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Sabine Lisicki : „Ich liebe diesen Platz so sehr“

Rechtzeitig aufgewacht: Sabine Lisicki zieht in die dritte Runde ein Bild: AFP

Im ersten Satz desolat, im zweiten dann besser und im dritten richtig stark: Der Rasen von Wimbledon gibt Sabine Lisicki das nötige Selbstvertrauen – und lässt sie sich rechtzeitig steigern. Auch Angelique Kerber erreicht die dritte Runde.

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          Christopher Kas rutschte etwas unruhig auf seinem Sitz hin und her, und das lag nicht an der berühmtem Besucherin des Centre Court. Für die Herzogin von Cornwall, der Gattin von Prinz Charles, hatte Kas keinen Blick übrig, er konzentrierte sich ganz auf seine Spielerin Sabine Lisicki. Das war auch bitter nötig, denn die Berlinerin steckte in argen Schwierigkeiten, aber sie fand letztlich doch noch rechtzeitig den Ausweg. Nach dem 2:6, 7:5 und 6:1 über die Amerikanerin Christina McHale steht sie ebenso in der dritten Runde des Wimbledonturniers wie Angelique Kerber, die beim 7:5 und 6:2 über die Russin Anastasia Pawljutschenko ihren souveränen Auftritten in der bisherigen Rasensaison einen weiteren hinzufügte.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sabine Lisicki und der Centre Court von Wimbledon - das ist eine ganz besondere Beziehung. Es ist ihr Lieblingsplatz, es ist der Platz ihres größten Erfolges, und gleichzeitig natürlich auch der Platz ihrer größten Niederlage. 2013 hat sie hier das Finale gegen die Französin Marion Bartoli verloren. Ob dies eine einmalige Chance bleiben wird, das prestigeträchtigste Turnier der Welt tatsächlich zu gewinnen, wird sich erst noch weisen. Denn wann immer die Spielerinnen genannt werden, die Serena Williams den für sie wie reserviert erscheinenden Pokal am Samstag in einer Woche streitig machen könnten, dann fällt der Name Lisicki. Mit ihrem Aufschlag ist sie eine Gefahr für jede Gegnerin, und an guten Tagen, an denen ihre harten Grundschläge auch noch im Feld landen, kann sie jede schlagen, auch Serena Williams.

          Kein guter Tag – zunächst

          Was Kas aber sah, und was ihn so unruhig machte, war dies: Es war kein guter Tag, es war keines dieser Spiele, an denen alles wie von alleine läuft. „Ich wollte unbedingt gut spielen, ich liebe diesen Platz so sehr“, sagte Sabine Lisicki hinterher. Doch wenn man etwas unbedingt will, bedeutet dies nicht automatisch, dass man es auch bekommt, und vielleicht wollte die Deutsche auch alles zu sehr auf einmal. Sie verlor im ersten Satz gleich zweimal ihren Aufschlag, den doch alle so sehr fürchten. Beim Turnier in Birmingham hatte sie zuletzt 27 Asse in einer Partie geschlagen und damit einen Rekord aufgestellt, und nun, wo sie ein paar davon so nötig gebraucht hätte, da gelangen ihr nicht einmal 50 Prozent der ersten Aufschläge und nur ein einziges As.

          „Sie hat sehr gut begonnen, und ich war sehr nervös“, sagte die Berlinerin, und der Verlust des ersten Satzes taugte zwangsläufig nicht für eine rapide Beruhigung. Kas feuerte an, so gut er es konnte und so weit es die Regeln erlauben, aber die ganze Angelegenheit blieb auch im zweiten Durchgang eine wacklige Geschichte. Beim Stand von 6:5 erspielte sich Sabine Lisicki dann drei Satzbälle, vergab zum Leidwesen von Kas aber alle drei, nutzte dann allerdings ihren vierten zum Satzausgleich.

          Knapp am Ausscheiden hatte sie da vorbei balanciert, und wenn solche Nervenproben überstanden sind, gelten sie als gutes Omen für den weiteren Turnierverlauf. Vielleicht wäre es woanders auch schief gegangen, aber dies hier ist Wimbledon, und seit 2011 hat Sabine Lisicki immer das Viertelfinale erreicht. Die Frage nach dem Sieger dieser Partie war zumindest im dritten Satz dann schnell beantwortet - die Deutsche minimierte ihre Fehler, steigerte ihre Aufschlagquote auf 74 Prozent und beherrschte plötzlich das Geschehen. Sie wird sich in zwei Tagen daran erinnern müssen und sie sollte am besten gleich so weiter machen - gegen Timea Bacsinszky könnte ein Fehlstart schließlich fatale Folgen haben. Die Schweizerin, in der Weltrangliste auf Platz 15 drei Ränge vor ihr plaziert, hat zuletzt das Halbfinale der French Open erreicht.

          Noch besser, als solche knappen Spiele letztlich doch zu gewinnen, sind natürlich ganz und gar souveräne Auftritte, vor allem natürlich für das Nervenkostüm des Trainers. In dieser Hinsicht kann sich Torben Beltz, der Coach von Angelique Kerber, momentan nicht beschweren. Das Turnier in Eastbourne hat die Kielerin zuletzt gewonnen und auch das rein deutsche Halbfinale gegen Sabine Lisicki dabei für sich entschieden, trotz deren Aufschlagstärke.

          Mit Durchschlagskraft: Angelique Kerber stürmt in die dritte Runde
          Mit Durchschlagskraft: Angelique Kerber stürmt in die dritte Runde : Bild: dpa

          Angelique Kerber mangelt es an einem solchen Aufschlag, auch wenn er etwas besser geworden ist - Spötter behaupten, dass dies ja auch nicht besonders schwer gewesen sei. Ist der Ball aber erst einmal im Spiel, dann kommen die Stärken der Weltranglistenzehnten zum Tragen. Es reicht ja, den Ball einmal mehr als der Gegner ins Feld zu schlagen, und das macht sie in den vergangenen Wochen beständig. Sie hat jetzt sieben Spiele auf Rasen nacheinander gewonnen, und in dieser Form dürfte ihr die nächste Gegnerin gerade recht kommen. Gegen die Spanierin Garbine Muguruza hat sie zuletzt bei den French Open in drei Sätzen in der dritten Runde verloren - nun kommt es am Samstag wieder in der dritten Runde zu einem Wiedersehen. Ein große Dosis Selbstvertrauen kann da nicht schaden.

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