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Überraschung in Wimbledon : Sternstunde für Jule Niemeier

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Sternstunde in der ersten Runde: Jule Niemeier schlägt Anett Kontaveit Bild: AFP

Jule Niemeier bezwingt die in Wimbledon an Nummer zwei gesetzte Anett Kontaveit aus Estland in nicht mal einer Stunde Spielzeit. Auch Tatjana Maria und Oscar Otte erreichen die nächste Runde.

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          Jule Niemeier ließ den Schläger fallen, fasste sich ungläubig an den Kopf und schrie ihre Freude heraus. Die 22 Jahre alte Dortmunderin bezwang beim Rasen-Klassiker in Wimbledon mit einer ganz starken Leistung die Tennis-Weltranglistendritte Anett Kontaveit aus Estland und bejubelte eine Sensation. Für das 6:4, 6:0 und den Einzug in die dritte Runde benötigte Niemeier gerade einmal 58 Minuten.

          „Ich bin sprachlos, um ehrlich zu sein. Das Spiel auf Court 1 in Wimbledon zu gewinnen, ist ein großartiges Gefühl“, sagte Niemeier auf dem Platz. „Es ist eines der besten Matches, das ich je gespielt habe. Ich war ziemlich nervös vor dem Spiel.“

          „Ich liebe es, auf Gras zu spielen“

          In ihrem ersten Duell mit einer Top-Ten-Spielerin dominierte Niemeier nach ausgeglichenem Beginn die an Nummer zwei gesetzte Gegnerin nach Belieben. Für ihren größten Erfolg bei einem Grand Slam kassiert Niemeier mehr als 138.000 Euro und trifft nun auf Anhelina Kalinina oder Lessia Zurenko aus der Ukraine. „Ich liebe es, auf Gras zu spielen“, sagte Niemeier. „Es ist ein besonderer Untergrund, er passt zu meinem Spiel, ich liebe es.“

          Bundestrainer Barbara Rittner dürfte sich bestätigt fühlen, sie hat Niemeier schon länger auf dem Zettel, nicht erst für die Zeit nach der „goldenen Generation“ um Angelique Kerber. „Jule besitzt alle Waffen für eine Spitzenspielerin. Ich traue ihr die Top 20 in der Welt zu“, sagte Rittner dem WDR und lobte Niemeiers Spielintelligenz und das „unglaubliche Händchen“.

          Dass der Durchbruch ein paar Jahre später als erwartet kommt, führt Rittner auf Verletzungen und die Pandemie zurück. Zudem sorgte Niemeier vor und legte ihr Abitur ab. Mittlerweile setzt sie aber nur noch auf die Karte Tennis. Im vergangenen Jahr hatte sie noch ganz knapp den erstmaligen Sprung ins Wimbledon-Hauptfeld verpasst. Nun ist sie nach den French Open vor einem Monat überhaupt erst das zweite Mal bei einem Grand Slam dabei.

          Die Weltranglisten-97. zeigte von Beginn an im zweitgrößten Wimbledon-Stadion gegen Kontaveit keine Nerven. Ein Rückhandfehler der von Torben Beltz gecoachten Estin bescherte Niemeier das Break zum 3:2. Mit Übersicht und Spielwitz hielt sie den Vorsprung und nutzte ihren zweiten Satzball nach 32 Minuten mit einer fein plazierten langen Vorhand.

          Kontaveit wurde nervös, kassierte durch einen Doppelfehler direkt zu Beginn des zweiten Satzes ein abermaliges Break. Komplett beeindruckt lief bei der Estin, die in Wimbledon noch nie über die dritte Runde hinaus gekommen war, gar nichts mehr. Niemeier zog locker davon und nutzte erbarmungslos die Schwächen ihrer Gegnerin. Nach einem weiteren Fehler von Kontaveit war der Coup perfekt.

          Otte kampflos weiter

          Auch Tatjana Maria hat in der zweiten Runde von Wimbledon überrascht. Die zweifache Mutter gewann gegen die an Position 26 gesetzte Rumänin Sorana Cirstea 6:3, 1:6, 7:5 und stellte damit ihr bestes Ergebnis im All England Club ein. 2015 hatte Maria zum ersten Mal die dritte Runde erreicht. Die 34-Jährige war schon nach ihrem Auftaktsieg stolz gewesen auf ihren „ersten Grand-Slam-Sieg“ mit zwei Kindern gewesen. Im April 2021 brachte sie ihre zweite Tochter zur Welt und schaffte nach der Geburt schnell wieder den Anschluss.

          Beinahe zeitgleich hat Tennisprofi Oscar Otte nach nur 15 Minuten Spieldauer die dritte Runde erreicht. Sein Gegner Christian Harrison aus den USA gab  bereits beim Stand von 3:1 aus Sicht von Otte im ersten Satz auf. Maximilian Marterer, Qualifikant aus Nürnberg, verlor dagegen gegen Frances Tiafoe (USA/Nr. 23) 2:6, 2:6, 6:7 (3:7).

          Ohne den verletzt fehlenden Olympiasieger Alexander Zverev ist Otte damit der einzige deutsche Spieler, der die dritte Runde bei den Männern erreichte. Dort bekommt er es mit dem spanischen Jungstar Carlos Alcaraz oder Tallon Griekspoor aus den Niederlanden zu tun.

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