https://www.faz.net/-gtl-8zsa0

Elftes Wimbledon-Finale : Federer ist einfach nicht zu stoppen

  • -Aktualisiert am

Fast geschafft: Federer schlug seinen Gegner mit 7:6 (7:4), 7:6 (7:4). Bild: dpa

Wer soll Roger Federer auf dem Weg zum achten Triumph in Wimbledon aufhalten? Marin Cilic wird es im Finale versuchen, aber die Vorzeichen sind eindeutig. Der Schweizer hat noch keinen Satz verloren – und steht kurz vor der Krönung seiner Karriere.

          3 Min.

          Nur noch ein Sieg fehlt Roger Federer, dann hätte er sein großes Karriereziel erreicht. Wenn der 35 Jahre alte Schweizer am Sonntag den Kroaten Marin Cilic bezwingt, dann kann ihm niemand mehr den Titel König von Wimbledon streitig machen. Was für Boris Becker das Wohnzimmer war, wäre dann für Federer der Königspalast. Bis jetzt muss sich Federer noch den Rekord mit dem Amerikaner Pete Sampras teilen, beide triumphierten auf dem heiligen Rasen bis jetzt sieben Mal im Herrreneinzel.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Der 18-malige Grand-Slam-Sieger hat in Wimbledon bislang den kürzesten Weg zur Krönung genommen: In keinem seiner sechs Matches verlor er einem Satz. Das Halbfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych mutete allerdings nicht wie ein Spaziergang an. Federer zeigte beim 7:6 (7:4), 7:6 (7:4) und 6:4 zwar sein ganzes Repertoire hinreißender Schläge, doch diesmal streute er auch den ein oder anderen Fehler ein. Berdych, seit Jahren konstant Mitglied der Top Ten im Tennis, spielte am oberen Rand seiner Möglichkeiten. Und so hatte es Federer am Ende vornehmlich seinem Aufschlag zu verdanken, dass es nicht noch knapper wurde.

          Eine Demonstration eiserner Nerven

          Ein Zeichen, für den Druck, den der Tscheche aufbaute: Er erspielte sich sechs Breakbälle, von denen er jedoch nur einen im ersten Satz zum 4:4-Ausgleich verwandeln konnte. Wobei verwandeln nicht der richtige Ausdruck ist – Federer unterlief ein Doppelfehler. Und so war sein frühes Break dahin. Berdych hielt bis in den Tie-Break dagegen. Und auch als er diesen 4:7 verloren hatte, gab der Tscheche keinen Fußbreit nach. Im zweiten Satz vermochten beide Spieler ihren Aufschlag zu halten, und so musste wieder der Tie-Break entscheiden. Die Extraklasse der Champions zeigt sich jedoch in den wichtigsten Momenten. Und so war es auch diesmal.

          Nach einer Reihe direkter Punkte gewann Federer den Tie-Break wieder 7:4. Noch eindrucksvoller reagierte der Schweizer im dritten Satz, beim Stand von 2:3, 15: 40. Er wehrte die beiden Breakbälle jeweils mit einem As ab, legte dann einen ersten Aufschlag nach, den Berdych nur berühren konnte, und beendete das Spiel mit einem weiteren As ab. Die Demonstration eiserner Nerven zeigte bei beiden Spielern Wirkung. Federer drehte noch ein bisschen mehr auf, Berdych knickte ein bisschen ein. Umgehend verlor er seinen Aufschlag und wenige Minuten später war der Fall erledigt.

          „Er ist schneller und besser denn je“

          „Ich kann es fast nicht glauben, es geschafft zu haben. Viele Spieler stehen in ihrer ganzen Karriere nicht einmal im Endspiel von Wimbledon und ich habe das Privileg, zum achten Mal das Turnier gewinnen zu können“, sagte Federer überglücklich. Berdych übernahm die Rolle des fairen Verlierers: „Ich kann nur gratulieren, er spielt unglaublich. Ich habe kein einziges Anzeichen für sein Alter entdeckt, er ist schneller und besser denn je.“ Federer ist nun nach dem Australier Ken Roswall der älteste Wimbledon-Finalist im Profitennis (seit 1968). Der Australier war bei 1974 seiner Niederlage gegen Jimmy Connors 39 Jahre alt.

