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Wimbledon-Siegerin Kerber : „Hier zu gewinnen, ist für immer“

  • Aktualisiert am

Angelique Kerber gewinnt erstmals den Titel in Wimbledon. Bild: AFP

22 Jahre nach Steffi Graf gewinnt mit Angelique Kerber wieder eine Deutsche in Wimbledon. Danach spricht sie über den harten Weg zum Titel, den entscheidenden Punkt gegen Serena Williams und ihre Zukunftspläne.

          Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber wird nach ihrem dritten Grand-Slam-Titel in der Tennis-Weltrangliste wieder unter die besten Fünf rücken. Die 30 Jahre alte Kielerin wird nach Angaben der Spielerinnenorganisation WTA am Montag voraussichtlich als Nummer vier der Welt geführt. Als Weltranglisten-Zehnte war Kerber in das Rasen-Tennisturnier in London gestartet. „Ich denke, vor zwei Wochen hat keiner geglaubt, dass ich so weit kommen kann“, sagte sie auch mit Blick auf ihre enttäuschende Saison 2017. „Ich habe versucht, mich zu steigern, im Moment zu bleiben und nicht zu viel darüber nachzudenken, was passieren kann oder nicht.“

          Mit einem souveränen 6:3, 6:3 über Serena Williams aus den Vereinigten Staaten stieg Kerber am Samstag zur ersten deutschen Wimbledonsiegerin seit Steffi Graf vor 22 Jahren auf. Die deutsche Fed-Cup-Spielerin ist nun die einzige Spielerin neben Serenas Schwester Venus Williams, die die langjährige Branchenführerin im Damen-Tennis in zwei Grand-Slam-Endspielen besiegt hat. Auch bei ihrem ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere, 2016 bei den Australian Open in Melbourne, hatte Kerber im Finale gegen Serena Williams gewonnen. In ihrem Traumjahr war die Linkshänderin auch erstmals zur Nummer eins der Welt aufgestiegen.

          Serena Williams wird in der kommenden Woche unter die Top 30 der Welt zurückkehren. Aufgrund ihrer Babypause war die 36-Jährige auf Rang 181 abgefallen. „Vor ein paar Monaten wusste ich nicht, wo ich stehe, wie ich zurückkommen kann“, sagte die Gewinnerin von 23 Grand-Slam-Titeln. „Diese zwei Wochen haben mir gezeigt, dass ich eine Kandidatin sein kann, Grand Slams zu gewinnen.“

          Kerber hat sich auch über die historische Dimension ihres Wimbledon-Titels gefreut. „Für mich ist es eine ganz große Ehre, nach Steffi die nächste deutsche Wimbledonsiegerin zu sein. Die nächste Deutsche zu sein, die mit diesem Pokal nach Hause kommt, besser geht es nicht“, sagte sie am Samstag im ZDF-Sportstudio. Kerber hatte als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1996 das traditionsreiche Rasenturnier in London gewonnen.

          Auf die Frage, ob Graf ihr schon gratuliert habe, antwortete Kerber: „Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht. Mein Handy ist fast explodiert, aber ich denke und hoffe, dass sie eine Nachricht an mich geschickt hat.“ Sie sei „mega-stolz“ auf ihren Sieg über die 23-malige Grand-Slam-Siegerin Williams. „Ich werde erst mal versuchen, diesen Titel zu genießen. Heute werde ich nicht viel schlafen und einige Gläser Champagner trinken“, kündigte Kerber an. In Pressekonferenz in Wimbledon beantwortete sie weitere Fragen.

          Ihre Taktik hat funktioniert. War es der Plan, aggressiv zu spielen?

          Um ehrlich zu sein, ich war sehr nervös vor dem Match. Ich habe mir gesagt: Geh raus und spiel dein bestes Match. Ich habe versucht, aggressiv zu spielen. Sie hat gut aufgeschlagen, ich musste sie gut bewegen und mich gut bewegen. Ich war auch am Ende sehr nervös. Ich wusste, dass ich meine erste Chance nutzen musste.

          Sank vor Freude zu Boden: Angelique Kerber war überglücklich nach ihrem Erfolg in Wimbledon.

          Wie sehr fühlt es sich anders an als bei den Titeln 2016?

          2016 hat alles begonnen. Hier hat mich besonders nach 2017 niemand so stark zurückerwartet. Ich denke, vor zwei Wochen hat keiner geglaubt, dass ich so weit kommen kann. Ich habe versucht, mich zu steigern, im Moment zu bleiben und nicht zu viel darüber nachzudenken, was passieren kann oder nicht.

