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Deutsche Frauen in Wimbledon : Auf dem Weg nach übermorgen

  • -Aktualisiert am

Tatjana Maria tingelt mit ihrer Familie durch die Tennis-Welt: die achtjährige Tochter Charlotte spielt schon einen schönen Slice Bild: Reuters

Angelique Kerber, Tatjana Maria und Jule Niemeier helfen mit ihren Siegen in Wimbledon, eine fehlende Tennis-Generation zu überbrücken. Die Bundestrainerin zeigt sich optimistisch.

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          Also, Tatjana Maria kann man wirklich nicht vorwerfen, sie kümmere sich nicht um die Qualität des deutschen Frauentennis. Die Gegenwart hat sie selbst in der Hand, vor allem, wenn auf Rasen gespielt wird wie dieser Tage in Wimbledon. Auf diesem Boden punktet sie besonders gern und gut mit ihrem Vorhand- und Rückhand-Slice; einer Spielweise, die bei den Gegnerinnen nicht arg beliebt ist, weil sie gewöhnungsbedürftig ist. Mit einem Sieg gegen die an Nummer 26 gesetzte Rumänien Sorana Cirstea landete sie zum zweiten Mal in ihrer Karriere in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers.

          Und kurioserweise hatte sie in beiden Fällen im Jahr zuvor ein Kind bekommen – 2014 die erste Tochter, Charlotte, im vergangenen Jahr die zweite, Cecilia. Mit beiden Kindern und Ehemann Charles Maria, der auch ihr Coach ist, tingelt die Familie durch die Welt. Tatjana ist jetzt 34 Jahre alt, gehört also zur Generation von Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Julia Görges, die nicht mehr lange spielen werden oder schon zurückgetreten sind.

          Und wenn nicht alles täuscht, dann könnte die Familie Maria dem deutschen Tennis vor allem in fernerer Zukunft Gutes tun. Charlotte, die acht Jahre alt ist, hat in der Corona-Pause das Tennisspiel für sich entdeckt, und die Mutter findet, das Kind habe Talent und könne es kaum erwarten, bei den Großen mitzuspielen. Auch Charlotte spielt schon Slice, was den Eltern gut gefällt. „Sie muss ihren Spielstil selber finden“, sagt Tatjana Maria, „aber es ist auch wichtig, dass sie weiß, dass Tennis nicht nur aus bummbumm und Draufhauen besteht.“

          Mal sehen, wie weit Charlotte Maria in ein paar Jahren ist, wenn Jule Niemeier zu den besten 20 der Weltrangliste gehört. Oder zu den Top 10? Wer weiß das schon? Aber was die zuletzt beste deutsche Spielerin der jungen Generation in diesem Jahr zeigt, das gibt Anlass zur Hoffnung. Souverän besiegte sie die an Nummer zwei gesetzte Estin Anett Kontaveit (6:4, 6:0), und vor allem die fast selbstverständliche Art, wie sie das tat, machte Eindruck.

          Zugegeben, Kontaveit hatte einen schlechten Tag erwischt, aber man muss erst mal alles hinkriegen, wenn man gegen die Nummer zwei der Welt und auf einer der größten Bühnen der Welt spielt. In Paris bei den French Open hatte sie einer anderen routinierten Gegnerin, Sloane Stephens aus der USA, sehenswert Paroli geboten, aber am Ende verloren. Diesmal gab es im zweiten Satz kaum noch Zweifel, dass Jule Niemeier gewinnen würde. Sie habe die ganze Situation ziemlich gut im Griff gehabt, meinte sie hinterher, „aber selbst wenn ich es verloren hätte, wäre es eine gute Erfahrung gewesen“.

          Nach ihrem Überraschungscoup gab sich Jule Niemeier  selbstbewusst: „Ich glaube, dass ich fast jede Gegnerin schlagen kann, die hier ist“.
          Nach ihrem Überraschungscoup gab sich Jule Niemeier selbstbewusst: „Ich glaube, dass ich fast jede Gegnerin schlagen kann, die hier ist“. : Bild: dpa

          Niemeier trainiert seit ein paar Monaten mit dem früheren Profi Christopher Kas, sie hat einen bemerkenswert guten und harmonischen Aufschlag, und mit ihrer Vorhand macht sie Dampf. In der Weltrangliste steht sie auf Platz 97, und gäbe es in Wimbledon Punkte zu gewinnen, dann käme sie mit dem Erreichen der dritten Runde weiter nach vorn. Aber aus Protest gegen die Aktion des All England Clubs, russische und belarussische Spielerinnen und Spieler vom Turnier auszuschießen, beschlossen die Frauentennis-Organisation WTA und die Männertennis-Organisation ATP, keine Punkte zu verteilen.

          Im Doppel mit Petkovic eine Runde weiter

          Was sie davon hält? „Ich hab vorher schon gesagt, ich bin noch relativ neu dabei, deshalb wäre es ein bisschen respektlos, das nicht einfach zu genießen, hier zu sein. Gerade in meinem Alter, in meiner Position, leg ich sowieso nicht viel Wert auf Punkte.“ Ebenso gut sortiert wie im Spiel wirkte sie beim Siegerinterview auf Court 1; es hörte sich so an, als habe sie solche Reden schon zehnmal gehalten. Für Jule Niemeier geht es an diesem Freitag mit Runde drei gegen Lesia Zurenko aus der Ukraine weiter, vorher hat sie am Donnerstag mit Andrea Petkovic schon mal die nächste Runde im Doppel erreicht. „Ich glaube, dass ich fast jede Gegnerin schlagen kann, die hier ist“, sagt Deutschland Beste unter den Jungen, die für die Gegenwart und die nahe Zukunft steht.

          Sie sei für jeden Monat dankbar, in dem Angelique Kerber, Andrea Petkovic oder auch Tatjana Maria noch spielen, sagt Bundestrainerin Barbara Rittner. Sie ist optimistisch, die Lücke einer fehlenden Generation überbrücken zu können, zu der hoffnungsvolle Spielerinnen wie Carina Witthöft gehörten. Talent ist eine Sache, aber am Ende muss mehr zusammenpassen, wie das Beispiel von Angelique Kerber beweist, die den ersten ihrer drei Grand-Slam-Titel mit 28 gewann. „Auch damals bei Angie, Petko oder Jule Görges haben mich einige Leute teilweise belächelt, wenn ich gesagt habe, eine aus dieser Generation wird einmal einen Grand-Slam-Titel gewinnen“, sagt die Bundestrainerin. „Gerade auch bei Angie, von der ich früh gesagt habe, dass sie Wimbledon gewinnen kann, weil ihr Spiel auf Rasen hervorragend funktioniert.“ Ohne Geduld, Glück und Konsequenz wird es jedoch nicht gehen auf dem Weg nach morgen oder übermorgen.

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