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Begeisterung in Wimbledon : Die faszinierende Welt der Tatjana Maria

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Tiefenentspannt: Tatjana Maria gilt als „unkompliziert“ Bild: AP

Die zweifache Mutter Tatjana Maria begeistert mit ihrem unkonventionellen Stil die Tennis-Welt. Die Tochter eines polnischen Handballers lebt mit ihrem französischen Ehemann in Florida.

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          Tatjana Maria ist in Wimbledon nur noch zwei Siege vom Sensationstitel entfernt. Nach dem Viertelfinalsieg im deutschen Duell mit Jule Niemeier trifft die 34-Jährige beim Rasen-Klassiker nun am Donnerstag auf die Weltranglisten-Zweite Ons Jabeur aus Tunesien. Die Geschichte der zweifachen Mutter Maria fasziniert die Tennis-Welt.

          Familie: Tatjana Maria ist als reisendes Familienunternehmen auf der Profitour unterwegs. Ihr französischer Ehemann Charles-Edouard ist zugleich ihr Manager und Trainer. Er entwirft auch ihre Matchpläne. In Wimbledon gehören die ersten Tennisstunden zunächst ihrer älteren Tochter Charlotte – die Achtjährige übt meist um 8.30 Uhr und wird der „nächste Champion“, wie ihre Mutter stolz erzählt. Als sie mit Charlotte schwanger war, spielte Tatjana Maria in der ersten Runde an der Church Road. Im ersten Jahr nach der Geburt erreichte sie Runde drei – bis zum laufenden Turnier war dies ihr bestes Resultat. Nun kam Cecilia vor 15 Monaten zur Welt und Maria spielt so gut wie nie zuvor.

          Wohnort: Die 1987 als Tatjana Malek in Bad Saulgau geborene Sportlerin wohnt seit ihrer Hochzeit 2013 mit ihrem Ehemann Charles-Edouard und ihrer Familie in Palm Beach an der Ostküste Floridas. In ihrer Nähe residieren berühmte Tennis-Nachbarinnen: Zu den Williams-Schwestern Venus und Serena pflegt sie Kontakt, mit Serena tauscht sie sich auch über das Muttersein aus. Wenn Familie Maria unterwegs ist, bekommt Tochter Charlotte digitalen Unterricht an der Florida Virtual School. Bis zum 1. August sind Ferien. „Die Lehrer sind meganett, rufen an, machen Tests“, berichtete Mama Maria, die liebend gern über ihre Doppelrolle spricht: „Das Wichtigste in meinem Leben ist, Mutter von zwei Kindern zu sein. Nichts wird das ändern.“

          Spielstil: Mit ihrem unorthodoxen Spielstil, der einzigartig auf der Tour ist und ein wenig aus der Zeit gefallen erscheint, entnervt Maria ihre Gegnerinnen. Auch auf der Vorhand spielt sie viele Bälle mit Unterschnitt. Sie ist extrem laufstark und kämpfte sich in Wimbledon auch bei Rückständen immer wieder in die Partien zurück. „Es wird jede Menge Slice-Bälle in diesem Match geben“, prognostizierte ihre Gegnerin Jabeur für das bevorstehende Halbfinale am Donnerstag. „Darauf müsst ihr euch einstellen.“

          Schicksalsschläge: Dass Tatjana Maria heute noch Tennis spielt, ist keineswegs selbstverständlich. Vor 14 Jahren wurde bei ihr eine Thrombose am Bein entdeckt. Sie schwebte in Lebensgefahr, weil nach einer Lungenembolie der Herzstillstand drohte. Es folgten Operationen. Im Dezember 2008 starb ihr Vater Heinrich, der früher polnischer Handball-Nationalspieler war und sie stets zu ihren Turnieren begleitet hatte. „Bei mir sind ein paar Sachen passiert, die einen automatisch stärker machen“, sagte sie in Wimbledon.

          Persönlichkeit: Maria tritt tiefenentspannt und zugleich stets gut gelaunt auf. Das Wort „unkompliziert“ beschreibe die 34-Jährige am besten, erzählt Barbara Rittner. „Man spürt, dass sie komplett in sich ruht, angekommen ist und ein ganz zufriedener Mensch ist“, sagte die Damen-Bundestrainerin über Maria. Rittner erinnert sich an zahlreiche Fed-Cup-Auftritte der Generation um Angelique Kerber, Julia Görges, Sabine Lisicki und Tatjana Maria. „Sie war immer die ausgeglichenste, die unkomplizierteste, mit den geringsten Ansprüchen. Sie tut der Stimmung einfach gut.“

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