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Tennis in Wimbledon : Die Zweifel an Serena Williams werden größer

  • -Aktualisiert am

Reichen zehn Tage Vorbereitung auf Wimbledon für Serena Williams? Bild: AP

Seit der Rückkehr nach der Geburt ihrer Tochter hat sie kein Turnier mehr gewonnen. Vor Wimbledon kam eine knifflige Vorbereitung dazu. Nicht alle glauben mehr fest an einen nächsten großen Titel für Serena Williams.

          Serena Williams lebt in ihrer ganz eigenen Sphäre. Die amerikanische Tennis-Ikone hat nach 23 Grand-Slam-Titeln in ihrer beispiellosen, nun schon mehr als zwei Jahrzehnte währenden Karriere die Grenzen des Sports hinter sich gelassen. Die 37-Jährige ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, eine bewunderte Kämpferin für die Belange der Frau, und sie übt über die sozialen Medien einen großen Einfluss aus, wenn sie sich zu gesellschaftlichen oder anderen Phänomenen äußert, die ihr Interesse wecken.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf so viele verschiedene Dinge, dass sie die ein oder andere nicht ganz unbedeutende Entwicklung im Tennis gar nicht mehr so richtig mitbekommt. Vor ihrem ersten Match in Wimbledon an diesem Dienstag (17.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon und bei Sky) gegen die italienische Qualifikantin Giulia Gatto-Monticone wurde sie von der Nachricht überrascht, dass die Australierin Ashleigh Barty derzeit auf Platz eins der Weltrangliste steht. Die Position, die sie in ihrer Laufbahn selbst 319 Wochen lang innehatte. Im Moment belegt sie Rang zehn und die Zweifel werden größer, dass die Amerikanerin noch einmal den Tennis-Thron erobern kann.

          Seit ihrer Rückkehr im März 2018 nach der Geburt ihrer Tochter Olympia hat sie kein Turnier mehr gewonnen. Als Serena Williams 2018 in Wimbledon das Finale erreichte, glaubten die meisten Experten, es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sie den nächsten Titel gewänne. Nur ein bisschen mehr Fitness benötige sie, um sich Gegnerinnen wie Angelique Kerber nicht mehr beugen zu müssen. Doch auch bei den US Open verlor sie das Endspiel (gegen die Japanerin Naomi Osaka), und seitdem kam sie einem Turniersieg nicht mehr so nahe. Was vor allem an ihrer angeschlagenen Gesundheit lag. Eine langwierige Infektionskrankheit und anhaltende Schmerzen im linken Knie führten dazu, dass sie mit nur zwölf Matches Spielpraxis auf Tour-Niveau nach Wimbledon anreiste. Nur vier ihrer 127 Kolleginnen spielten 2019 weniger, 105 mindestens doppelt so häufig.

          Drei Turniere musste sie abbrechen, bei ihrem letzten Auftritt im Stade Roland Garros unterlag sie ihrer Landsfrau Sofia Kenin in der dritten Runde der French Open in zwei Sätzen – offensichtlich gehandicapt. Ihr Trainer Patrick Mouratoglou bekannte, dass Serena Williams die ganze Vorbereitung und das ganze Turnier über von großen Schmerzen geplagt gewesen sei. „Es ging nicht darum, die Schläge bestmöglich auszuführen, sondern darum, mit den Schmerzen zurechtzukommen“, sagte der Franzose.

          Auf die Frage, ob ein Start in Paris sinnvoll gewesen sei, antwortete der langjährige Coach: „Sich über Schwierigkeiten hinwegzusetzen ist Teil ihrer Nummer-eins-Qualität. Sie glaubte, es trotz der Schmerzen irgendwie schaffen zu können. Diesen unbändigen Glauben an die eigenen Fähigkeiten will ich ihr nicht nehmen.“ Für Wimbledon seien die Voraussetzungen für einen Erfolg ungleich besser: „Es ist der Himmel, Serena hat keine Schmerzen mehr.“ Die Behandlung eines befreundeten Arztes Mouratoglous in Paris schlug an. Einzelheiten über die Verletzung gab der Trainer nicht preis: „Aber es war keine allzu große Sache, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.“

          Allerdings konnte Serena Williams erst Mitte Juni mit der Vorbereitung auf Wimbledon beginnen. Am ersten Tag spielte sie nur eine halbe Stunde Tennis, um den Körper langsam an die Belastung zu gewöhnen. Vom vierten Tag an absolvierte sie dann ihr gewohntes Programm. „Ich hatte gute anderthalb Wochen“, sagte sie am Samstag – eine sehr kurze Zeitspanne, um nach einem schlechten halben Jahr richtig in Form zu kommen. Das weiß auch Mouratoglou, glaubt aber dennoch an die Stärke seiner Spielerin: „Serena ist Serena. Sie ist ein Champion. Und ihre Waffen sind auf keinem anderen Belag so wirkungsvoll wie auf Rasen. Immerhin konnten wir uns so vorbereiten, wie wir wollten, und mussten keine Rücksicht auf irgendwelche Beschwerden nehmen.“

          Zehnmal stand die Amerikanerin in Wimbledon im Endspiel, siebenmal durfte sie die Siegestrophäe in die Höhe stemmen. Ihre harten Aufschläge und Grundlinienschläge sind immer noch eine Herausforderung, der die wenigsten Gegnerinnen gewachsen sind. Aber sobald Serena Williams einen Ball erlaufen muss, wird es schwierig für sie. Ehemalige Tennis-Größen wie Chris Evert und Tracy Austin wagen das auch auszusprechen. „Sie ist zwei Schritte langsamer geworden, es fehlt ein bisschen Fitness und ein bisschen Selbstvertrauen. Aber abschreiben will ich sie nicht“, sagt Chris Evert. Tracy Austin meint: „Sie muss sich mit Vollgas bewegen können, sonst wird es schwer.“

          Mouratoglou glaubt, dass Serena Williams mit jedem Tag besser werde. „Wir bauen etwas von einem grundsoliden Fundament auf.“ Aber der Spielplan setzt seiner Spielerin nach dem vermeintlich leichten Auftakt eine schwere Herausforderung nach der nächsten vor. Schon in Runde drei könnte Julia Görges warten, ihre Halbfinal-Gegnerin 2018, im Achtelfinale wäre Angelique Kerber eine mögliche Widersacherin, der sie ihm Endspiel unterlag – und im Viertelfinale könnte Ashleigh Barty warten. Spätestens dann würde ihr die neue Nummer eins der Weltrangliste so richtig ins Bewusstsein rücken.

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