https://www.faz.net/-gtl-8zdsv

Start ins Grand-Slam-Turnier : Wimbledon sucht die neue Tennis-Queen

  • -Aktualisiert am

Lohn harter Arbeit: Angelique Kerber hat gute Erinnerungen an Wimbledon. Bild: dpa

Serena Williams ist schwanger, ihre Schwester Venus psychisch am Boden, Angelique Kerber anhaltend im Tief: Wer soll da Wimbledon gewinnen und neue Regentin werden? Es gibt einige Kandidatinnen.

          3 Min.

          Serena Williams freut sich auf ihr erstes Baby, und ihr Trainer ist nicht sicher, ob sie noch einmal auf die Tennis-Tour zurückkehren wird. „Sie wird nicht mehr spielen, wenn sie nicht davon überzeugt ist, weiter Grand-Slam-Turniere gewinnen zu können“, sagte Patrick Mouratoglou vor einigen Tagen. Angelique Kerber, ihre Nachfolgerin an der Spitze der Weltrangliste, hat in diesem Jahr 13 ihrer 32 Begegnungen auf der WTA-Tour verloren. Dass die 29 Jahre alte Kielerin immer noch nicht verdrängt worden ist, kennzeichnet die ganze Größe des Macht-Vakuums. Wenn an diesem Montag in London SW 19 das wichtigste Tennisturnier des Jahres beginnt, dann wird nach der neuen Queen von Wimbledon gesucht, aber auch nach einer neuen Regentin im Damentennis.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In Abwesenheit der Titelverteidigerin Serena Williams darf ihre Schwester Venus die Damen-Konkurrenz offiziell um 13 Uhr Ortszeit auf Platz 1 eröffnen. Aber das ist mehr eine Verbeugung vor der großen Karriere der 37 Jahre alte Amerikanerin als ein Hinweis darauf, dass sie in der Favoritenrolle gesehen würde. Nicht nur, weil sie körperlich über dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit hinaus ist, Venus Williams ist dazu in einer schlechten psychischen Verfassung. Vor drei Wochen war sie in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem ein 78 Jahre alter Mann starb. „Ich bin am Boden zerstört und untröstlich“, bekannte sie am Wochenende auf ihrer Facebook-Seite.

          Jelena Ostapenko befindet sich nach ihrem Triumph von Paris in Hochstimmung. Bilderstrecke

          Geht es nach den englischen Buchmachern, dann machen zwei Tschechinnen den Titel in Wimbledon unter sich aus. Petra Kvitova und Karolina Pliskova werden mit Quoten zwischen 55:10 und 60:10 mit Abstand an der Spitze der Buchmacherlisten geführt. Einerseits wegen der aktuellen Form. Die beiden gewannen die Vorbereitungsturniere in Birmingham und Eastbourne. Andererseits hat Petra Kvitova schon bewiesen, dass sie die Nerven und die Qualität hat, Wimbledon für sich zu entscheiden. 2011 und 2014 gewann sie die Trophäe.

          Ihre Verletzungen, unter anderem an der Schlaghand, die sie im Winter erlitt, hat sie überwunden. Sie war bei einem Einbruch in ihr Haus attackiert worden. Ihre Landsfrau Karolina Pliskova ist die konstanteste Spielerin des Jahres 2017, sie führt das Rennen zum WM-Finale nach Singapur an und hat schon zwei Turniere gewonnen. In den letzten drei Grand-Slam-Turnieren stand sie im Finale, im Halbfinale und im Viertelfinale.

          Hinter den beiden sind alle anderen schon deutliche Außenseiterinnen. Garbine Muguruza, Finalistin von 2015, wird im Schnitt noch am höchsten gehandelt (um 100:10), obwohl sie ansonsten in Wimbledon früh scheiterte und auch in diesem Jahr nicht nur Höhen erlebte, sondern auch einige Tiefen. Der Lokalheldin Johanna Konta trauen vor allem die Briten einiges zu. Ihr Vormarsch in der Weltrangliste bis auf Platz sieben ist zwar auch einigermaßen eindrucksvoll, doch ein großes Turnier hat sie noch nie gewonnen.