          Marin Cilic heißt der Gegner, der Federers Rekordversuch scheitern lassen will. Der 28 Jahre alte Kroate hatte im ersten Semifinale Sam Querrey 6:7 (6:8), 6:4, 7:6 (7:3) und 7:5 besiegt. Der Amerikaner, der sich im Viertelfinale über Andy Murray hinweggesetzt hatte, hielt die Begegnung vornehmlich mit seinem Aufschlag lange offen. Sobald die Ballwechsel länger andauerten, hatte der Kroate Vorteile. Cilic vermag Schlaghärte mit Spielintelligenz zu verbinden. Seit Jahren zählt er zur Weltspitze, von 2008 an gewann er in jedem Jahr mindestens einen Titel auf der ATP-Tour. Den größten Triumph feierte Cilic mit seinem Sieg bei den US Open 2014.

          Roger Federer nach seinem Sieg

          Damals machte er im Halbfinale gegen Federer das Spiel seines Lebens, traf jeden Ball, wie er wollte und demütigte den Schweizer in drei Sätzen. Und auch im Wimbledon-Viertelfinale des vergangenen Jahres hatte der Kroate seinen Finalgegner am Rande einer Niederlage. „Es war ein brutales Match und extrem kompliziert, nach Matchball gegen mich noch zu gewinnen. Da hatte ich viel Glück“, sagte Federer. Genauso ist ihm das Scheitern in New York 2014 im Gedächtnis: „Damals hat er mich einfach weggeschossen. Ich hoffe, er spielt nicht wieder so gut.“

          Bei seinen bisherigen Auftritten in Wimbledon zeigte der fast zwei Meter große Cilic zwar sein großes Potential und sein Händchen für Rasentennis – in Überform jedoch spielte er noch nicht. Nach vier Dreisatzsiegen, darunter gegen die Deutschen Kohlschreiber und Mayer, musste er sich gegen Nadal-Bezwinger Gilles Muller ziemlich strecken, bis er sich in fünf Sätzen durchgesetzt hat. Vor dem finalen Duell äußerte der freundliche Riese respektvoll gegenüber Federer, aber auch kampfesmutig: „Roger spielt das beste Tennis seiner Karriere auf diesem Belag. Und er fühlt sich in Wimbledon zuhause. Aber ich werde mich auf mein Spiel konzentrieren und versuchen, es durchzubringen.“

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Anna-Lena Grönefeld verpasste mit ihrer Doppel-Partnerin Kveta Peschke den Final-Einzug. Die 32-Jährige aus Nordhorn musste sich gemeinsam mit der zehn Jahre älteren Tschechin dem an Nummer zwei gesetzten russischen Duo Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina mit 5:7, 2:6 geschlagen geben. Im Endspiel der Damen stehen sich am Samstag (15.00 Uhr MESZ/Sky) die fünfmalige Wimbledonsiegerin Venus Williams aus den Vereinigten Staaten und die Spanierin Garbiñe Muguruza gegenüber. (dpa)

          Weitere Themen

          Zverev zweifelt

          Tennis : Zverev zweifelt

          „So wie ich heute gespielt habe, werde ich niemanden schlagen“, hadert Zverev nach der Niederlage gegen den Amerikaner Fritz. Seine Teilnahme am ATP-Finale in London ist akut gefährdet.

          Einer, der alles gibt

          Handball-Nationalspieler Böhm : Einer, der alles gibt

          Der energische Draufgänger Fabian Böhm könnte in der Nationalmannschaft bald eine Hauptrolle übernehmen, obwohl er ein Spätstarter ist. Was aber macht den Handball-Profi so stark?

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.