https://www.faz.net/-gtl-8zr1i

Tennis in Wimbledon : Die verwundbaren Vier

  • -Aktualisiert am

Andy Murray ist in Wimbledon bereits ausgeschieden Bild: AP

Von den großen Vier erreicht nur Roger Federer das Halbfinale von Wimbledon. Andy Murray und Novak Djokovic müssen indes erkennen: Auf Dauer lässt sich der Körper nicht betrügen.

          3 Min.

          In der ersten Woche wirkten sie noch unverwundbar. Aber die Jahre gehen auch an den besten Tennisspielern ihrer Epoche nicht spurlos vorüber. Im Halbfinale an diesem Freitag steht von den großen Vier, wie Roger Federer, Rafael Nadal, Andy Murray und Novak Djokovic ehrfurchtsvoll genannt werden, nur noch einer. Dass es ausgerechnet der Älteste ist, bedeutet keinen Widerspruch für die These, dass auch die größten Begabungen irgendwann die Quittung für die Dauerbelastungen bekommen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Federer spielt derzeit vor allem deshalb mit seinen fast 36 Jahren wie einst im Mai, weil er in der längsten Pause seiner Karriere seine Kraftreserven aufgetankt hat. Nach Wimbledon 2016 musste sich der Schweizer wegen einer Verletzung notgedrungen bis zum Ende des Jahres vom Spielbetrieb abmelden und gönnte sich eine lange Erholung.

          Nach seiner triumphalen Rückkehr mit drei Turniersiegen Anfang 2017 unterbrach er sein Programm wiederum – diesmal freiwillig für zehn Wochen. Dabei verzichtete er auf die French Open, um die Chancen zu erhöhen, sein letztes großes Karriereziel zu verwirklichen: Federer möchte zum achten Mal in Wimbledon gewinnen und damit alleiniger Rekordhalter an Einzeltiteln werden.

          Roger Federer ist der einzige Übrige aus dem vormaligen Favoritenkreis

          Während er am Mittwoch in seinem Viertelfinale den Vorjahresfinalisten Milos Raonic nach allen Regeln der Kunst zerpflückte (6:4, 6:2, 7:6), litten Andy Murray und Novak Djokovic Qualen. Murray konnte sein Match gegen den Amerikaner Sam Querrey wenigstens beenden. Doch in den letzten beiden Sätzen ließ ihn sein Körper im Stich.

          Der 30 Jahre alte Schotte vermochte sich kaum mehr zu bewegen, Querrey setzte sich 6:1, 6:1 durch. Djokovic gab gegen den Tschechen Tomas Berdych beim Stand von 6:7, 0:2 wegen Ellbogenschmerzen auf. Schon am Montag hatte sich Rafael Nadal gegen den Luxemburger Gilles Muller einen vergleichsweise schwachen Tag geleistet und war im Achtelfinale in fünf Sätzen ausgeschieden. Der 31 Jahre alte Spanier schaffte es einfach nicht, wie gewohnt Druck zu entwickeln. „Ich habe in ein paar Phasen gut gespielt, aber nicht in allen“, lautete die Selbsterkenntnis nach seinem 53. Saisonspiel. Federer ist in diesem Jahr erst 31 Mal offiziell angetreten.

          Was Murray und Djokovic aus Wimbledon mitnehmen, ist die Einsicht: Auf Dauer lässt sich der Körper nicht betrügen, er holt sich irgendwann seine Pausen. Murray plagen seit langem Beschwerden an der Hüfte. Mit großem medizinischen und physiotherapeutischem Aufwand gelang es ihm, die Schmerzen einigermaßen im Griff zu behalten. Die Leistungen aber begannen darunter in diesem Jahr zu leiden. Zehn Niederlagen in der ersten Saisonhälfte musste der Weltranglistenerste schon lange nicht mehr hinnehmen. Seine Bilanz ist zwar nicht ganz schlecht: Ein Turniersieg in Dubai, ein Finale in Doha, Halbfinalteilnahmen in Paris und Barcelona. Aber ein Murray in bester Verfassung würde deutlich mehr erreichen.

          Er tat alles, um für Wimbledon richtig fit zu werden. Aber im Nachhinein hätte er wie Federer auf Paris verzichten sollen: „Wir haben nach kurzfristigen Lösungen gesucht. Sie haben dazu geführt, dass ich fünf Spiele in Wimbledon gewann, und auch im sechsten Match war ich nicht Millionen Meilen vom Sieg weg. Wenn ich den zweiten Satz gewonnen hätte, wäre ich vielleicht in drei Sätzen durchgekommen.“

          Dass die Schmerzen immer größer geworden sind, sei aber ein schlechtes Zeichen. Deshalb werde er sich mit seinem Team zusammensetzen und beraten, was in Zukunft zu tun ist. Er setzt nun auf eine langfristige Lösung und brachte eine längere Erholungsphase ins Gespräch: „Vielleicht sind sechs, sieben Wochen Pause bis zu den US Open gut.“

          Novak Djokovic gab wegen einer Verletzung vorzeitig auf.

          Noch länger könnte Djokovic fehlen. Gegenüber serbischen Journalisten hielt der 30-Jährige einen Rückzug bis zum Jahresende für möglich. Seit anderthalb Jahren beeinträchtigen Ellbogenschmerzen sein Spiel. Er habe verschiedene Spezialisten um Rat gefragt, aber unterschiedliche Auskunft erhalten. „Ich will keine Details diskutieren, aber eine eindeutige Diagnose habe ich nicht erhalten.

          Teilweise widersprachen sich die Auskünfte der Ärzte.“ Der Serbe behauptet, die Verletzung habe ihn in den vergangenen Monaten kaum abgelenkt: „Das gehört zum Beruf des Tennisspielers, deshalb haben wir so ein großes Team um uns herum, um mit Verletzungen zu leben.“ Aber nun sei ein Ende erreicht. Er wolle nicht länger über die Beschwerden hinweg spielen: „So schlimm waren die Schmerzen noch nie.“

          Federer hat die Konsequenzen aus seinen Erfahrungen gezogen und sich die nötigen Regenerationszeiten genommen. Im Vorjahr war er im Halbfinale an Raonic gescheitert, weil ihm Rücken und Knie weh taten. In diesem Jahr waren seine Vorstellungen bisher makellos. Deshalb gilt er nicht nur in seinem Halbfinale gegen Berdych als der große Favorit, sondern auch in einem möglichen Endspiel, einerlei, ob der Kroate Marin Cilic oder der Amerikaner Sam Querrey sein Gegner sein würde. „Wer Favorit ist, ist doch egal“, sagt Federer, ihm sei etwas ganz anderes wichtig: „Vor einem Jahr dachte ich nur, wie schone ich mich, damit ich heil aus den Spielen herauskomme. Jetzt denke ich nur an meine Taktik und mein Spiel“.

          Weitere Themen

          „Es muss alles besser werden“

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Wer san mia denn jetzt?

          Notlage beim FC Bayern : Wer san mia denn jetzt?

          Die Bayern 2019 sind die rätselhaftesten des Jahrzehnts: Sie kassieren frühe Rückstände, verspielen Vorsprünge, verschleudern Chancen, beschenken unterlegene Gegner, und auch das Sieger-Genom wirkt nicht mehr. Was ist nur los?

          Topmeldungen

          Borussia Dortmund : Favre und die Anzeichen der Entfremdung

          Lucien Favre ist in eine hochkomplizierte Lage hineingeraten. Obwohl keiner der Verantwortlichen den Trainer öffentlich kritisiert, dürfte er keine große Zukunft bei Borussia Dortmund haben. Wie konnte das nur passieren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.