auch um das Glück, den richtigen Menschen an der Seite zu haben. Jelena Switolina aus der Ukraine, die im zweiten Halbfinale gegen Simona Halep spielen wird (um 14.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon), ist mit 24 die Jüngste im Kreis der letzten vier. Ihr größter Erfolg bisher war der Sieg beim Abschlussturnier des Jahres, den WTA Finals in Singapur, und sie sagt, sie habe sich dieser Tage bisher ziemlich wohl dabei gefühlt, unterhalb des Radars zu fliegen. In der ersten Woche standen die Taten der 15 Jahre alten Cori Gauff im Mittelpunkt, dann übernahm Serena Williams, doch auf der Ebene des Halbfinales ist es mit den Schattenspielen definitiv vorbei. Switolina sagt über sich, sie sei eine eher verschlossene Person, seit sie allerdings mit dem französischen Kollegen Gael Monfils eng befreundet ist, hält sie sich für zugänglicher. Auf ihrem gemeinsamen Instagram-Konto war am Mittwoch ein kleiner Film zu sehen, in dem sie mit gespielter Empörung fragt, wer denn hier so viel Lärm mache, während er aus vollem Herzen „Halbfinale, Halbfinale“ ruft. Sie sagt: „Er hilft mir zu verstehen, was wichtig für mich ist“. Das ist Grund genug, um gut drauf zu sein.

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