https://www.faz.net/-gtl-8ix04

Wimbledon : Am schlimmsten erwischt es Djokovic

  • -Aktualisiert am

Folgt auf den Ausrutscher das Aus? Novak Djokovic muss ein 0:2 drehen. Bild: AP

Warten, Aufwärmen, Spielen, Aufhören, Anfangen: Der Regen spielt in Wimbledon eine Hauptrolle. Für Novak Djokovic ist der Schauer nach einem sensationellen Satzverlust aber ein Segen.

          2 Min.

          Dieser Regen zerrt an den Nerven. Seit Dienstag wird der Süden Londons immer wieder von Schauern heimgesucht. Stark genug, um Rasentennis für den Moment unmöglich zu machen, aber nicht so stark, dass ein Spieltag komplett abgesagt werden müsste. Und so ist es ein ständiges Hin und Her zwischen Ausrollen der Planen und wieder Einrollen, zwischen Warten, Aufwärmen, Spielen, Aufhören und wieder Anfangen. Nach einem trockenen Donnerstag bildete der Freitag den unseligen meteorologischen und auch spielerischen Tiefpunkt. Einigen Favoriten war es deutlich anzumerken, dass sie nicht in ihren Rhythmus kamen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Am schlimmsten erwischte es den „Unfehlbaren“. Novak Djokovic, seit Monaten ein Muster an Konstanz, stand auf Platz phasenweise neben sich. Dass die Nummer 1 aus Serbien gegen den aufschlagstarken Amerikaner Sam Querrey den ersten Satz im Tie-Break (6:8) verlor, war schon ungewöhnlich. Dass er den zweiten 1:6 abgab, ging als Sensation durch. In seinem Fall erwies sich die rege Schauertätigkeit in London als Segen. Um 20 Uhr Ortszeit unterbrach der Schiedsrichter das Spiel, somit erhält Djokovic an diesem Samstag die Chance, es frisch gestärkt besser zu machen.

          Das trifft auch auf die deutsche Hoffnung Alexander Zwerew zu. Die Lage für den 19 Jahre alten Hamburger ist allerdings weniger dramatisch. Er steht gegen den 34 Jahre alten Russen Michail Juschni im fünften Satz. Juschni, vor Jahren Stammgast unter den Top 20, hat sich im Spätherbst seiner Karriere und nach einigen Verletzungen seine Spielintelligenz bewahrt. Die genügte, um Zwerew vor Probleme zu stellen, der nach einem 6:0 im dritten Satz glaubte, den Widerstand gebrochen zu haben. Doch der Russe hatte nur Kraft gesammelt.

          Am Ende des Regentages stand es 6:4, 3:6, 6:0, 4:6, 2:1 (30:40) für den Deutschen, der wegen Rückenschmerzen mehrmals behandelt werden musste. Zwerew ist der letzte deutsche Spieler im Wettbewerb. Benjamin Becker schied unspektakulär gegen den Ukrainer Alexander Dolgopolow in vier Sätzen (7:6, 6:7, 3:6, 4:6) aus. Dustin Brown allerdings bot dem Favoriten Nick Krygios und den Zuschauern einen packenden Nachmittag. Sein Alles-oder-Nichts-Rasentennis funktionierte lange Phasen der Begegnung hervorragend.

          Sam Querrey steht vor einer großen Überraschung in Wimbledon.

          Auf seinen harten Aufschlag aufbauend, narrte der Niedersachse den an Position 15 gesetzten Australier immer wieder durch seine Volleys, vorzugsweise als Stop gespielt. „Am Ende waren es zwei, drei Bälle, die das Match entschieden“, sagte Brown, der trotz seiner Fünfsatzniederlage mit sich zufrieden war: „Ich habe gemacht, was ich mir vorgenommen hatte, Nick war eben ein bisschen besser.“ Die Zuschauer hatten auf jeden Fall ihren Spaß, und sogar Brown behauptete, trotz des 7:6, 1:6, 6:2, 4:6, 4:6 die Begegnung genossen zu haben.

          Auch andere Favoriten taten sich schwer. Die Weltranglistenerste Serena Williams sah bis kurz vor ihrem Matchball verzweifelt aus. Sie hatte lange Zeit ihre amerikanische Landsfrau Christina McHale durch haarsträubende Fehlschläge immer wieder ins Spiel gebracht. Hätte die Nummer 65 der Weltrangliste die Schwächen der Nummer 1 konsequent genutzt, ihr wäre die Überraschung gelungen. So endete die Auseinandersetzung 6:7, 6:2, 6:4 für Serena Williams.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Damit ging auch ein Traum für Annika Beck in Erinnerung. Die 22 Jahre alte Deutsche darf bei ihrer fünften Wimbledon-Teilnahme zum ersten Mal auf dem Centre Court spielen, weil sie die Auslosung nun auf die amerikanische Tennis-Ikone führt. „Ich habe mir gestern schon ein Ticket für den Centre Court besorgt, um wenigstens einmal als Zuschauerin die Atmosphäre kennen zu lernen“, sagte sie, nachdem sie die Weißrussin Alexandra Sasnowitsch 6:2, 6:1 bezwungen hatte.

          Für alle anderen deutschen Spielerinnen löste sich die nervige Warterei am Freitag im Nichts auf. Die Spiele von Angelique Kerber (gegen Carina Witthöft), Sabine Lisicki und Anna-Lena Friedsam wurden auf diesen Samstag verschoben. Erst zum vierten Mal in der 139-jährigen Historie von Wimbledon wird wegen des Wetters danach auch am mittleren Sonntag des zweiwöchigen Grand-Slam-Turniers gespielt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Mike Pence, wird nicht beim Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump kooperieren.

          Trump-Impeachment : Giuliani und Pence verweigern Kooperation

          Die beiden Vertrauten von Präsident Trump sehen sich durch die Verfassung geschützt und lassen eine Frist zur Vorlage von Dokumenten in der Ukraine-Affäre verstreichen. Den Amtsenthebungsprozess betrachtet Giulianis Anwalt als eine „verfassungswidrige, grundlose und illegitime Untersuchung“.
          Turki Al Sheikh fordert Leistung, sonst drohen Konsequenzen.

          Sportunternehmer : Der Fußballinvestor der Scheichs

          Turki Al Sheikh gilt als enger Vertrauter des saudischen Kronprinzen. In Ägypten setzte er mit dem FC Pyramids viel Geld in den Sand. Sein neues Projekt weckt mehr Hoffnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.