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Simona Halep in Wimbledon : Ein Sieg, der schöner ist als jeder Traum

  • -Aktualisiert am

Sieg auf dem heiligen Rasen: Simona Halep gewinnt das Wimbledon-Finale. Bild: EPA

Nach gerade 56 Minuten gewinnt Simona Halep das Finale in Wimbledon. Das Publikum reagiert mit einer Mischung aus Staunen und Begeisterung. Und Verliererin Serena Williams ist einigermaßen ernüchtert.

          Manchmal wissen Mütter einfach, was das Beste ist. „Wenn du wirklich Tennis spielen willst, dann musst eines Tages in einem Finale in Wimbledon sein“, erklärte Tania Halep vor mehr als 20 Jahren in Constanta, eine rumänischen Küstenstadt am Schwarzen Meer, ihrer kleinen Tochter.

          Aufmerksame Beobachterinnen: Herzogin Kate (links) und Herzogin Meghan

          Am Samstagnachmittag stand diese Tochter in einem offenen weißen Strickjäckchen mit der berühmten Silberschale in den Händen auf dem Centre Court und ließ die Welt mit dem schönsten Lächeln wissen: „Und dieser Tag ist gekommen.“ Aber weder Mutter noch Tochter hätten sich in ihren kühnsten Träumen je vorstellen können, wie überwältigend gut Simona Halep beim Sieg in nur 56 Minuten (6:2, 6:2) gegen Serena Williams spielen würde.

          Es ist ja nicht so, dass sich vor der Partie um den Titel keiner vorstellen konnte, die Rumänien habe eine Chance. Seit sie vor etwas mehr als einem Jahr bei den French Open den Titel gewann und damit die Albträume von zuvor drei verlorenen Endspielen vertrieb, ist sie auf dem Tennisplatz eine andere Person – und außerhalb auch. Gelassener, zuversichtlicher, überzeugt von den eigenen Fähigkeiten. Als sie dann noch während des Turniers erklärte, sie habe nach einer Lehrzeit von sieben Jahren endlich begriffen, wie man auf Rasen spielen müsse, da ergab sich daraus mehr als nur eine Idee. Von Simona Halep, keine Frage, drohte Gefahr.

          Serena Williams war im Laufe des Turniers von Spiel zu Spiel besser ins Schwung gekommen, rechtzeitig zum Finale, in dem es auch wieder um den ominösen 24. Grand-Slam-Titel ging, wie schon im vergangenen Jahr gegen Angelique Kerber und ein paar Wochen später bei den US Open in New York gegen Naomi Osaka. Sie selbst sagte vor dem Finale, diese Rekordzahl, mit der sie die Australierin Margaret Court erreichen würde, beschäftige sie nicht; in ihrer Karriere gehe es längst nicht mehr um Zahlen. Dem widersprach allerdings ihr langjähriger Coach Patrick Mouratoglou. Einer der Gründe, warum sie nach der Geburt ihrer Tochter Olympia zurückgekommen sei, wäre ohne Frage der Rekord gewesen, ließ er wissen.

          Wie auch immer; Serena Williams hatte an diesem Nachmittag unter dicken Wolken in Wimbledon keine Sekunde Zeit mehr, sich über die Geschichte des Tennis oder über ihren achten Einzel-Titel im All England Club Gedanken zu machen. Simona Halep schnellte nämlich wie ein Rennpferd aus der Box, und ehe ihre Gegnerin auch nur ansatzweise ein Gefühl für das Spiel entwickeln konnte, führte sie nach elf Minuten schon 4:0.

          Das Publikum reagierte mit einer Mischung aus ratlosem Staunen und wachsender Begeisterung für die Art, wie Halep auch nach dem ersten Schwung mit vollem Tempo weiter rannte und nicht den Hauch eines Hauches von Zweifel zuließ, dass sie bis zum Ende so weitermachen würde. Das schnelle Ende kam beim ersten Matchball nach weniger als einer Stunde, danach sank die Siegerin auf die Knie. Und beim Weg danach zum Netz hielt sie die Hand auf den Mund, als frage sie sich und alle die Leute drumherum: „Uups, hab ich das wirklich gemacht?“ Besser habe sie nie gespielt, meinte sie wenig später bei der Siegerehrung, und dafür steht auch eine bemerkenswerte Zahl: Im ganzen Spiel unterliefen ihr nicht mehr als drei unerzwungene Fehler, einer im ersten Satz und im zweiten Satz zwei.

          Für Serena Williams endete dieses dritte Finale innerhalb eines Jahres bei einem Grand-Slam-Turnier mit der dritten Niederlage, und in allen drei Spielen gewann ihre Gegnerin jeweils mit überraschender Deutlichkeit. Vielleicht wäre es für die Amerikanerin eine Hilfe, wenn sie auch mal wieder bei einem kleineren Turniers ein Finale spielen würde, um dann im nächsten großen besser vorbereitet zu sein, meinte sie eine Stunde nach der Niederlage. „Ich muss einfach wieder rausfinden, wie ich Finals gewinnen kann“, sagte sie und wirkte dabei verständlicherweise einigermaßen ernüchtert.

          Für Simona Halep, die aus Rumänien angereiste Familie, ihren Mentor Ion Tiriac und dem Rest des Teams flog dieser Tag wie auf einem Sonnenstrahl von einem wunderbaren Augenblick zum nächsten. So sieht es wohl aus, wenn Hoffnung und Gewissheit mit Mut und Tatkraft vereint zu einem Ende führen, das schöner ist als jeder Traum. Wimbledon trug die neue Siegerin auf Händen, und sie hatte es verdient.

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