          Das kann Jelena Ostapenko von sich behaupten. Die 20 Jahre alte Lettin befindet sich nach ihrem Triumph von Paris in Hochstimmung. Ihr wuchtiges Spiel prädestiniert sie für Rasentennis. Eine alte Bekannte im erweiterten Favoritenkreis ist Caroline Wozniacki, die sich wieder auf Platz sechs der Rangliste vorgearbeitet hat.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Und natürlich ist die Vorjahresfinalistin Angelique Kerber in den Wettbüros nicht völlig in Vergessenheit geraten. Sie steht bei Quoten um 150:10. Die Kielerin präsentierte sich auf der Pressekonferenz in Wimbledon erholt und gut gelaunt nach den vielen Rückschlägen der vergangenen Monate mit dem negativen Höhepunkt der Erstrundenniederlage bei den French Open. „Ich denke nicht mehr an Paris. Ich freue mich sehr, wieder hier zu sein. Mit diesem Ort verbinde ich großartige Erinnerungen“, sagte sie.

          Auf eine von manchen erwartete Trennung von ihrem Trainer Torben Beltz hat Kerber verzichtet. „Ich bin jemand, der erst einmal die Fehler bei sich selbst sucht und sehr kritisch mit sich umgeht.“ In den vergangenen Wochen trainierte sie zu Hause im polnischen Ort Puszczykowo oder auf Mallorca „sehr hart“ auch an ihrer Fitness und der Beinarbeit. Da habe sie zuletzt Defizite ausgemacht.

          Dass bei einem frühen Scheitern in Wimbledon der Sturz vom ersten Weltranglistenplatz folgen wird, beschäftige sie nicht mehr groß: „Ich versuche, die Nummer 1 zu bleiben. Aber ich denke nicht an Zahlen, das Ranking oder Punkte, die ich verteidigen muss“, sagte Kerber bei der Presserunde mit den Top-Spielerinnen und -spielern. Von der Last, die von der Jagd nach der Spitzenposition ausgeht, kann auch Simona Halep ein Lied singen. Schon zweimal hätte die Rumänin die Deutsche von Platz eins verdrängen können. Doch sie verlor – zuletzt in Eastbourne – jeweils eine Runde zu früh.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Immerhin mal Resonanz

          FSV Mainz 05 : Immerhin mal Resonanz

          Den Mainzer Abwehrspieler Hack schmerzt, dass die Mentalität seiner Mannschaft angezweifelt wird. Das gemeinsame Verfolgen des Spiels des nächsten Gegners sollte nun den Teamgeist beflügeln.

          Topmeldungen

          Warten auf einen Bürgerkrieg: Anhänger der „Boogaloo“-Bewegung Mitte April in Concord, New Hampshire

          Boogaloo-Bewegung in Amerika : Sie wollen den Krieg

          Eine amerikanische Internet-Bewegung, die auf einen Umsturz sinnt, wittert in der Pandemie und den Protesten ihre Chance. Die „Boogaloo Boys“, die sich in vielen Städten unter die Demonstranten mischen, sind bewaffnet und gefährlich.
          Der bisherige amerikanische Botschafter Richard Grenell Ende Januar bei einer Pressekonferenz in Berlin

          Konflikt im Kosovo : Der diplomatische Stellvertreterkrieg

          Auf dem Balkan sind die EU und Washington von Verbündeten zu Gegnern geworden. Einer der wesentlichen Protagonisten ist Richard Grenell, bis vor kurzem amerikanischer Botschafter in Berlin.

          Probefahrt mit Tesla Model Y : Ick werd ein Berliner

          Als halbwegs kompaktes SUV erscheint das Model Y vertraut und fremd zugleich. Technisch eng verwandt mit dem vor Jahresfrist eingeführten Model 3. Der Qualitätseindruck ist typisch Tesla.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.