          Hat es Sie beeinflusst, dass sich der Spielbeginn wegen des Herren-Halbfinals verzögert hat?

          Ich habe das lange Match gestern im Halbfinale gesehen. Ich habe eine langes Match vor unserem erwartet. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, es vor unser Spiel zu setzen. Sie haben morgen ihr großes Finale. Ich war entspannt. Ich habe in der Umkleide gewartet.

          Welches sind Ihre ersten Erinnerungen an Wimbledon?

          Meine ersten Erinnerungen sind, wie ich Steffi hier zugeschaut habe, wie sie alle Matches gewonnen hat. Ich erinnere mich, wie alle immer in Weiß auf dem Rasen gespielt haben. Ich denke, es ist eine große Tradition. Hier zu gewinnen, ist für immer.

          Sie sagen, Wimbledon zu gewinnen, war Ihr Lebenstraum. Es gab hier aber auch kritische erste Jahre, wie haben Sie die in Erinnerung?

          Antwort: Wimbledon war immer das Turnier, das ich gewinnen wollte. Das war immer als kleines Kind mein Traum, ich habe es immer als das Turnier der Turniere gesehen. Ich habe ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, die ersten Jahre waren nicht so die besten. Ich habe mich am Anfang zu sehr unter Druck gesetzt. Das war auch dieses Jahr so. Ich wusste, ich spiele gut vorbereitet. Aber das umzusetzen, war nicht so einfach. Ich habe meine Tage gebraucht, um ins Turnier zu kommen. Ich wusste, wenn ich das hier gewinnen möchte, muss ich mein Tennis steigern. Was will man mehr, ich habe es geschafft. Ich habe meinen Lebenstraum erreicht. Ich kann jetzt immer sagen, dass ich Wimbledon-Champion bin. Das war der Traum meiner Träume.

          Gab es einen Punkt, wo Sie wirklich geglaubt haben, dass Sie gewinnen können?

          Das war wirklich, als ich den letzten Ball gewonnen habe. Sie kam auf 30 beide zurück mit zwei guten Returns. Ich wusste, sie gibt bis zum Schluss nicht auf. Hätte ich das letzte Spiel noch verloren, wäre es noch eng geworden. Deswegen gab es nicht wirklich einen Moment, wo ich dachte, es ist jetzt durch.

          Wie blicken Sie auf den Trubel und den Prozess, der jetzt auf Sie zukommt?

          Ich freue mich darauf. Ich weiß, was auf mich zukommt. Ich werde mir die Sachen genau anschauen, was ich annehme, was ich nicht mache. Es ist was Schönes. Natürlich gab es auch nicht so schöne Schlagzeilen. Ich weiß, dass Deutschland mitgefiebert hat, dass ich die erste Wimbledonsiegerin seit Steffi bin. Darum freue ich mich darüber, was jetzt auf mich zukommt. Ich werde, bevor ich die Amerika-Reise starte, noch ein bisschen Urlaub nehmen. Das ist bei mir ganz oben. Das habe ich gelernt.

          Fußball-WM deutlich vor Kerber bei TV-Quoten

          Deutschlands Tennis-Star Angelique Kerber hat trotz des Wimbledonsieges am Samstag gegen Serena Williams (Vereinigte Staaten) im TV-Duell gegen „König Fußball“ deutlich den Kürzeren gezogen. Den Zweisatzsieg auf dem heiligen Rasen in London wollten bei der Live-Übertragung im ZDF nur 2,28 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 13,6 Prozent) sehen. Parallel dazu verfolgten in der ARD immerhin 8,53 Millionen Zuseher (MA: 52,7 Prozent) die Live-Übertragung vom  2:0-Erfolg der Roten Teufel aus Belgien im WM-Spiel um Platz drei gegen das Fußball-Mutterland England aus St. Petersburg. Die WM-Partie war damit immerhin Tagessieger im Ersten. Die zehnminütige Zusammenfassung des Kerber-Matches in der ARD sahen 2,71 Millionen (MA: 17,5 Prozent). Die Live-Übertragung von der Fortsetzung des Herren-Halbfinales zwischen Novak Djokovic (Serbien) und Rafael Nadal (Spanien) sahen im Zweiten ab 14.33 Uhr 1,55 Millionen Zuseher (MA: 12,7 Prozent). Das Erste war am Samstag Tagessieger mit 18,2 Prozent vor den dritten Programmen (13,3) und dem ZDF (11,9). (sid)

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